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Supermarkt in Köln (2019)

Eurozone schwächelt Kurzbesuch vom Inflationsgespenst

Das Preisniveau im Euroraum stieg zu Beginn des Jahres stärker als erwartet. Dafür sind jedoch Sondereffekte verantwortlich, erläutert Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein. Derweil dürfte es noch dauern, bis die Wirtschaftsleistung in der Region wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht.

26.02.2021 - 10:30 Uhr | in Märkte

Die Weltwirtschaft scheint sich allmählich zu erholen, auch wenn die Corona-Pandemie weiterhin für böse Überraschungen sorgen könnte. Und es besteht aus Sicht von Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB), noch ein weiteres bedeutendes Risiko: Inflation. „Die Güternachfrage steigt bei eingeschränktem Angebot, wir sehen das schnellste Wachstum der Geldmenge seit den 1980er-Jahren und akzeptieren zunehmend, dass fiskalpolitische Maßnahmen durch die Geldpolitik finanziert werden“, gibt er zu bedenken. Kurzfristig sollten sich die Risiken zwar in Grenzen halten, Anleger sollten das Thema dennoch im Blick behalten.

In der Eurozone überraschte die Inflation bereits im Januar mit einem Anstieg. „Dennoch sind wir skeptisch, ob dies einen Aufwärtstrend einläutet. Die Bedingungen für eine Zunahme der Inflation sind in Europa noch nicht gegeben – stattdessen ergab sich diese aus Faktoren wie der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer in Deutschland, verzögerter saisonaler Nachfrage, neuen Kraftstoffsteuern und neuen Index-Gewichtungen“, erläutert Williams.

„Nachdem das BIP der Eurozone 2020 um 6,8 Prozent gesunken war, erwarten wir in diesem Jahr nur eine teilweise Erholung mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,5 Prozent“, sagt Williams. Angesichts der schwachen kurzfristigen Wachstumsaussichten, ausbleibender Inflation und der Notwendigkeit fiskalpolitischer Maßnahmen bleibe die Geldpolitik weiterhin sehr locker und die Finanzierungsbedingungen günstig.

Weltweit starkes Wachstum zu erwarten

Auf globaler Ebene könnten die Fortschritte bei den Impfungen gegen Covid-19 sowie die Kombination aus einer expansiven Geldpolitik und fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen laut Williams zu einer starken Beschleunigung des Wirtschaftswachstums führen. Das gelte vor allem dann, wenn die Verbraucher nicht mehr durch Lockdowns quasi zum Sparen gezwungen werden.

„Wenn die wirtschaftliche Erholung allmählich einsetzt, könnte jedoch der Konsens der großen entwickelten Volkswirtschaften im Hinblick auf niedrige Anleiherenditen bröckeln“, sagt Williams. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Japan (BOJ) haben sich auf die eine oder andere Weise zur Steuerung der Zinskurve verpflichtet. Die Federal Reserve (Fed) in den USA hingegen könnte sich angesichts der fiskalpolitischen Stimuli veranlasst sehen, ihre eigene Unterstützung für die Wirtschaft zu reduzieren.

USA: Wachstum jetzt – auf Kosten von Übermorgen

2021 wird die US-Wirtschaft von bedeutenden fiskalpolitischen Maßnahmen profitieren. „Wir erwarten, dass sich das Wachstum des BIP in diesem Jahr auf ungefähr 6,5 Prozent belaufen wird“, sagt AB-Experte Williams. Das wäre mehr als das Dreifache der konstanten Wachstumsrate. Trotz des Wachstums dürfte die Inflation nur geringfügig ansteigen, da zwischen dem aktuellen Niveau und dem Potenzialwachstum eine große Lücke klafft. „Entsprechend rechnen wir in diesem Jahr nicht mit Zinsanhebungen und gehen davon aus, dass die Fed ihre quantitative Lockerung unvermindert fortsetzt.“

Doch es gibt auch einige Risiken. So weist Williams darauf hin, dass Diskussionen um eine mögliche Verlangsamung der Anleihekäufe im Rahmen der quantitativen Lockerung sich vor allem später in diesem Jahr aufheizen und Marktschwankungen verursachen können. Auch sind die Bewertungen in vielen Assetklassen bereits hoch – und könnten angesichts eines starken Finanzmarkts noch weiter steigen. Eine große Gefahr sei zudem langfristiger Natur: Der kräftige Cocktail aus hohen Ersparnissen der Haushalte, anhaltender fiskalpolitischer Unterstützung und lockerer Geldpolitik sorge zwar 2021 und 2022 für Partystimmung an den Märkten und in der Wirtschaft. „Doch der darauffolgende Kater aufgrund steigender Staatsverschuldung dürfte in einigen Jahren die Laune vermiesen.“

China: solides BIP-Wachstum und Aufwertung des Renminbi

Chinas Volkswirtschaft hat das Jahr 2020 relativ gut beendet und dürfte auch 2021 ein ordentliches Wachstumstempo zeigen. Das Land hat das Virus unter Kontrolle und die Impfungen machen Fortschritte. „Ungeachtet möglicher Schwankungen dürfte das BIP-Wachstum relativ stabil bleiben und 2021 zwischen 8 und 9 Prozent betragen“, prognostiziert Willams.

Damit habe die Politik die Möglichkeit, andere Themen anzugehen, etwa die Gesamtverschuldung oder die spekulativen Exzesse an den Immobilien- und Aktienmärkten. Auch die Internationalisierung des Renminbi werde vorangetrieben. „Eine moderate, aber nachhaltige Aufwertung der Währung ist dabei eines der Ziele. Dementsprechend erwarten wir 2021 einen weiter steigenden Renminbi.“

Den kompletten Marktausblick 2021 von AllianceBernstein lesen Sie hier (englisch).