Stolls Fondsecke Meine Fondsideen für 2022, Teil 2

Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Egal, wer’s nun wirklich gesagt hat, eines scheint sicher: Geld vermehren funktioniert auch 2022 nur mit einer hohen Aktienquote. Mit regional fokussierten Fonds können Anleger:innen gezielt das Renditepotenzial der bedeutenden Anlageregionen USA, Europa und Asien abschöpfen. Wir haben uns auf die Suche nach erfolgversprechenden Fonds gemacht.

05.01.2022 - 11:4005.01.22 - 15:44
|
|
|
Die französische Hauptstadt Paris
Die französische Hauptstadt Paris: Aufgrund ihrer günstigen Bewertungen könnten europäische Aktien dieses Jahr über Aufwärtspotenzial verfügen © Imago Images / Panthermedia

Kein Zweifel: Am Aktienmarkt lief‘s 2021 hervorragend, bei zahlreichen Börsen weltweit zerbröselte ein Rekord nach dem anderen. Es gab aber auch deftige Überraschungen! Die Gewinner und Verlierer waren oft andere als im Vorfeld erwartet. Ein kurzer Rückblick: Im Dezember 2020 begann der zweite Corona-Lockdown. Weltweit wurden Schulen geschlossen und Bildung ins Internet verlagert. Anbietern von E-Learning und interaktiver Bildung wurden rosige Zeiten vorhergesagt. Wer darauf spekulierte und sich den Rize Education Tech and Digital Learning (ISIN: IE00BLRPQJ54) kaufte, landete jedoch beim Flop des Jahres und halbierte seinen Einsatz! Vor allem die chinesischen Machthaber um Staatspräsident Xi Jinping fungierten als schwarzer Schwan und rissen mit einem Gewinnverbot für Bildungsunternehmen deren Aktienkurse in die Tiefe.

Wie viele Schulen waren auf einen Schlag auch Kaufhäuser, Geschäfte und Baumärkte geschlossen. Weltweit kaufen immer mehr Menschen im Internet ein. Corona sorgte für einen beispiellosen Boom und beeindruckende Umsätze im Onlinehandel. Gute Argumente für den Kauf des global online retail Fonds (ISIN: DE000A14N9A9)? Eigentlich schon, doch der auf den E-Commerce spezialisierte Konsumfonds floppte mit minus 23 Prozent und ist Schlusslicht aller Konsumfonds.

Noch ein Beispiel gefällig? Die grüne Wende ist beschlossen und sollte Aktien nachhaltig orientierter Unternehmen Schwung verleihen. Doch der Erneuerbare-Energien-Fonds Lyxor MSCI New Energy ETF (ISIN: FR0010524777) bewegte sich insgesamt kaum, obwohl der Trend zu erneuerbaren Energien unumkehrbar sein soll. Dagegen sorgten Fonds wie der auf die Uranindustrie fokussierte Uranium Resources Fund (ISIN: LI0224072749) oder der klassische Energieunternehmen abbildende iShares Oil & Gas Exploration & Production ETF (ISIN: IE00B6R51Z18) mit 94 beziehungsweise 80 Prozent für überraschende Renditen einer bereits totgesagten Branche.

Die Beispiele zeigen zwei Dinge: Die Börse ist immer gut für Überraschungen und Investments in einzelne Branchen bergen neben überdurchschnittlichen Chancen auch enorme Risiken. Wer dennoch einzelne Sektoren übergewichten möchte, findet interessante Branchen und zugehörige Fonds im ersten Teil meiner Fondsideen für 2022. Eine Alternative ist es außerdem, das Kapital innerhalb der Anlageregionen breit zu streuen.

Europa und Asien günstig bewertet

Der Blick in die Weltregionen zeigt, dass bereits sportlich bewertete Märkte durchaus noch höher steigen können. Der unter Experten schon lange als teuer eingestufte US-Aktienmarkt stieg in den vergangenen zwölf Monaten um weitere 28 Prozent. Gegenüber der Wall Street haben Europas Top-Aktien, gemessen am Euro Stoxx 50, mit 16 Prozent Plus zwar gut, aber nicht spitzenmäßig performt. Die als preiswert geltenden Schwellenländer hinken aufgrund ihres hohen Anteils chinesischer Aktien mit einem mauen Plus von 5 Prozent den Industrienationen abgeschlagen hinterher. Viele Anlagestrategen erwarten daher im neuen Jahr laut Umfrage unter 20 führenden Bankhäusern, dass sich die im Vergleich zum US-Markt günstigen Regionen Europa und Asien besser entwickeln könnten als der US-Index S&P 500.

Region 1: USA

Hier scheint das Beste aller Welten eingepreist. Gerade billionenschwere Riesen wie Tesla oder Amazon wirken gemessen an gängigen Bewertungsmaßstäben ziemlich abgehoben. Kleinere Werte blieben in Summe hinter ihren großen Mitbewerbern zurück, was nicht zuletzt auf die phänomenale Wertentwicklung der FAANG-Titel (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google/Alphabet) zurückzuführen ist, die es zusammen auf weit über 20 Prozent Indexgewicht bringen. Durch enorme Kapitalzuflüsse in ETFs wird die Konzentration der Schwergewichte weiter erhöht.

