M&G-Fondsmanager Richard Woolnough „Bank of England strafft Geldpolitik wahrscheinlich wieder“

Im Zuge des Brexit-Votums im vergangenen Jahr lockerte die Bank of England ihre Zinspolitik – aus Angst vor einer Krise. Inzwischen hat sich das Blatt jedoch gewendet. Die Zeichen stehen wieder auf Zinssenkung.

21.08.2017 - 13:0621.08.17 - 13:47
|
Von: 
|
|
Richard Woolnough ist beim US-Vermögensverwalter M&G Investments als Fondsmanager tätig
Richard Woolnough ist beim US-Vermögensverwalter M&G Investments als Fondsmanager tätig

Im August vergangenen Jahres beschloss die Bank of England (BoE) als Reaktion auf das Brexit-Referendum und die damit verbundenen wirtschaftlichen Einbußen ein geldpolitisches Lockerungsprogramm. Dazu zählte eine Zinssenkung von 0,5 auf 0,25 Prozent, Erhöhung der Liquiditätslinien für Banken und erneute Kaufprogramme für britische Unternehmensanleihen.

Seit dieser Wende in der Notenbankpolitik ist das britische Bruttoinlandsprodukt um 1,6 Prozent gewachsen die Arbeitslosenquote blieb stabil bei 4,9 Prozent. Die Maßnahmen haben offenbar geholfen. Richard Woolnough, Fondsmanager des M&G Optimal Income Fund, erwartet daher eine Rückabwicklung der Krisenmaßnahmen. Ähnlich wie nach der globalen Finanzkrise ab dem Jahr 2008 sei die wichtigste Umkehrung der Verkauf von Anleihen nichtstaatlicher Emittenten zurück an den Markt.

„Wir befinden uns in einer Situation, in der die Bank of England möglicherweise eine geldpolitische Straffung anstrebt und der Bedarf an Notfallkrediten niedrig ist“, so Woolnough. „Darüber hinaus stellte die Notenbank fest, dass die Kreditvergabebedingungen aus aufsichtsrechtlicher Perspektive allmählich zu lax werden. Eine mögliche Lösung könnte sein, Schuldtitel des Unternehmenssektors durch den privaten Sektor finanzieren zu lassen, nachdem dieser zuvor durch das umfangreiche BoE-Ankaufprogramm für Unternehmensanleihen aus diesem Segment heraus gedrängt wurde.“

Run auf Unternehmensanleihen

Als Reaktion auf die Finanzkrise kaufte die BoE ab März des Jahres 2009 intensiv Anleihen am britischen Markt. Bis April 2013 war der Verkauf zurück an den Markt abgeschlossen. Nach dem Brexit-Votum im Juni 2016 startete die BoE wieder ein Anleihe-Kaufprogramm. Doch anders als in der Zeit nach der Lehman-Pleite lag der Schwerpunkt diesmal ganz klar auf dem Kauf von Unternehmensanleihen.

„Verglichen mit der Finanzkrise ist die quantitative Lockerung auf Unternehmensebene nach dem Brexit-Votum vier Mal so hoch“, stellt Woolnough fest. Die BoE vermutete, dass sich Unternehmen wegen des Brexit nicht selbst finanzieren könnten. Tatsächlich blieben die Märkte für Unternehmen aus Großbritannien aber offen, auch im Ausland. „Das ist auch das Ergebnis des Krisenmanagements der Bank of England“, sagt der Fondsmanager.