Geldpolitischer Richtungswechsel Keine Angst vor steigenden Zinsen

Erhöhen die Notenbanken den Leitzins, geraten die Aktienkurse unter Druck – das gilt am Markt als ungeschriebenes Gesetz. Aber stimmt es auch? Die Sutor Bank hat einmal in die Vergangenheit geschaut und gibt Entwarnung.

21.03.2022 - 17:0021.03.22 - 16:03
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Fed-Chef Jerome Powell verkündet bei einer virtuellen Pressekonferenz die erste Leitzinserhöhung seit 2018
Fed-Chef Jerome Powell verkündet bei einer virtuellen Pressekonferenz die erste Leitzinserhöhung seit 2018: Marktteilnehmer sollten den Effekt einer geldpolitischen Straffung auf die Aktienmarktentwicklung nicht überbewerten© Imago Images / Kyodo News

Die US-Notenbank hat wie erwartet eine Zinswende eingeleitet. In einem ersten Schritt erhöhte die Fed die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent. Die Marktteilnehmer reagierten auf die Zinserhöhung zunächst unaufgeregt – schon lange war darüber spekuliert worden.

Dennoch sorgt die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen für Verunsicherung unter den Marktteilnehmern. Viele Experten sehen es quasi als „Marktgesetz“, dass die Aktienkurse bei Zinserhöhungen stark unter Druck geraten. Zu Recht? Dieser Frage ist die Hamburger Sutor Bank nachgegangen. Die Experten haben dazu eine Kurzanalyse durchgeführt und die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed ab 2015 sowie deren Auswirkungen auf den US-Aktienindex S&P 500 näher betrachtet.

Das Ergebnis: Für die vergangenen Jahre lässt sich nicht nachweisen, dass Zinserhöhungen für länger anhaltende Kursrückgänge am Aktienmarkt sorgten. Grundsätzlich dürften Ausschläge am Aktienmarkt nur sehr bedingt allein auf die Zinspolitik zurückzuführen sein. Und: Gibt es Rückgänge, gleichen sich diese häufig schnell wieder aus.

Neun Zinserhöhungen – nur zweimal ging es danach bergab

Zwischen 2015 und 2018 hat die Fed neunmal die Leitzinsen erhöht. Um Auswirkungen der Zinsschritte auf die Aktienkurse nachvollziehen zu können, verglich die Sutor Bank den Stand des S&P 500 sechs Monate vor dem Zinsschritt mit dem Kurs sechs Monate nach dem Zinsschritt – weil in der Regel die Märkte schon aufgrund von Spekulationen einige Zeit vor dem eigentlichen Zinsschritt reagieren.

Das Ergebnis: Nur in zwei von neun Fällen gab es um den Zinsanstieg herum eine negative Kursentwicklung des S&P 500: Im Dezember 2015, als die Fed nach acht Jahren gleich gebliebener Zinsen wieder die Zinsen erhöhte, sowie im Juni 2018, als die Fed den Leitzins von 1,75 auf 2,0 Prozent anhob. In beiden Fällen waren die Rückgänge mit jeweils rund 2 Prozent auf Sicht von einem Jahr moderat. Auf nur etwas längere Sicht von eineinhalb Jahren – sechs Monate vor Zinsschritt bis zwölf Monate nach Zinsschritt – lagen die Kurse wieder im Plus.

Von den sieben weiteren Zinserhöhungen bis Dezember 2018 zeigte sich der S&P 500 unbeeindruckt im Hinblick auf Kursrückgänge, vielmehr legte er auf Sicht von einem Jahr um den Zinsschritt herum zwischen 6,8 und 18,3 Prozent zu.

Zinserhöhungen bedeuten nicht automatisch Kurseinbußen

Gemäß Sutor Bank zeigt die Kurzanalyse, dass die einfache Rechnung – Zinserhöhung gleich Kursrückgang am Aktienmarkt – so isoliert nicht stimmt. De facto ist nicht nachvollziehbar, ob eine Zinserhöhung heutzutage überhaupt noch einen spürbaren Einfluss auf die Aktienmärkte hat. Aussagen, die jedoch genau diese Verbindung nahelegen, würden vielmehr für Verunsicherung bei Anlegern sorgen. Es bestehe sogar die Gefahr einer selbst erfüllenden Prophezeiung: Je mehr Investoren sich vom Aktienmarkt abwenden, weil sie Kursrückgänge im Zuge der bevorstehenden Zinserhöhungen befürchten, desto eher könnten diese wirklich eintreten.

Im Hinblick auf weitere Zinserhöhungen der Fed, aber auch das Einleiten der Zinswende durch die Europäische Zentralbank in diesem Jahr sollten sich Anleger aus Sicht der Sutor Bank nicht verunsichern lassen. Vielmehr gelte es, die grundsätzlichen Gesetzmäßigkeiten am Kapitalmarkt zu beherzigen: Schwankungen gehören dazu, auf Rückgänge folgen auch wieder Kurssteigerungen, hektisches Umschichten aus Aktien heraus sorgt eher für Renditeeinbußen. Wer dies berücksichtige, müsse sich um (weitere) Zinserhöhungen keine Sorgen machen.