Ein Blick in die zweite und dritte Reihe erscheint daher lohnenswert. Denn unter den unbekannten Nebenwerten, die oft unter dem Radar der meisten Analysten fliegen, gibt es zahlreiche Perlen: „Small Caps verfügen vielfach über einen klaren Schwerpunkt auf eine spezifische Marktnische oder ein Produkt. Daher sind sie häufig innovativer und anpassungsfähiger als ihre größeren Mitbewerber, was zu mehr Wachstum führt. Zudem werden kleine Unternehmen oft von ihren Gründern geleitet, die über erhebliche Aktienbeteiligungen an ihrem Unternehmen verfügen. Die schon jetzt signifikanten Anlagechancen bei Small Caps könnten in den kommenden Jahren weiter zunehmen“, weiß Timothy Skiendzielewski, Portfoliomanager und Analyst bei abrdn.

Meine Fonds-Idee: Der BL-American Small & Mid Caps

Fondsmanager Henrik Blohm sucht für den BL-American Small & Mid Caps (ISIN: LU1484763229) nach kleinen oder mittelgroßen Value-Perlen mit robusten Geschäftsmodellen oder investiert in wachstumsstarke Qualitätsaktien, die deutlich unter ihrem fairen Wert gehandelt werden. „Wir mögen generell Unternehmen, die ihre Zukunft selbst in der Hand haben und nicht von externen Faktoren wie dem Ölpreis oder Zinsen abhängig sind, dazu Unternehmen, die sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil aufgebaut haben“, erläutert Blohm im Interview mit Das Investment die Strategie.

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Das fundamentale Research und der auf Überzeugungen basierende Bottom-Up-Ansatz führen letztlich zum schwankungsärmsten Portfolio der Vergleichsgruppe. Auf Rendite müssen Anleger deswegen aber nicht verzichten. Die summiert sich seit Fondsauflage im November 2015 auf knapp 160 Prozent. Dabei lag der vom Standort Luxemburg aus verwaltete Fonds bislang in keinem Kalenderjahr im Minus. Unter den rund 50 Titeln ist Verisk Analytics die größte Position. Die Firma wertet versicherungsmathematische Daten für die Finanzbranche aus. „Verisk hat einen Marktanteil von 90 Prozent, bietet ein attraktives Wirtschaftsmodell mit hohen Margen und hat eine starke Preissetzungsmacht“, begründet Blohm sein Engagement. Positive Renditen lieferten in den vergangenen sechs Monaten die Anteilsscheine des Haushaltswaren-Herstellers Church & Dwight (Plus 23 Prozent) und Qualis (Plus 40 Prozent), ein an der Nasdaq gelisteter Anbieter für Cloud-Sicherheitslösungen.

Region 2: Europa

Europäische Aktien sind seit dem Covid-19-bedingtem Ausverkauf hinter dem US-Markt zurückgeblieben. Aufgrund des soliden Wirtschaftswachstums und der Fortführung der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank rechnen viele Experten mit Aufholpotenzial auf dem alten Kontinent. Auch Michael Feser, Multi-Asset-Manager bei J.P. Morgan, sieht in seinem Marktausblick Euro-Aktien aufgrund günstiger Bewertungen im Vorteil: „Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist hier noch relativ gering.“ Für die europäischen Aktienmärkte sprächen Feser zufolge die verbesserten Wachstumsperspektiven, das stärkere Gewicht von Konsumtiteln, sowie die insgesamt günstige Bewertung des Marktes.

Meine Fonds-Idee: Der Echiquier Agenor SRI Mid Cap Europe

Fondsmanagerin Stephanie Bobtcheff gehört zu den besten ihres Fachs und blickt auf 18 Jahre Erfahrung als Spezialistin für europäische Titel mittlerer Marktkapitalisierung. Ihr Arbeitgeber ist die französische Fondsboutique La Financière de l’Echiquier, bei der sie seit 2013 arbeitet. Von Paris aus investieren Bobtcheff und ihr fünfköpfiges Team beim Echiquier Agenor SRI Mid Cap Europe (ISIN: FR0010321810) in wachstumsstarke Börsenzwerge, die weitgehend unabhängig von konjunkturellen Faktoren Erfolg haben.

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Investierte Anleger dürften die niedrigen Schwankungen des Fonds zu schätzen wissen. Die Volatilität von nur 12 Prozent über zehn Jahre zählt zu den niedrigsten Werten aller europäischen Nebenwertefonds. Die Rendite in der letzten Dekade fällt mit rund 300 Prozent Plus dennoch ordentlich aus, auch wenn eine Performance von 13 Prozent im abgelaufenen Jahr nicht für Spitzenplätze im europäischen Nebenwerte-Segment reicht.

