Nahrungsproduktion Lebensmittelverschwendung vermeiden, Hunger bekämpfen, Klima schützen

Wenn weniger Essen im Abfall landet, hat das gleich mehrere positive Effekte, erläutert Clément Maclou, Portfoliomanager Thematic Equities bei ODDO BHF. Daher bieten sich interessante Anlagechancen bei Unternehmen, die Lösungen zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung entwickeln.

23.03.2022 - 13:5524.03.22 - 09:23
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Landwirtschaft
Landwirtschaft: Die durch Lebensmittelverluste und -verschwendung verursachten Treibhausgasemissionen machen laut Angaben der Vereinten Nationen 8 bis 10 Prozent aller weltweiten Emissionen aus© Imago Images / VWPics

Weltweit landen jährlich 1,3 Milliarden Tonnen beziehungsweise ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel im Müll. Gleichzeitig nimmt die derzeit auf rund 800 Millionen geschätzte Zahl an Hunger leidenden Menschen weltweit zu. Der Krieg in der Ukraine dürfte das Problem durch Ausfälle in der Lebensmittelproduktion massiv verschärfen.

Die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung spielt eine Schlüsselrolle beim Kampf gegen den Hunger in der Welt, betont Clément Maclou, Portfoliomanager Thematic Equities bei ODDO BHF Schweiz. Lebensmittelverschwendung ist „die dunkle Seite unseres Ernährungssystems“, schreibt er in seinem aktuellen Marktkommentar.

Sowohl die Welternährungsorganisation FAO als auch die Vereinten Nationen schlagen Lösungen vor, darunter die Sensibilisierung von Verbrauchern, den Einsatz von Technologie, die Schulung von Landwirten und die Einführung neuer Arbeitsmethoden.

Daher bieten sich Maclou zufolge attraktive Anlagechancen bei Aktien von Unternehmen, die Lösungen zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung entwickeln – aber auch darüber hinaus. „Die Zukunft der Ernährung muss die Lebensmittelverschwendung hinter sich lassen und auf neue, innovative Lösungen im Nahrungsmittelbereich setzen. Immer mehr Unternehmen nehmen sich dieser Herausforderung an und bilden damit die Grundlage für ein langfristiges Thema auch für Anleger“, schreibt der Experte.

Innovative Lösungen gegen Lebensmittelverschwendung

Maclou erläutert: „Wir sind auf sehr innovative Lösungen gestoßen, die von Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette angeboten werden. Es gibt zum einen Lebensmittelunternehmen mit proaktivem Umgang mit Lebensmittelabfällen, also der Verwertung der Lebensmittelabfälle. Daneben gibt es auch Unternehmen, die über verbesserte Konservierungsverfahren konkrete Lösungen zur Verringerung von Lebensmittelverschwendung bereitstellen.“

Er sieht das niederländische Unternehmen Corbion, einen der Weltmarktführer im Bereich der natürlichen Fleischkonservierung, als gut positioniert, um von dem Umdenken zu profitieren. Gleiches gilt für dessen irischen Wettbewerber Kerry, der als unbedenklich gekennzeichnete Inhaltsstoffe zum Schutz und zur Konservierung von Lebensmitteln anbiete.

Auch die Verpackung spiele bei der Lebensmittelkonservierung eine Rolle. Ist sie mangelhaft, beeinträchtige das die Qualität der Produkte. Das deutsche Unternehmen GEA habe ein einzigartiges nicht-invasives System entwickelt, mit dem Sauerstoffgehalt und der Zustand der Versiegelung überwacht werden können.

Alle Erzeugnisse seien von Lebensmittelverschwendung betroffen. „In der gesamten Wertschöpfungskette vom Erzeuger bis zum Verbraucher kommt es aus unterschiedlichen Gründen zu Verschwendung“, erläutert der Investmentexperte. „In der Vertriebsphase beispielsweise werden Lebensmittel weggeworfen, weil dies bei Fehlen eines unmittelbaren Abnehmers billiger ist als für Transport- und Kühlkosten zu zahlen.“ Außerdem entstehen Lebensmittelverluste, wenn sie den Endverbraucher aufgrund unbeabsichtigter Faktoren wie einer ineffizienten Infrastruktur in der Lieferkette oder Ernte- und Produktionsverlusten gar nicht erst erreichen.

Lebensmittelverschwendung als drittgrößter Treibhausgasemittent

„Die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung verbessert die Ernährungssicherheit, spart Geld und trägt zur Bekämpfung des Klimawandels bei. Die Verschwendung derartiger Mengen an Lebensmitteln ist auch ein ökologisches Problem“, unterstreicht der Experte von ODDO BHF Schweiz.

Die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung sorge auch dafür, dass Land-, Wasser- und andere natürliche Ressourcen und Abfallentsorgungssysteme weniger beansprucht werden. Die Erzeugung der verschwendeten Lebensmittel erfordert die dreifache Wassermenge des Genfer Sees und verbraucht mit 1,4 Milliarden Hektar fast ein Drittel der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche.“

Die durch Lebensmittelverluste und -verschwendung verursachten Treibhausgasemissionen machen laut Angaben der Vereinten Nationen 8 bis 10 Prozent aller weltweiten Emissionen aus. Zum Vergleich: Es gibt nur zwei Länder, die mehr Emissionen verursachen – China und die USA.