Stolls Fondsecke Kleines Land – krisenfeste Anlagen

Hohe Qualität, niedrige Schulden und eine starke Währung: Die Schweiz gehört zu den reichsten Ländern weltweit. Warum gerade die Nebenwerte-Fonds der Alpenrepublik eine starke Alternative zu europäischen Small-Cap-Produkten darstellen, erklärt unser Gastautor Sven Stoll, der vier Schweizer Fonds unter die Lupe genommen hat.

25.08.2021 - 13:2025.08.21 - 13:23
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Kitesurfer auf dem Silvaplanersee im Oberengadin, Schweiz
Kitesurfer auf dem Silvaplanersee im Oberengadin, Schweiz: Die Aktien der Alpenrepublik überflügeln die meisten europäischen Börsenbarometer © IMAGO / Kraft

Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Schweiz als Reiseziel sehr beliebt, das Geschäft mit den Touristen trägt seitdem einen nicht unwesentlichen Teil zum Bruttoinlandsprodukt bei. Feine Schokoladenträume, Taschenmesser, Appenzeller oder Swiss-Made-Uhren – Schweizer Produkte werden auf Grund ihrer hohen Qualität weltweit geschätzt. So kommt es, dass die kleine Alpenrepublik mit ihren gerade einmal 8,5 Millionen Einwohnern gemessen an der Wirtschaftsleistung ein wahrer Gigant ist.

Während EU-Staaten wie Italien, Griechenland oder Frankreich enorme Schuldenlasten mit sich herumschleppen, zählt die Schweiz zu den reichsten Ländern der Erde. Im Jahr 2019 lag die Staatsschuldenquote des Landes bei gerade einmal 25,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Krisenfeste Alpenrepublik

Kein Wunder, dass auch der Schweizer Aktienmarkt weltweit geschätzt wird. Gerade in volatilen Marktphasen punktet er mit seinem defensiven Charakter. So kommen Schweizer Aktien meist besser durch Krisen, was sich auch im vergangenen Jahr zeigte. Während globale Aktien in der Corona-Krise um bis zu 34 Prozent fielen, verlor der Swiss Market Index (SMI) lediglich 26 Prozent.

Auch aktuell überflügeln die Aktien der Alpenrepublik die meisten europäischen Börsenbarometer – langfristig taten sie das ohnehin. Hinzu kommt eine starke Währung. Der harte Schweizer Franken ist in Krisenzeiten als sicherer Hafen gefragt. Denn die Schweiz gilt als solide Volkswirtschaft mit stabilen politischen und sozialen Verhältnissen. Anleger, die Risiken streuen möchten, finden in eidgenössischen Papieren deshalb eine gute Möglichkeit zur Diversifikation.

Nebenwerte-Fonds besonders stark

Der Handel für Investoren außerhalb der Schweiz ist aktuell jedoch schwierig. Wer als EU-Bürger an der positiven Entwicklung von großen Namen wie Nestlé oder Roche teilhaben will, steht seit 2019 vor einem Problem. Nach einem politischen Streit mit der Europäischen Union können in der Schweiz gelistete Unternehmen nicht mehr an EU-Börsen gehandelt werden. Nur über Umwege lassen sich entsprechende Aktien kaufen, was allerdings mit hohen Transaktionskosten verbunden sein kann.

Eine gute Alternative sind deshalb Fonds und ETFs, die vom bestehenden Handelsverbot nicht betroffen sind. In der Vergangenheit spielten vor allem Nebenwerte-Fonds ihre Stärken aus, die vom Exportwunder Schweiz und dessen Innovationskraft besser profitierten als Fonds, die sich lediglich größeren Börsenwerten widmen. Der Erfolg rührt daher, dass viele kleine Unternehmen gut geführt sind, über starke Marken verfügen und eine klare langfristige Unternehmensstrategie verfolgen. Zudem sind sie hochinnovativ und weisen vielfach starke Bilanzen mit einer niedrigen Verschuldung auf. Aus dieser Kombination entstehen hochwertige Produkte und Dienstleistungen, die auf der ganzen Welt großen Anklang finden.

Verkaufsstopp für Spitzenfonds

Mit den niedrigsten Schwankungen im Feld der Fonds für kleinkapitalisierte Aktien kommt der zCapital Swiss Small and Mid Cap Fund A (ISIN: CH0045341648) aus. Seine Schwankung, gemessen anhand der Volatilität, liegt bei lediglich 10 Prozent. Allerdings ist der Fonds in Deutschland aktuell nicht handelbar.