Bobtcheff erklärt die Schwäche so: „Wir sind in der Lage, hoch bewertete Unternehmen dauerhaft zu begleiten, weigern uns aber, an unseres Erachtens unhaltbaren Bewertungsexzessen bei bestimmten Titeln oder Sektoren zu partizipieren. Auch wenn diese vorsichtige Positionierung, die unsere Anlagephilosophie kennzeichnet, die relative Performance im Jahr 2021 geschmälert hat, sind wir davon überzeugt, dass die Qualität der Unternehmen im Portfolio und die Konsistenz unseres Anlageprozesses langfristig zu einem überdurchschnittlichen Ergebnis des Fonds führen wird“, so die Managerin im jüngsten Fondskommentar.

In ihrem mehrstufigen Prozess, der quantitative und ESG-Filter berücksichtigt sowie Unternehmensbesuche einschließt, entsteht ein Portfolio, das sich aktuell aus 42 Unternehmen zusammensetzt und mit 25 Prozent einen Schwerpunkt im Gesundheitswesen hat. Hoch gewichtet hat Bobtcheff die italienischen Healthcare-Aktien Recordati und Diasorin. Geografisch dominieren französische und britische Titel mit mehr als 40 Prozent, das britische Spezialchemie-Unternehmen Croda ist die größte Position im Fonds.

Region 3: Asien

Die Entwicklung wichtiger Schwellenmärkte driftete im vergangenen Jahr auseinander. Während Börsen einzelner Länder wie Indien oder Vietnam Anleger mit Renditen zwischen 40 und 60 Prozent verzauberten, haben die Probleme in China Asienfonds, aber auch breit gestreute Schwellenländeranlagen belastet. Die Regulierungswelle im dortigen Technologiesektor machte den Märkten ebenso zu schaffen wie die Probleme der Immobilienbranche. Doch die niedrigen Bewertungen – der MSCI Emerging Markets Index liegt bereits seit der Finanzkrise stark im Hintertreffen – stimmen die Experten zunehmend optimistisch.

Vermögensverwalter Peter E. Huber spricht in seinem Ausblick von einem guten antizyklischen Einstiegszeitpunkt: „Wir favorisieren Asien wegen der moderaten Bewertung und dem großen Wachstumspotential sowie der massiven Zunahme des interregionalen Handels, zum Beispiel im Rahmen der Freihandelszone RCEP oder der Seidenstraße. Leistungsbereitschaft mit dem Ziel zunehmender Wertschöpfung, Vermögensmehrung statt Vermögensverteilung und eine wachsende, konsumfreudige Mittelschicht prägen das Bild.“

Meine Fondsidee: Der Allianz Oriental Income

Stuart Winchester, der mit mehr als 30 Jahren Erfahrung vor Ort in Hongkong über eine ausgezeichnete Expertise verfügt, schert sich nicht um Indexgewichtungen und Marktentwicklungen, sondern sucht als überzeugter Stockpicker nach aussichtsreichen Unternehmen im gesamten asiatisch-pazifischen Raum inklusive Japan, dessen Aktienmarkt aus fundamentaler Sicht attraktiv erscheint. Die besten Ideen bündelt er im Allianz Oriental Income (LU0348783233).

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Japanische Aktien hat Winchester mit 25 Prozent gewichtet. Danach kommen taiwanesische Titel, denen er mit 23 Prozent ein höheres Gewicht einräumt als chinesischen Papieren. Deren Anteil fällt mit 15 Prozent im Vergleich zur Benchmark um fünf Prozentpunkte niedriger aus. Die größten drei Positionen im Fonds sind der japanische Messgerätehersteller Lasertec, der an Neuseelands Börse gelistete Logistiker Mainfreight und der taiwanesische Halbleiter-Spezialist Alchip-Technology. Das 1,1 Milliarden Euro große Portfolio hat einen Schwerpunkt auf New-Economy-Branchen wie Halbleiter, Biotech oder alternative Energien. „Diese Sektoren werden in den kommenden Jahren einen wichtigen Anteil an Asiens Wachstum haben, vor allem Chinas Biotech-Sektor entwickelt sich rasant“, begründet Winchester sein Engagement.

Besonders nach dem Corona-Rückschlag gelang dem Manager bis dato eine glänzende Performance-Leistung. Rund 127 Prozent hat der Fondspreis in den vergangenen drei Jahren zugelegt, seit Auflage im September 2008 sind es knapp 350 Prozent. Das von einer Benchmark völlig losgelöste Portfolio erfordert jedoch großes Vertrauen in die Geschicke des Managers. Typische asiatische Konzerne wie Taiwan Semiconductor oder Alibaba bekommen Anleger:innen hier nicht.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen. Quelle Fondsdaten: FWW (2021). Bitte beachte die Hinweise unter: https://www.issgovernance.com/iss-fww-disclaimer/ (Haftungsausschluss). Für Inhalte und Richtigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Stand der Daten: 05. Januar 2022.