Kampf um den ÖlpreisSaudi-Arabiens nächster Gegner

Wenn Saudi-Arabien den Kampf um Marktanteile gegen die amerikanischen Schieferölproduzenten gewinnt, wird ihm ein neuer Widersacher entgegentreten. Der neue Gegner verfügt über mehr als eine Milliarde Barrel Öl.

03.03.2016 - 17:11 Uhr03.03.16 17:11
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Quelle: Bloomberg
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Nein, es ist nicht der regionale Erzfeind Iran, nicht ein wiedererstarkter Irak und auch nicht der langjährige Konkurrent Russland. Die Antwort ist viel einfacher: Es sind die Lagerbestände. Selbst wenn die Überproduktion aufhört, wird ein Lagerüberschuss von mehr als einer Milliarde Barrel die Preise drücken. Die Bestände, die seit 2014 aufgebaut wurden, werden bis Ende 2017 weiter wachsen, prognostiziert die Internationale Energieagentur. Sie aufzulösen könnte Jahre dauern.

„Es könnte sein, dass wir am Jahresende ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage erreichen, aber der Markt sagt ’Na und?’ Der Markt wartet auf Belege für einen Lagerabbau. Es dürfte nicht ausreichen, dass nur der Lageraufbau aufhört.“

Mike Wittner, Leiter Ölmärkte bei Societe Generale SA in New York

Saudi-Arabien hat Ende 2014 öffentlich gemacht, dass es die überversorgten weltweiten Ölmärkte wieder ins Gleichgewicht bringen will, indem es Wettbewerber mittels Niedrigpreisen aus dem Markt drängt. Diese Strategie hat sich als verheerend erwiesen. Im Februar fiel der Rohölpreis unter 30 US-Dollar je Barrel. Zwar deutet ein allmählicher Rückgang der US-Produktion an, dass das Angebot bald nicht mehr weiter wachsen wird. Doch der zweite Teil des Prozesses dürfte sich als langwieriger erweisen, da die Lager nur langsam abgebaut werden.

Lagerabbau wird bis 2021 dauern

Als historisches Beispiel verweist die Goldman Sachs Group auf die Ölschwemme, die sich zwischen 1998 und 1999 aufbaute, als die Nachfrage im Gefolge der asiatischen Finanzkrise einbrach. Die Rohölnotierungen fielen weiter, obwohl die Mitgliedsstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) im März und erneut im Juni 1998 ihre Förderung drosselten. Im darauffolgenden Dezember fielen die Preise in London unter zehn Dollar pro Jahr. Erst als Anfang 1999 die Lagerbestände in den entwickelten Ländern anfingen zurückzugehen, fasste die Erholung Tritt.