Meinung Schöne neue Welt

Anhaltende Niedrigzinsen, zunehmende Regulierung und politische Börsen – schwer tut sich, wer da an überholten Dogmen festhält. Gefragt sind Flexibilität und neue Investmentansätze.

07.12.2016 - 17:5508.12.16 - 10:49
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Eine ultralockere Geldpolitik verfolgt Haruhiko Kuroda, Gouverneur der japanischen Notenbank: Rund 40 Prozent der japanischen Staatsanleihen hat die Bank of Japan bereits aufgekauft und unterstützt damit die Wirtschaftspolitik (Abenomics) von Premier Shinzo Abe.
Eine ultralockere Geldpolitik verfolgt Haruhiko Kuroda, Gouverneur der japanischen Notenbank: Rund 40 Prozent der japanischen Staatsanleihen hat die Bank of Japan bereits aufgekauft und unterstützt damit die Wirtschaftspolitik (Abenomics) von Premier Shinzo Abe.© Bloomberg

Seit fast 30 Jahren sinken die Zinsen. Wie lange noch, weiß keiner, aber ewig wird es nicht sein. Bill Gross, Gründer des weltweit größten Rentenmanagers Pimco und mittlerweile Manager eines Anleihefonds von Janus Capital, schrieb jüngst, dass es bei einem Wirtschaftssystem mit einem langfristigen Zinssatz von null oder gar Negativzinsen nur eine Frage der Zeit ist, bis das System zusammenbricht.

Was sich in fast allen Anlegerköpfen festgesetzt hat, ist, dass Anleihen ein geringeres Risiko als Aktien haben. Dies kann man auch mit Zahlen der vergangenen 30 Jahre belegen. Aber auch fortschreiben? Schon bei einem kleinen Anstieg der Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen in Deutschland würde deren Kurswert zeitweise um bis zu 15 Prozent einbrechen. Der mögliche Verlust und die einhergehende Volatilität sind aber nichts, was konservative Anleger suchen. Betrachten wir kurz die Aktie vom Nahrungsmittelkonzern Nestlé: Bei den Anteilsscheinen handelt es sich um konservative und stabile Papiere mit einer Dividendenrendite von momentan 3,01 Prozent. Im rollierenden Zehn-Jahres-Vergleich hatte die Nestlé-Aktie nie eine negative Marktrendite. Was ist künftig also risikoreicher, Aktien oder Anleihe-Investments?

Was uns bei Rentenpapieren derzeit am meisten stört, ist die geringe Liquidität am Markt. Die größten Investoren von Staatsanleihen sind momentan die Notenbanken. In den USA besitzt die Federal Reserve zirka 20 Prozent aller ausstehenden Anleihen. In Europa erreicht die EZB ein etwa gleich hohes Niveau. Bei der Bank of Japan beträgt der Wert sogar 40 Prozent. Diese Staatsanleihen sind dem Markt entzogen. Schon kleinste Stresssituationen an den Märkten lösen durch die Illiquidität hohe Wellen aus. Diese Schockwellen breiten sich auch auf die Märkte der anderen Anlageklassen aus, da deren Risikoaufschläge fast alle als Basis die Rendite von Staatsanleihen verwenden.

Das Ende des Zinszyklus