There is no Planet B Millennials-Lösung für Millenniums-Problem

Lange Zeit herrschte gegenüber dem Klimawandel eine gewisse Gleichgültigkeit. Insbesondere bei den jüngeren Generationen hat jedoch ein Umdenken stattgefunden. Darauf dürften auch die Unternehmen reagieren, erläutert Alexis Deladerrière, Leiter International Developed Markets Equity bei Goldman Sachs Asset Management.

29.09.2021 - 18:0030.09.21 - 09:33
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Globaler Klimastreik in München
Globaler Klimastreik in München: Den jüngeren Generationen ist bewusst, wie wichtig der Kampf gegen den Klimawandel ist© IMAGO / aal.photo

Wir stehen vor einer grünen Revolution, die das Ausmaß der industriellen und die Geschwindigkeit der digitalen Revolution haben wird – und Möglichkeiten bieten wird, gleichzeitig attraktive Renditen zu erwirtschaften und einen positiven Einfluss auf die Umwelt auszuüben.

Wenn wir allerdings von den derzeitigen national festgelegten Klimaschutzverpflichtungen ausgehen, wird die Erderwärmung die gesetzten Ziele vermutlich überscheiten und könnte bis 2100 sogar bis zu 3 Grad Celsius erreichen. Um den weltweiten Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssen die CO2-Emissionen laut wissenschaftlicher Erkenntnisse bis 2030 auf unter 25 Gigatonnen gesenkt werden. Davon sind wir meilenweit entfernt: Mit den aktuellen Maßnahmen werden die Emissionen bis dahin etwa 50 Gigatonnen betragen (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Weltweite Treibhausgase

Quelle: Climate Action Tracker (Stand: Mai 2021)

Am 9. August 2021, also fünf Jahre nach der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens, veröffentlichte der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) einen Bericht über den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels, der uns eine schonungslos ehrliche Einschätzung der aktuellen Lage bietet.

Der von 234 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus mehr als 60 Ländern verfasste Bericht verdeutlicht: Alle Staaten müssen sofort handeln und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, wenn wir die CO2-Emissionen rechtzeitig reduzieren wollen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben es die politischen Entscheidungsträger weltweit nicht geschafft, einschneidendere Maßnahmen zu vereinbaren.

Ohne regulatorische Vorschriften ändert sich im Unternehmenssektor nur etwas, wenn es kommerzielle Anreize gibt. Und bisher haben die Verbraucher und Wähler weltweit nicht klar und einheitlich signalisiert, dass sie zum Schutz des Klimas bereit sind, höhere Kosten zu tragen. Kurzum: Wie der IPCC-Bericht andeutet, war der Wille der Menschen, der Industrie und der Politik bis jetzt nicht darauf gerichtet, nennenswerte Änderungen bei der Emissionsreduktion und nachhaltigen Praktiken zu erzielen.

Ein Millennium-Problem – eine Millennials-Lösung

Seit vielen Jahren haben eine allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber dem Klimawandel in Kombination mit dem Glauben, dass jemand anderes das Problem lösen wird, dazu geführt, dass nur wenig unternommen wurde. Den jüngeren Generationen, allen voran der einflussreichsten Bevölkerungsgruppe auf dem Planeten – den Millennials –, wird heute jedoch zunehmend bewusst, welche Konsequenzen diese Tatenlosigkeit haben kann. Sie sehen das Problem aus einer anderen Perspektive. Sie sind in einer Zeit mit viel mehr Aufklärung über die Umwelt aufgewachsen und haben dank technologischer Möglichkeiten eine globale Sichtweise und ein größeres Bewusstsein für das Schicksal des Planeten. Sie setzen sich für dringlichere Veränderungen ein, um ihre eigene Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder zu schützen.

Millennials beginnen, mit ihrem Geldbeutel zu wählen – und sie werden zusammen mit der Generation Z schließlich die politische Agenda dominieren. Entscheidend ist, dass jüngere Generationen sich nicht nur mehr Sorgen über die Umwelt machen, sondern auch begonnen haben, ihre Werte in ihrem Ausgabeverhalten widerzuspiegeln.

Wir sind daher der Meinung, dass die Verbrauchernachfrage nach Gütern und Dienstleistungen aus nachhaltigen Quellen Unternehmen zwingen wird, sich anzupassen und neue Lösungen zu entwickeln. Denn es wird dafür einen unvermeidlichen kommerziellen und wettbewerblichen Grund geben. Und letztlich könnte dies auch politisch notwendig werden, wenn wirksamere Gesetze die Dynamik des Wandels unterstützen.

Grafik 2: Was Jüngeren schlaflose Nächte bereitet

Quelle: Deloitte Global Millennial Survey 2019

Wenn Politik uneins ist – Technologie verbindet!

Neben der Untätigkeit der Politik und der Gesellschaft fiel es auch Unternehmen lange schwer, die notwendigen technologischen Innovationen für einen erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel zu entwickeln. Doch das war einmal: Jetzt, da wir uns mitten im digitalen Zeitalter befinden, dürfte sich das Tempo der notwendigen Innovationen und die Entwicklung neuer Lösungen beschleunigen.

Anfangs mussten erneuerbare Energiequellen und E-Autos jede verfügbare Unterstützung annehmen, um voranzukommen. Dazu ließen sich die Staatsregierungen oftmals gerne einspannen. Doch in den vergangenen zehn Jahren haben sowohl erneuerbare Energien als auch Batterien Kostenparität erreicht. Sie sind sogar zunehmend kostengünstiger als ihre alten Gegenspieler Kohle, Öl und Erdgas sowie der Verbrennungsmotor.

Innovation zählt

Einen Planeten B gibt es nicht – deshalb müssen wir uns auf den Planeten fokussieren, auf dem wir leben. Unsere Welt muss sich auf ein ökologisch nachhaltiges Wachstumsmodell einigen. Wir wissen, wie wichtig im Rahmen dieses Wandels die Finanzierung innovativer Unternehmen ist, die aktiv daran beteiligt sind, Lösungen für einige der vor uns liegenden Herausforderungen zu finden. Dazu zählen Unternehmen, die in den Bereichen saubere Energie, Ressourceneffizienz, nachhaltiger Konsum, Kreislaufwirtschaft und nachhaltiger Umgang mit Wasser tätig sind.

Wir sind überzeugt, dass wir jetzt an einem Wendepunkt angelangt sind. Disruptive Unternehmen, die sich an diesen fünf Schlüsselthemen ausrichten, können die grüne Revolution anführen und von deutlichen Vorteilen profitieren. Selbst in einer Welt ohne gezielte staatliche Konjunkturhilfen werden grüne Investitionen nicht verschwinden. Anleger befinden sich daher in der besonderen Lage, in eine jahrzehntelange Wachstumsentwicklung investieren zu können, die sowohl zu mehr Nachhaltigkeit als auch zu höheren Renditen führen kann.

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