Zwischen US-Dollar-Stärke und Inflationssorgen Kostet Gold bald wieder 2.000 US-Dollar?

Ob als Barren im Tresor oder als Minenaktie im Depot: Insgesamt hatten Goldanleger dieses Jahr bislang wenig Freude mit dem Edelmetall. Die Fed-Sitzung im Juni war der nächste Rückschlag für die Notierungen. Trotz allem sieht Joe Foster, Goldstratege bei VanEck, Aufwärtspotenzial.

29.07.2021 - 10:4929.07.21 - 10:54
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in  Gold
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Juwelier in der Türkei
Juwelier in der Türkei: 2021 war Gold bisher keine Zierde fürs Depot – seit Jahresbeginn hat der Preis um rund 6,7 Prozent nachgegeben © IMAGO / ZUMA Wire

Die Goldrally im zweiten Quartal fand im Juni ein abruptes Ende. Woran lag’s? Joe Foster, Portfoliomanager und Goldstratege bei VanEck, sieht den Grund insbesondere in der US-Geldpolitik: Wenn auch subtil deuteten die Währungshüter im Zuge ihrer geldpolitischen Sitzung an, dass die Diskussionen über eine Reduzierung der Anleihekäufe begonnen haben und die Zinsen früher angehoben werden könnten als gemeinhin erwartet. „Das stützte den US-Dollar und setzte den Goldpreis unter Druck: In den drei Tagen nach der Mitteilung der Fed gab er um 5,1 Prozent nach.“

Zwar holte die Notierung im Verlauf des Monats einen Teil der Verluste wieder auf und lag Ende Juni bei rund 1.770 US-Dollar pro Feinunze. Dennoch stand damit auf Monatssicht ein Minus von etwa 7 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Verlust auf rund 6,8 Prozent.

Schwarzer Monat für Goldaktien

„Goldaktien haben auf Jahressicht ebenfalls an Wert verloren und spiegeln damit die Entwicklung von Gold wider“, sagt Foster. „Der Juni war ein schrecklicher Monat für Goldaktien, da er alle Gewinne aus den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 zunichtemachte.“ Die Goldaktien mit größerer Marktkapitalisierung haben sich im bisherigen Jahresverlauf jedoch immer noch besser entwickelt als das Edelmetall selbst. „Dies ist untypisch in einer Zeit sinkender Goldpreise und kann auf mehrere Faktoren zurückzuführen sein.“ Ein Aspekt könnte sein, dass diese Aktien im vergangenen Jahr etwas hinter Gold zurückgeblieben sind – trotz eines phänomenalen Jahres für Gold. Es könne sich also um eine Aufholjagd handeln.

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Die Fundamentaldaten des Sektors könnten laut Foster ebenfalls ein wichtiger Treiber sein. „Insgesamt sind die Goldminenunternehmen operativ und finanziell in einer großartigen Verfassung – vielleicht der besten jemals. Selbst bei den aktuellen Goldpreisen nach dem jüngsten Rückschlag sind die Gewinnmargen sehr beträchtlich und die Unternehmen generieren einen erheblichen freien Cashflow.“ Überschüssige liquide Mittel würden verantwortungsvoll eingesetzt, um Projekte mit geringerem Risiko und höherer Rendite zu finanzieren und den Ertrag für die Anteilseigner in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen zu erhöhen. „Der heutige Goldminensektor könnte immer mehr Investoren anziehen. Denn die Minenbetreiber zeigen, dass sie profitable Unternehmen sind, die über den Metallpreiszyklus hinweg investierbar bleiben.“


US-Dollar und Inflation wesentliche Einflussfaktoren

Wie geht’s nun weiter am Goldmarkt? „Die Anleger werden sich auf den geldpolitischen Ausblick der Fed konzentrieren“, prognostiziert Foster. Die Entwicklung der Zinsen und des US-Dollars dürfte die Richtung von Gold weiterhin beeinflussen. „In jüngster Zeit scheint der US-Dollar ein dominanterer Faktor zu sein, der sich für Gold als besonders belastend erweist.“ Sollte die Stärke des US-Dollars nachlassen und das aktuelle Inflationsniveau anhalten, könnte das Edelmetall aus Sicht des Goldstrategen bis zum Jahresende in Richtung 2.000 US-Dollar tendieren.

Neben dem US-Dollar dürfte die Inflation die weitere Entwicklung des Goldpreises beeinflussen, gilt das Edelmetall doch als Schutz vor steigenden Teuerungsraten. „Wir sind weiterhin der Meinung, dass die Inflation auf dem aktuellen Niveau hartnäckiger sein könnte, als von der Fed prognostiziert“, betont Foster. „In vielen Sektoren beobachten wir Engpässe in der Lieferkette und einen Arbeitskräftemangel, was auf weiteren Inflationsdruck hindeuten könnte. Rohstoffpreise befinden sich auf Mehrjahreshochs. Das anziehende globale Wachstum, die Billionen US-Dollar an Fiskalausgaben in den USA und die steigende Nachfrage nach vielen Metallen im Zuge der globalen Energiewende sollten Rohstoffe längerfristig stützen und zu höheren Inflationserwartungen beitragen.“

Absicherung in risikobehaftetem Marktumfeld

Eine hartnäckigere und höhere Inflation würde nach Ansicht des Goldstrategen den Effekt eines Zinsanstiegs ausgleichen: Die Realzinsen würden niedrig oder negativ bleiben. „Das könnte den Goldpreis langfristig ebenso stützen wie eine unerwartet schwache wirtschaftliche Erholung nach dem Konjunkturprogramm, eine höhere Inflation, ein schwächerer US-Dollar, eine extreme Verschuldung, das endgültige Platzen von Vermögenspreisblasen und andere unbeabsichtigte Folgen der massiven Liquiditätszufuhr in das Finanzsystem.“ Es sei nicht schwer, sich ein Umfeld vorzustellen, in dem mehr als eines dieser Risiken ins Spiel kommen könnte. „Dadurch würde sich die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen, Inflationsabsicherung und Portfoliodiversifizierung deutlich erhöhen.“ In Kombination mit der geringen Schwankungsanfälligkeit des Edelmetalls könnte das auf lange Sicht für einen möglichen Anstieg auf neue Höchststände sprechen.