ÖlpreiseChina will WTI und Brent Konkurrenz machen

Premiere in Shanghai: Die ersten auf Yuan lautenden Rohöl-Futures-Kontrakte werden gehandelt. Chinas will damit den Einsatz seiner Währung im globalen Handel befeuern. Marktteilnehmer bleiben skeptisch.

26.03.2018 - 11:38 Uhr26.03.18 11:38
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Chinesische Hafenarbeiter in Quindao verladen Equipment für Offshore-Ölbohrungen: China hat die USA als den weltweit größten Rohölimporteur hinter sich gelassen
Chinesische Hafenarbeiter in Quindao verladen Equipment für Offshore-Ölbohrungen: China hat die USA als den weltweit größten Rohölimporteur hinter sich gelassen© Getty Images

China hat einen ersten Rohöl-Futures-Kontrakt auf den Weg gebracht. Wie Bloomberg berichtet, will sich der weltgrößte Ölimporteur damit eine größere Preissetzungsmacht verschaffen und WTI und Brent Paroli bieten. Die beiden Ölsorten sind bislang die wichtigsten Indikatoren für Angebot und Nachfrage von Rohöl auf dem Weltmarkt und dienen als Richtwert für die Preisfestsetzung anderer in den USA und Europa geförderter Ölsorten.

Nach einer langen Vorbereitungsphase hat China an der Börse Shanghai International Energy Exchange den ersten chinesischen, auf Yuan lautenden Rohöl-Futures-Kontrakt zum Handel freigegeben. Der im September fällige Futures-Kontrakt wurde in der Nacht für 427,90 Yuan (67,78 US-Dollar) je Barrel  gehandelt, 18.540 Anteile wechselten den Besitzer. September-Kontrakte von WTI werden derzeit für 64 US-Dollar gehandelt, für die Nordseesorte Brent werden in London 68,29 US-Dollar ausgerufen.

Chinas Öl-Futures, die auch von ausländischen Investoren gehandelt werden können, kommen nach langjährigen Verzögerungen und Rückschlägen auf den Markt. Wie Bloomberg erinnert, reichen Chinas erste Versuche Öl-Futures zu lancieren bis ins Jahr 1993 zurück.

Chinas Bestrebungen, einen einheimischen Markt für den Handel von Rohöl-Futures zu etablieren, hatten in den vergangenen Jahren mit dem wachsenden Bedarf deutlich zugenommen. 2017 hatte China die USA als weltweit wichtigsten Ölkäufer überrundet.

Peking hofft auf mehr Gewicht des Yuan auf dem Weltmarkt

Die Regierung in Peking erhofft sich von dem Schritt zum einen eine etwas abgeschwächte Preissetzungsmacht der Standards WTI und Brent. Zum anderen setzt Peking darauf, dass auf Yuan lautende Futures-Kontrakte den Einsatz von Chinas Währung im globalen Handel befeuern – erklärtes Langzeitziel der größten Volkswirtschaft in Asien.

Um die Ziele zu erreichen, werden ausländischen Investoren goldene Brücken gebaut: So plant China ausländischen Händlern und Institutionen die Einkommenssteuer zu erlassen. Bloomberg zufolge haben sich bereits 19 ausländische Broker für den Handel mit auf Yuan lautenden Öl-Futures registriert.

Das Nachrichtenportal gibt allerdings zu bedenken, dass viele potenzielle Markteilnehmer Chinas Plänen skeptisch gegenüberstehen. Skeptiker argumentieren: Kapitalkontrollen, regulatorische Risiken und staatliche Markteingriffe hätten in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass es die in Shanghai gehandelten Futures schwer haben könnten, eine regionale Preissetzungsmacht zu entwickeln. Vergleichbare Hürden halten ausländische Anleger aus Chinas riesigem Aktien- und Anleihenmarkt heraus.

„Es ist kaum vorstellbar, dass auf kurze bis mittelfristige Sicht China in die Lage kommen könnte, dem globalen Rohölmarkt neue Impulse zu verleihen”, sagt Daniel Hynes, Rohstoffstratege bei der Australia & New Zealand Banking Group. „Meiner Meinung nach hegen gIobale Investoren weiterhin eine Abneigung gegenüber Rohölkontrakten, die auf dem chinesischen Festland gehandelt werden.“