Kai Röhrl im Interview„Klassische Multi-Asset-Strategien funktionieren nicht mehr“

Wohin bewegt sich der Multi-Asset-Trend, wenn Anleihen keine Zinsen mehr abwerfen? Für Kai Röhrl, Leiter Drittvertrieb bei Robeco Deutschland, ist Absolute Return eine Lösung in einem differenzierteren Multi-Asset-Markt. Der Robeco GTAA Fund ist ein Beispiel dafür, wie es gehen könnte.

11.03.2016 - 11:59 Uhr11.03.16 11:59
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Kai Röhrl, Leiter Drittvertrieb bei Robeco Deutschland
Kai Röhrl, Leiter Drittvertrieb bei Robeco Deutschland© Robeco

der fonds: Herr Röhrl, Multi-Asset-Produkte waren die Kassenschlager 2015. Wird sich dieser Trend auch 2016 fortsetzen?

Kai Röhrl: Ich befürchte es fast. Viele Investoren möchten heutzutage ihre Geldanlage komplett outsourcen. Sie wollen sich nicht entscheiden müssen wie stark sie in Aktien oder in Anleihen investiert sind, oder zu welchem Zeitpunkt welche Anlageklasse übergewichtet werden sollte. Die Idee, einfach ein Produkt zu kaufen, das diese Fragen für sie löst, ist da natürlich verlockend. Und das geht vielen Beratern ähnlich. Sie möchten ihr Beratungsproblem outsourcen. Das erklärt für mich den enormen Erfolg dieser Anlagegattung, und daher glaube ich auch, dass der Trend anhält.

der fonds: Sie sagen „befürchten“. Halten Sie das für eine negative Entwicklung?

Kai Röhrl: Nein, absolut nicht – es gibt ja durchaus gute Multi-Asset-Produkte. Diese Fondsgattung hat ihre Existenzberechtigung und hat für den Anleger in vielen Fällen wirklich gute Erfolge erzielt. Aber aus fachlicher Sicht würde ich mir natürlich schon wünschen, dass sich der Anleger selbst wieder mehr Gedanken darüber macht, wie er sein Portfolio zusammenbaut.

„Die Industrie war bislang nicht innovativ genug“

der fonds: Es scheint auch, als würden wöchentlich neue Multi-Asset-Produkte auf den Markt geworfen. Müsste der Markt nicht inzwischen gesättigt sein?

Kai Röhrl: Die Dinge in der Fondsindustrie ändern sich so schnell, dass ich nicht glaube, dass schon bald ein Sättigungseffekt eintritt. Gerade in der Gattung Multi Asset gibt es meines Erachtens – aufgrund der veränderten Marktsituation – genug Platz für neue Produkte. Denn die Zinssituation lässt eine klassische Form des Multi-Asset-Managements – also die Variation der Aktien- und Rentenquote – eigentlich kaum mehr zu. Es ist Zeit für neue Ideen und Produkte in diesem Segment.