Stolls Fondsecke Kryptofonds – nicht nur für Bitcoin-Fans

Kaum eine Anlageklasse spaltet die Finanzwelt wie Kryptowährungen. Für die einen ist Bitcoin das digitale Gold und der ultimative Schutz vor Inflation, für die anderen reine Spekulation. Wer am Kryptomarkt investieren möchte, findet in Fonds eine Alternative zur Wallet. Unser Gastautor Sven Stoll stellt die Fonds für das Abenteuer vor.

12.11.2021, aktualisiert 15.11.2021 - 13:5715.11.21 - 13:57
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Krypto-Café in der Türkei
Krypto-Café in der Türkei: Wer sich digitale Währungen ins Depot holen möchte, kann das ganz einfach mit entsprechenden Fonds tun © Imago Images / Pacific Press Agency

Die Gier frisst bekanntlich das Hirn. Andererseits: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt! Und wer zu spät kommt, der wird vom Leben sowieso bestraft. Welche Redensart zu Bitcoin und Co. passt, darüber wird seit Einführung der digitalen Währungen gestritten. Kritiker:innen fühlen sich vor allem an die Tulpenmanie in den Niederlanden in den 1630er-Jahren erinnert. Auf dem Höhepunkt der Preisblase kostete Überlieferungen zufolge die seltene Tulpenzwiebel „Semper Augustus“ so viel wie ein Haus in Amsterdam. Dem exorbitanten Preisanstieg folgte schnelle Ernüchterung: Als bei einer Auktion am 6. Februar 1637 das Kaufinteresse für das vermeintliche Objekt der Begierde ausblieb, begann die Spekulationsblase zu platzen. Der Tulpenhandel kam zum Erliegen.

Jetzt ist es der Bitcoin, der in seiner jungen Geschichte ähnlich enorme Wertsteigerungen verzeichnete und Kritiker:innen auf den Plan ruft. Der bekannte US-Investor John Paulson prophezeit etwa den Sturz gegen Null. Im Interview mit Bloomberg Wealth riet er Anleger:innen, keinesfalls Geld in diese Anklageklasse zu investieren, da er hier eine Blasenbildung sehe: „Kryptowährungen, unabhängig davon, wo sie heute gehandelt werden, werden sich letztendlich als wertlos erweisen“, warnt Paulson.

US-Starinvestorin und Gründerin von Ark Invest Cathie Wood glaubt dagegen fest an den Bitcoin. Und aufgrund ihres Erfolgs zählt ihre Meinung mindestens genauso wie die von Paulson: „Die Marktkapitalisierung des Bitcoin von einer Billion US-Dollar halte ich für niedrig. Wir stehen erst am Start“, sagt Wood im Interview. Ihr ambitioniertes Preisziel für die Cyberdevise: Bis zu 750.000 US-Dollar. Die beiden gegensätzlichen Meinungen zeigen, wie umstritten das Thema selbst unter Profis ist.

Bitcoin um mehr als 111 Millionen Prozent gestiegen

Der Bitcoin wurde 2009 als die erste dezentralisierte Währung geschaffen, die auf Basis der Blockchain-Technologie funktioniert. Der erste Wechselkurs für die Währung, die auf maximal 21 Millionen Coins limitiert ist, lag im Jahr 2008 bei 0,07 US-Dollar. Heute liegt er bei rund 66.000 US-Dollar. Das ist eine Wertsteigerung von sagenhaften 111.291.600 Prozent! Oder anders gesagt: Wer zu Beginn 9 US-Dollar investiert und die Coins bis heute gehalten hätte, sitzt auf einem Vermögen von mehr als 3 Millionen US-Dollar!

Zuletzt ist der Kurs regelrecht explodiert, nachdem er sich zuvor auf ein Jahrestief von unter 30.000 US-Dollar halbiert hatte. Befeuert wird der Boom vor allem durch die weltweit extrem expansive Geld- und Finanzpolitik und dem damit einhergehenden Vertrauensverlust in Papierwährungen sowie das enorme Kaufinteresse einer zunehmend breiten Anlegerschaft. So verzeichnete der weltweit erste Bitcoin-ETF (Bito) am ersten Handelstag, dem 19. Oktober 2021, ein Handelsvolumen von mehr als einer Milliarde Dollar –Rekord.

Die steigende Akzeptanz dürfte auch eine Rolle für die zukünftige Entwicklung spielen. In Deutschland nehmen immer mehr namhafte Firmen und Organisationen Bitcoin als Zahlungsmittel entgegen. Dazu gehören beispielsweise Lieferando, Microsoft und Greenpeace. Besitzer:innen einer Mastercard können in Zukunft ebenfalls mit Bitcoin bezahlen. Denn wie das Unternehmen verlauten lässt, sollen bald sämtliche Banken und Händler:innen Kryptowährungen in die eigenen Bezahlsysteme integrieren können. Als erstes Land der Welt hat El Salvador Bitcoin sogar als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen.

