Makroökonomischer AusblickFrankreich-Wahl lässt Finanzmärkte fast unberührt

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Nach dem Sieg von EU-Befürworter Emmanuel Macron bei den Präsidentschaftswahlen zeigen sich die Finanzmärkte erleichtert – auch wenn sie die Wahl von Macron größtenteils vorweggenommen hatten.

15.05.2017 - 11:29 Uhr15.05.17 11:29
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Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland bei Swisscanto Asset Management International S.A.
Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland bei Swisscanto Asset Management International S.A.

Emmanuel Macron hat sich mit 66 Prozent der Stimmen deutlicher als erwartet gegen Marine Le Pen durchgesetzt. Aufgrund seines schon zuvor eingepreisten Wahlsiegs haben wir nur eine bescheidende, positive Reaktion an den Aktien- und Anleihemärkten erwartet. Das hängt auch damit zusammen, dass es als höchst ungewiss erscheint, ob Macron tatsächlich richtig regieren kann. In den in vier Wochen anstehenden Parlamentswahlen wird seine Bewegung en Marche! nämlich kaum eine Mehrheit erringen. Nachdem eine europafeindliche Politik Frankreichs in der kommenden Legislaturperiode nahezu ausgeschlossen erscheint, feiern jetzt viele Aktienmärkte Jahres- oder gar Allzeit-Höchststände.

Wirtschaftswachstum bleibt stark

Die globale Konjunktur zeigt sich in guter Verfassung. Die Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass es 2017 zu einer Wachstumsbeschleunigung in den Industriestaaten kommen kann. In den Schwellenländern entwickeln sich nicht nur die Stimmungsindikatoren, sondern vor allem auch die harten Konjunkturindikatoren positiv.

Die global dynamisch wachsende Wirtschaft dürfte in den nächsten Monaten noch einmal Fahrt aufnehmen. Damit hellen sich die Gewinnaussichten der Unternehmen weiter auf. Und erfahrungsgemäß stellen diese die entscheidende Größe für eine wieder lebhaftere Investitionstätigkeit dar. Insbesondere für die US-Volkswirtschaft mit ihren weitgehend ausgelasteten Kapazitäten garantieren Erweiterungsinvestitionen einen fortgesetzten Konjunkturaufschwung.

Zinserhöhung im Juni erwartet

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat anlässlich ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung wie erwartet keine Änderung ihrer Geldpolitik vorgenommen. Einstimmig wurde beschlossen, das Zielband für den Leitzins zwischen 0,75 Prozent und 1 Prozent zu belassen. Klartext redete die Fed zur Wachstumsverlangsamung im ersten Quartal: Sie hält den Effekt nur für vorübergehend und rechnet damit, dass die US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen wieder stärker expandieren wird. Insbesondere der weiterhin florierende Arbeitsmarkt lässt die Zentralbank optimistisch in die Zukunft blicken. Explizit erwähnte sie zudem die steigenden Investitionen. Eine Zinserhöhung im Juni 2017 bleibt deshalb mehr als wahrscheinlich. Wir rechnen darüber hinaus mit einem weiteren Zinsschritt im September 2017.

Beste Welt für Aktienmärkte

Globale Wachstumsbeschleunigung ohne nennenswerten Inflationsdruck – für Aktien ist dies das bestmögliche Umfeld. Aktien sind aus unserer Sicht somit weiter empfehlenswert. Von dieser Wachstumsbeschleunigung werden insbesondere Schwellenländer-Titel profitieren.

Die britische Premierministerin Theresa May beabsichtigt am 8. Juni durch vorgezogene Neuwahlen ein gestärktes Mandat vom Volk einzuholen. Damit will sie ihre Verhandlungsposition gegenüber der Europäischen Union festigen. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich auch ein Erstarken des sehr deutlich unterbewerteten britischen Pfunds (GBP) ab. Zusammen mit einer unverändert lockeren Politik der Bank of England profitieren hiervon die GBP-Anleihen. Anders präsentiert sich die Situation britischer Aktien. Sie werden von einem stärkeren GBP belastet und ihre Aussichten sind durch die sich abzeichnende spürbare Wachstumsabschwächung in Großbritannien ohnehin getrübt.

Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland bei Swisscanto Asset Management International S.A.