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EZB-Präsident Mario Draghi

ANZEIGE Kursänderung in der Geldpolitik Die neue Europastärke

Europa blüht wirtschaftlich auf. Steigen jetzt auch die Zinsen? Eine Einschätzung von Jacob Vijverberg aus dem Multi-Asset-Team des schottischen Vermögensverwalters Kames Capital.

18.07.2017 - 17:10 Uhr | Von:  in Kames Capital

Die Zinsen im Euroraum befinden sich auf extrem niedrigem Niveau. In einigen Ländern liegen sie sogar im Minusbereich. Doch bleibt das so? Der ein oder andere Investor vermutet, dass eine Wende bevorsteht.

Denn: Der wirtschaftliche Aufschwung in Europa hat Fahrt aufgenommen. Die Konjunkturindikatoren signalisieren starkes Wachstum und die Arbeitslosenquoten sinken. Zahlreiche Peripherie-Länder warten inzwischen wieder mit beeindruckenden Wachstumszahlen auf. Spaniens Bruttoinlandsprodukt (BIP) beispielsweise ist seit 2015 um rund 3 Prozent pro Jahr gestiegen.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat diese Entwicklung zur Kenntnis genommen und aus seinen Strategieplänen die bislang stets erwähnte Option auf „noch tiefere“ Zinsen gestrichen. Außerdem hob der EZB-Präsident die Risikoeinschätzung für den Konjunkturausblick von „nach unten gerichtet“ auf „weitgehend ausgewogen“ an. Das hat zu Spekulationen um ein Ende der quantitativen Lockerung und einer allmählichen Anhebung der Leitzinsen geführt.

Italien in Krisenstimmung

Tatsächlich würden jedoch einige europäische Länder höhere Zinsen nicht verkraften. Insbesondere Italien ist wegen seiner hohen Schuldenquote und mangelnder Reformen gefährdet. Das Land benötigt langfristig niedrige Realzinsen, um seine Schulden zu tilgen. Bleiben also zwei Möglichkeiten: Entweder muss die Inflationsrate steigen oder aber die Zinsen müssen weiterhin niedrig bleiben.

Ein Anstieg bei der Teuerung ist mit Blick auf die hohe Arbeitslosigkeit und das begrenzte Lohnwachstum im übrigen Europa unwahrscheinlich. Draghi ist sich dieses Dilemmas bewusst. Eine voreilige Straffung der Geldpolitik könnte die Eurozone in eine neue Schuldenkrise stürzen.