Scope-Studie Mit diesen Merkmalen überzeugen Fondsanbieter beim Thema Nachhaltigkeit

Kaum ein Asset Manager kann sich dem Thema ESG entziehen. Doch die Art und Weise wie sie auf den Wandel in Richtung Nachhaltigkeit reagieren, unterscheidet sich. Die Ratingagentur Scope hat zehn Asset Manager zu diesem Thema befragt und die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

26.04.2021, aktualisiert 29.04.2021 - 09:3929.04.21 - 09:39
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Müll-Aufräumaktion an einem See in Schweden
Müll-Aufräumaktion an einem See in Schweden: In dem skandinavischen Land liegt der Anteil echter Nachhaltigkeitsfonds gemessen am gesamten verwalteten Fondsvermögen bei knapp 26 Prozent© IMAGO / MASKOT

Drei Buchstaben dominieren die Asset Management-Branche: Während sich ESG bereits in den vergangenen Jahren von einem Nischenthema zu einem strategischen Kernelement für Portfolios entwickelt hat, markiert das Jahr 2021 eine Zäsur: Diverse EU-Regulierungen treten in Kraft und unterstützen damit den Wandel der Investmentlandschaft in Richtung Nachhaltigkeit.

Aktuell steht die Fondsbranche bei diesem Thema allerdings noch am Anfang. In Deutschland liegt der Anteil dezidierter Nachhaltigkeitsfonds gemessen am gesamten Fondsvolumen bei rund 8 Prozent – gemessen an der Gesamtanzahl der Fonds sind es knapp 12 Prozent. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sind das eher niedrige Werte: Der Spitzenreiter Schweden liegt bei einem ESG-Anteil von 26 Prozent des gesamten verwalteten Fondsvermögens. Es folgen Belgien, Norwegen und die Niederlande mit Anteilen von 18, 17 und 16 Prozent.

Abbildung 1: Anteil dezidierter Nachhaltigkeitsfonds am Gesamtvermögen

Das derzeit noch vergleichsweise geringe Angebot an dezidierten Nachhaltigkeitsfonds sollte dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass seitens der Fondsgesellschaften bereits umfangreiche Maßnahmen und Bemühungen umgesetzt wurden, um ihre ESG-Profile zu schärfen und den künftigen Anforderungen der Investoren gerecht zu werden. Scope hat zum Thema Nachhaltigkeit Interviews mit zehn Asset Managern geführt.

Die wichtigsten Erkenntnisse für Investoren

  • Für die Beurteilung der ESG-Ausrichtung und -Fokussierung eines Asset Managers sind der Anteil der nachhaltigen Fonds (gem. Art 8 und 9 Offenlegungsverordnung) an der gesamten Produktpalette und auch der Umfang der verwendeten Ausschlusskriterien erste Indikationen, aber keineswegs alleinige Kriterien.
  • Eine lange ESG-Historie eines Asset Managers kann ein Vorteil für nachhaltig orientierte Investoren sein – ist jedoch kein zwingendes Muss. Denn: Auch Asset Manager mit vergleichsweise kurzer ESG-Historie können eine überzeugende ESG-Strategie anbieten.
  • Größere Bedeutung für Anleger hat das Level der ESG-Integration eines Vermögensverwalters. Dabei geht es um die Frage, wie tief verankert die ESG-Kernelemente im organisatorischen Aufbau und vor allem im Investmentprozess eines Asset Managers sind.
  • Sehr hohe Relevanz hat das aktive ESG-Stewardship, also die gezielte Einflussnahme von Vermögensverwaltern auf das Nachhaltigkeitsbestreben der Unternehmen, in die sie investiert sind. Besonders glaubwürdig sei es, wenn Asset Manager Wertpapiere verkaufen, sollte sich ein Unternehmen dauerhaft querstellen nachhaltiger zu agieren. Die Intensität, mit der das ESG-Stewardship verfolgt wird, entwickelt sich mehr und mehr zu einem Differenzierungsmerkmal von Asset Managern.
  • Für den langfristigen Erfolg einer ESG-Transformationsstrategie entscheidend ist der Einklang von Nachhaltigkeit und Performance. Diese Frage stellt sich vor allem für Fonds, die umstrukturiert werden – also ehemals herkömmliche Fonds, die künftig als Art. 8 oder 9 Fonds gemanagt werden. Dabei gilt: Eine derartige Repositionierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern einen positiven Einfluss auf die risiko-adjustierte Rendite haben.