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EZB-Präsident Mario Draghi

Mario Draghi „EZB noch nicht von ölpreisbedingter Inflation überzeugt“

Alles bleibt beim Alten: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich heute unter Führung von Mario Draghi gegen eine rasche Beendigung der lockeren Geldpolitik entschieden – der Leitzins bleibt im Euroraum auf Niedrigniveau. Die Währungshüter glauben laut eigener Aussage im Moment noch nicht an dauerhaft steigende Inflationsraten.

19.01.2017 - 17:17 Uhr | Von:  in Geldmarkt

Mario Draghi gab heute bekannt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins in Europa vorerst nicht erhöht. Das Anleihe-Kaufprogramm der Notenbank wird ab April von 80 auf 60 Milliarden Euro monatlich reduziert. Es läuft zunächst bis Jahresende. Der Hauptrefinanzierungssatz wurde bei Null und der Einlagensatz bei minus 0,4 Prozent belassen.

„Es gibt noch keine überzeugenden Zeichen für einen Aufwärtstrend der Inflation“, sagte der EZB-Präsident am Donnerstag nach der geldpolitischen Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt gegenüber Journalisten. Die Währungshüter werden Veränderungen der Inflation nicht allzu viel Beachtung schenken, wenn diese keine Auswirkungen auf den mittelfristigen Ausblick der Preisstabilität haben.

Die Inflationsrate hat sich mit einem Anstieg auf 1,1 Prozent im Euroraum vergangenen Dezember fast verdoppelt. Sie ist so stark wie seit 2013 nicht mehr – liegt aber immer noch deutlich unter dem EZB-Ziel von knapp 2 Prozent. Die Kerninflationsrate, also ohne Energie und Lebensmittel, stieg nur von 0,8 auf 0,9 Prozent. Der Anstieg auf 1,1 Prozent ist größtenteils vom höheren Ölpreis getrieben, hingegen konzentrieren sich die Währungshüter auf die Kerninflationsrate sowie die Löhne.

Ausblick: Keine Zinserhöhung vor September 2017

Daneben beobachten die Notenbanker auch die politischen Unsicherheiten, die durch eine Reihe von Parlamentswahlen, den anstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) und dem Beginn der US-Präsidentschaft von Donald Trump bedingt sind. Draghi sagte, dass ein erhebliches Ausmaß an geldpolitischer Akkommodierung nötig sei, damit sich Druck im Euroraum aufbaut und mittelfristig die Gesamtinflation stützt.

In einer Bloomberg-Umfrage vor dem Zinsentscheid hatten drei Viertel der Befragten gesagt, dass die EZB vor September wohl keine größeren Änderungen an ihren monetären Impulsen vornehmen wird.

Dennoch dürfte Draghi mit weiteren geldpolitischen Stimuli unter zunehmenden politischen Druck in stärkeren Volkswirtschaften kommen, da die Preise steigen und Sparer weiterhin unter den nahe Null liegenden Sparzinsen leiden. In Deutschland ist die Inflation im vergangenen Monat auf eine Jahresrate von 1,7 Prozent geklettert, was einen Aufschrei in den Medien hervorrief.