Acatis Datini Value Flex: 5 Prozent Bitcoin

Hendrik Leber, eigentlich ein eingefleischter Value-Investor, ist schon seit Jahren bekennender Bitcoin-Fan. Mit seinem Freestyle-Mischfonds, dem Acatis Datini Value Flex (ISIN: DE000A1H72F1), setzt er Investmentideen um, die er persönlich für sehr aussichtsreich hält. Die Liaison zum Bitcoin ist dabei kein kurzfristiger Flirt wie manch andere, durchaus spontane Investmententscheidung, sondern eine bereits seit mehr als fünf Jahre währende Dauerbeziehung. Schon 2017 hat Leber per Vontobel-Zertifikat in die weltgrößte Kryptowährung investiert. Seine Argumente: „Das Angebot ist knapp, Bitcoin hat viele Eigenschaften von Gold und bisher besitzen ihn die wenigsten.“ Und er traut der Währung noch einiges zu. „Bitcoin bei 500.000 Euro? Warum nicht“, so Leber im Interview mit Mission Money. In seiner Kreativ-Spielwiese, dem Datini-Fonds, räumt er dem Bitcoinzertifikat eine Gewichtung von aktuell 5 Prozent ein. Daneben setzt der Frankfurter auf den Impfstoffhersteller Biontech und den Technologiekonzern Nvidia. Sein Gespür für aussichtsreiche Investments lässt sich gut an der Wertentwicklung des Fonds ablesen. Die älteste Ende 2008 aufgelegte Tranche des Datini Value Flex erzielte bis heute ein Plus von knapp 800 Prozent.

Postera-Crypto: 21 Kryptowährungen

Der erste rein europäische Kryptofonds wurde 2018 ins Leben gerufen und durch die Liechtensteiner Finanzmarktaufsicht genehmigt. Der als AIF aufgelegte Postera-Crypto I (ISIN: LI0385769448) investiert aktiv in aktuell 21 verschiedene Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Litecoin oder Ripple. Mit 185 Plus ist der Fonds im Jahr 2020 erfolgreichster Publikumsfonds und setzte den Höhenflug unter großen Schwankungen auch in diesem Jahr fort. Der Fondspreis hat sich bis dato verdoppelt. Die Volatilität des Fonds ist im Vergleich zu einem globalen Aktieninvestment allerdings enorm. So liegen die Schwankungen auf Sicht von drei Jahren bei 77,79 Prozent, die des MSCI World nur bei 17,40 Prozent.

BIT-Crypto Leaders: 10 Prozent Token, 90 Prozent Kryptoaktien

Hohe Wertschwankungen sollten Privatanleger:innen auch beim gerade im UCITS-Mantel lancierten BIT-Crypto Leaders (ISIN: DE000A3CNGM3) einkalkulieren. Initiator des Fonds ist Jan Beckers, Unternehmensgründer und feste Größe in der deutschen Start-up-Szene. Mit seinem vor drei Jahren gegründeten Fondshaus BIT-Capital verwaltet der neue Shooting-Star am Fondshimmel mehr als 1,4 Milliarden Euro. Das Flaggschiff, der auf Techkonzerne konzentrierte BIT Global Internet Leaders erwirtschaftete ein Plus von 480 Prozent seit Auflage am 2. Januar 2019 und schlägt damit selbst den ARK-Innovation ETF von Cathie Wood.

Beim BIT-Crypto Leaders darf Krypto-Spezialist Ha Duong, der den Fonds zusammen mit Beckers leitet, aus regulatorischen Gründen nur 10 Prozent der Anlagegelder direkt in Token anlegen, 90 Prozent fließen derzeit in rund 35 Aktien aus der Kryptowelt, darunter laut Beckers der Krypto-Broker Voyager.

Incrementum: Gold, Silber, Kryptowährungen

Einen etwas anderen Weg beschreiten Mark Valek und Ronald Stöferle, die beim Incrementum Crypto Gold Fund (ISIN: LI1100044299) gleichermaßen in die Wertspeicher Gold, Silber und Kryptowährungen investieren. Für die Umsetzung der Allokation nutzen sie Edelmetallkonten, ETCs, Gold- und Silberminenaktien sowie Optionen. Über systematisches Rebalancing soll die hohe Volatilität der Kryptowährungen gedämpft werden. „In einer Welt niedriger Zinsen und aggressiver Geld- und Fiskalpolitik wollen wir unseren Investoren den Zugang zu Assets bieten, die nicht beliebig inflationierbar sind“, so Mark Valek auf der Homepage. Der Fondswert des mit knapp 5 Millionen noch recht kleinen Fonds ist in den vergangenen drei Monaten um 22 Prozent gestiegen.

Invesco Elwood Global Blockchain ETF: Der Klassiker

Längst kein Nischenprodukt mehr ist der Invesco Elwood Global Blockchain ETF (ISIN: IE00BGBN6P67). Dieser wurde bereits 2019 aufgelegt und bringt mehr als eine Milliarde US-Dollar auf die Waage. Während über die Zukunft des Bitcoin heiß gestritten wird, investiert der ETF in die hinter den digitalen Währungen stehende Blockchain-Technologie, der von vielen eine große Zukunft vorhergesagt wird. Im Portfolio tummeln sich Unternehmen aus dem Blockchain-Ökosystem. US-Unternehmen machen mit 31 Prozent den größten Anteil aus, es folgen Japan (25 Prozent), Kanada (15 Prozent) und Taiwan (8,5 Prozent). Zu den Top-Positionen zählen aktuell der Kryptominer Five Blockchain sowie Bitfarms, ein kanadischer Betreiber von Blockchain-Computerzentren. Seit März 2019 hat der ETF seinen Wert fast verdreifacht.

Mein Fazit: Auch wenn niemand in die Zukunft schauen kann – sehr viel spricht dafür, dass Gold oder Kryptowährungen stärker denn je in ein Portfolio gehören. Schließlich erscheint eine höhere Inflation, egal welches Szenario eintritt, fast unausweichlich. Das begrenzte Angebot von Bitcoin oder Gold machen die beiden Wertspeicher zu einem Schutz gegen Inflation und sind die Antithese zu Fiatwährungen.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.