Für den Performance-Spitzenreiter im 10-Jahres-Zeitraum gilt ebenso ein Verkaufsstopp. Der Blackrock Swiss Small and MidCap Opport A2 CHF (ISIN: LU0376446257) ist mit knapp einer Milliarde Euro zu groß für Neuinvestitionen. Fondsmanager David Tovey, der Blackrock kürzlich verlassen hat, erwirtschaftete mit Schweizer Small-Caps mehr als 400 Prozent Rendite in zehn Jahren. Nachfolger ist Christopher Sykes, der die Fondspalette von Tovey übernommen hat.

Zukunftsinvestitionen für langfristigen Erfolg

Den besten Gesamteindruck unter den Schweizer Fonds hinterlässt der GAM Swiss Small & Mid Cap Equity A (ISIN: LU0038279252).

Der bereits 1992 aufgelegte Klassiker gehört zu den beständig besten Fonds seines Segments. Seit der Auflage legte der Fondspreis um 2338 Prozent zu, das entspricht einer jährlichen Rendite von 12 Prozent. Verantwortlich für den Fonds des Züricher Vermögensverwalters GAM ist das Duo Thomas Funk und Daniel Häuselmann. Die Manager konzentrieren sich vor allem auf das Thema Wachstum: „Mit Wachstum ist dabei nicht der Fokus auf kurzfristige Quartalszahlen gemeint, sondern die Aussichten über mittel- bis langfristige Zeiträume. Wir haben eine ganze Reihe von Unternehmen im Portfolio, die jetzt in ihren künftigen Erfolg investieren“, erklärte Funk im Interview mit Forbes. Sich langfristig auszurichten, aber auch kurzfristige Ziele zu erreichen sei eines der wichtigsten Merkmale gut geführter Unternehmen.

Im Fonds setzen die Manager aktuell auf 38 Positionen. Die größten sind Sonova und Straumann. Die Sonova Holding AG ist eine auf Hörsysteme spezialisierte, international tätige Schweizer Unternehmensgruppe mit Sitz in Stäfa. Straumann steht für erstklassige Schweizer Qualität und höchste Präzision sowie für Innovation und Sicherheit in der Zahnmedizin. Zum Portfolio gehört auch der Elektronikkonzern Logitech. Das Erfolgsunternehmen aus Lausanne konnte sein Ergebnis aus dem Vorjahresquartal mit 1,31 Milliarden Dollar erst kürzlich um knapp 66 Prozent verbessern.

Potenzial der Familienunternehmen nutzen

Birgitte Olsen, Fondsmanagerin des Bellevue Funds (Lux) - BB Entrepreneur Swiss Small&Mid B EUR (ISIN: LU1477743899) nutzt die Gunst der Stunde, um bei Logitech aufzustocken: „Wir stockten im Monatsverlauf unsere Position in Logitech infolge der negativen Marktreaktion auf, die darauf zurückzuführen ist, dass Logitech zwar einen sehr guten Datenkranz vorgelegt, aber die Unternehmensprognose nicht angehoben hat. Wir schätzen vor allem die hervorragende Informationsbereitschaft des Unternehmens und sein kontinuierliches und umsichtiges Erwartungsmanagement.“

Entrepreneur-Fonds, wie der BB-Fonds, nutzen das Potenzial familiengeführter Unternehmen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen immer wieder: Gewachsene familiengeführte Unternehmen erzielen bessere Margen, haben eine geringere Nettoverschuldung und investieren mehr in Forschung und Entwicklung. Fokussierte Geschäftsmodelle, kurze Entscheidungswege und eine starke Unternehmerkultur zeichnen sie aus.

Neben Logitech gehören die Schokoladenfabrik Lindt & Sprüngli sowie der Vakuumventilhersteller Vat-Group zu den gewichtigen Positionen. Auch die Versandapotheke Zur Rose ist ein Top-10 Wert. Während Zur Rose für einige zu den derzeit heißesten Wachstumsunternehmen überhaupt zählt, halten andere die Aktien der Versandapotheke für den bloßen Spielball irgendwelcher Spekulanten. Diese sorgen auf jeden Fall für hohe Tagesschwankungen, die Olsen zuletzt für Zukäufe nutzte. In Sachen Wertentwicklung übertrifft der BB-Fonds die meisten Konkurrenten über drei Jahre mit einem Plus von 55 Prozent.

Mein Fazit: Wer sich nicht den höheren Schwankungen im europäischen Nebenwertesegment aussetzen möchte, findet im Bereich der Schweizer Small-Cap-Fonds gute Alternativen mit ähnlicher Wertentwicklung und geringerer Volatilität.

Svens Schweiz-Fonds auf einem Blick

Über den Autor: Sven Stoll beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit Investmentfonds und betreibt auf Facebook den Blog World of Investmentfonds.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.