Bitcoin und Co. Krypto-Regulierung: EU verschiebt Abstimmung – zunächst

Die Abstimmung der EU zur neuen Richtlinie für Kryptowährungen liegt erstmal auf Eis. Kryptofans können also aufatmen. Was an einem möglichen EU-Bitcoin-Verbot dran ist und warum das Mining der Kryptowährung so stark in der Kritik steht.

01.03.2022, aktualisiert 15.03.2022 - 09:3615.03.22 - 09:36
|
|
|
Christine Lagarde
Christine Lagarde: Die Präsidentin der EZB möchte die Regulierung von Kryptowährungen voranbringen © Imago Images / Andia

Es war ein Schock für Bitcoin-Fans: Der Krypto-Nachrichtendienst BTC-Echo hat jüngst über die Abstimmung zur EU-Verordnung Markets in Crypto-Assets, kurz MiCA, berichtet. Diese hätte möglicherweise ein Verbot so genannter Proof-of-Work (PoW)-basierter Kryptowährungen zur Folge – wie dem Bitcoin.

Zunächst kann die Krypto-Community aber erstmal aufatmen.

Die für den 28. Februar geplante Abstimmung über die neue MiCA ist erstmal verschoben worden. Dafür gesorgt hat CDU-Politiker Stefan Berger, Vorsitzender des zuständigen Ausschusses für Wirtschaft und Währung (ECON).

Bei der Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, steht die Regulierung von Kryptowährungen hingegen weiterhin hoch im Kurs. Der Grund: Sie will verhindern, dass Russland die Sanktionen mit digitalen Assets umgeht.

MiCA soll Kryptowährungen EU-weit regulieren

Finanzprodukte werden in der EU mit verschiedenen Richtlinien wie der europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFiD, kurz für Markets in Financial Instruments, streng reguliert. Das soll dafür sorgen, dass Verbraucher durch mehr Transparenz beim Handel mit Wertpapieren geschützt werden. Aktuell ist MifiD II in Kraft. MifiD III soll bald folgen.

Eine solche Regulierung gab es bisher für Kryptowährungen noch nicht. Mit dem MiCA-Entwurf wurde einen Rechtsrahmen für Kryptodienste vorgelegt.

In dem Entwurf heißt es laut einer Exklusiv-Meldung von BTC-Echo unter anderem, dass die EU Dienstleistungen, die auf „nicht ökologischen Konsensmechanismen“ wie dem PoW-Konzept beruhen, ab Anfang Januar 2025 verbieten wollen. Ein solches nutzt unter anderem der Bitcoin, die mit Abstand wichtigste Kryptowährung.

Auf Twitter entkräftete Berger, dass es sich um ein Bitcoin- beziehungsweise Proof-of-Work-Verbot handele.

Stefan Berger, Abgeordneter EU-Parlament

„Die Diskussion um MiCA weist darauf, dass einzelne Passagen des Berichtsentwurfs missverständlich interpretiert und als PoW-Verbot aufgefasst werden können“, schreibt Berger bei Twitter. Es wäre aus seiner Sicht fatal, wenn das EU-Parlament mit einer Abstimmung unter diesen Umständen ein falsches Signal vermitteln würde. Berger will „die Gespräche und Verhandlungen mit den Fraktionen zu diesem Thema jetzt erneut aufzunehmen und eine klare Faktenlage zu der Frage des PoW schaffen“.

Wie funktioniert der Proof-of-Work-Ansatz eigentlich?

PoW-Verfahren werden in der Blockchain genutzt, um Transaktionen im Netzwerk freigegeben. Dafür müssen komplexe Rechenaufgaben gelöst werden.

Jeder Teilnehmer des Netzwerks kann das mit seinem Rechner versuchen. Der schnellste Miner gewinnt und erhält die Transaktionsgebühr. Das Problem: Alle anderen Miner, die nicht so schnell waren, gehen leer aus und haben trotzdem viel Rechenkapazität und Strom verbraucht. Das ist einer der größten ökologischen Kritikpunkte am Bitcoin.

Energiesparende Alternative: das Proof-of-Stake-Verfahren

Zum PoW-Verfahren gibt es eine Alternative, auf die beispielsweise die zweitgrößte Kryptowährung Ether laut Expertenschätzungen ab Sommer 2020 setzen will: Das Proof-of-Stake-Verfahren.

Um Transaktionen auf der Ethereum-Blockchain zu validieren, stimmen die Teilnehmer des Netzwerks dann automatisiert darüber ab, wer dafür seine Rechenkapazität einsetzt. Dadurch wird deutlich weniger Energie benötigt als bei PoW.

Mit anderen Worten: Bei Proof-of-Work rechnen alle, bei Proof-of-Stake nur einer.

Energiebilanz des Minings ist umstritten

Die Energiebilanz des Bitcoin wird kontrovers diskutiert. Es gibt mittlerweile Studien des Bitcoin Mining Councils, dass Miner auf erneuerbare Energien setzen. Dieser Bericht ist unter Experten wegen der Systematik umstritten.

Eine Studie der Cambridge-Universität hingegen kommt zu dem Schluss, dass Bitcoin auf Platz 27 der größten Energieverbraucher weltweit liegt, wenn man den Energieverbrauch des Coins mit dem anderer Länder vergleicht.

Und es gibt Berichte wie im Spiegel. Das Magazin schrieb am 22. Februar, dass in den USA mehrere vor dem Aus stehende Kohlekraftwerke wieder betrieben werden, weil der Strom für das Mining von Kryptowährungen genutzt wird.

Lest auch:

ETPs: Einfach in Kryptowährungen wie Bitcoin investieren

Erster klimaneutraler Krypto-ETP

Das sind die 6 vielversprechendsten Crypto-Coins 2022