Stolls Fondsecke Mit Mischfonds stabil durch jedes Kursgewitter

Die Zinsflaute bringt auch hartnäckige Sparbuch-Fans ins Grübeln. Doch selbst wenn die Erkenntnis reift, dass eine Beimischung von Aktien unvermeidlich ist: Die Sorge, beim nächsten Crash massive Verluste zu erleiden, bleibt. Unser Gastautor Sven Stoll hat untersucht, ob aktiv gemanagte Mischfonds auch bei heftigen Kursstürzen als verlässlicher Airbag dienen können.

08.10.2021 - 14:4508.10.21 - 15:19
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Ski-Airbag im österreichischen Murau
Ski-Airbag im österreichischen Murau: Vermögensverwaltende Strategien bieten die Chance, heftige Markteinbrüche abzufedern © IMAGO / GEPA pictures

Kaum ist die Corona-Krise ausgestanden, drohen bereits neue Störfeuer für die globalen Aktienmärkte: Inflationssorgen, Staatsverschuldung, schwächelnde Konjunktur, China-Crash oder mögliche Zinsanhebungen in den USA. Gründe jetzt risikoärmer zu investieren gibt es genug. Die Aktienkurse liegen zwar weltweit in der Nähe ihrer historischen Höchststände, allerdings rauschte der Dax am Mittwoch bereits unter die wichtige Haltemarke von 15.000 Punkten.

Gerade bei extremen Marktverwerfungen kann aktives Management gegensteuern. Während die Presse vor allem den kostenschlanken Aktien-ETFs ohne Absicherung in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit schenkte, bieten vermögensverwaltende Strategien die Chance, heftige Markteinbrüche abzufedern. Bei aktiven Mischfonds müssen Anleger bei verändernden Marktbedingungen nicht mit einer steuerschädlichen Umschichtung im eigenen Portfolio reagieren, sondern können sich entspannt zurücklehnen. Erfahrene Profis tarieren das Verhältnis von Chance und Risiko genau aus, spannen bei Bedarf ein Sicherheitsnetz und schonen so die Nerven ihrer Investoren.

Ampelsystem zur Absicherung

Der klassische Mischfonds streut sein Vermögen auf Aktien und Anleihen – letztere bringen laut Prognosen in Summe jedoch Verluste. Deshalb sind alternative Strategien gefragt. Auf Risikomanagement mit Timing setzt Fondsmanager Benjamin Bente beim Vates Parade A (ISIN: LU1098509851). Der Fonds investiert in US-amerikanische Aktien und setzt als eingebauten Stabilitätsanker auf die Vates Ampel – ein streng regelbasiertes System, bei dem mehr als 35 geldpolitische, konjunkturelle und Sentiment-Indikatoren zu einer Handlungsempfehlung zusammenfließen.

Das System unterscheidet auf diese Weise steigende von stark fallenden Börsenphasen und zeigt diese an. Anders als rein trendfolgende Strategien, die erst aus den Märkten aussteigen, wenn sich ein Abwärtstrend etabliert hat, wirkt die mit Makrodaten gespeiste Ampel vergleichsweise frühzeitig. So überstand der Fonds den Corona-Crash im vergangenen Jahr fast ohne Blessuren, indem der Fondsmanager den Aktienanteil bereits Ende Januar 2020 auf 33 Prozent senkte. Im März 2020 fuhr er die Quote dann auf null.

Die Bandbreite der Investmentquote kann dabei je nach Ampelsignal von minus 33 (Short) bis plus 133 Prozent (Long) schwanken. Diese Flexibilität trug dazu bei, dass der Fonds am tiefsten Punkt des Corona-Crashs lediglich mit minus 4,6 Prozent unter Wasser lag. Aktuell steht die Börsenampel der in Obertshausen bei Hanau ansässigen Fondsboutique auf Gelb (33 Prozent Investitionsquote).

Fokus auf dem US-Markt

Umgesetzt wird die Anlagestrategie des Fonds mit US-Aktien und Derivaten auf den S&P 500 Index. Die Konzentration auf den amerikanischen Markt rührt daher, dass nur in Übersee Makrodaten in ausreichender Qualität und mit entsprechend langer Historie zur Verfügung stehen. Die Auswahl der Einzeltitel erfolgt dann rein quantitativ über das hauseigene TIC-System, einem kollektiven Investmentansatz, mit dessen Hilfe in die Aktienideen der besten Fondsmanager am US-Markt investiert wird.

Zu den größten Fondspositionen zählen aktuell die Börsen-Schwergewichte Microsoft, Amazon und Alphabet. In den vergangenen fünf Jahren erwirtschaftete der fast 150 Millionen Dollar schwere Fonds eine jährliche Rendite von 7 Prozent. Seit Auflage am 4. November 2014 liegt die Wertentwicklung bei fast 50 Prozent.

Positiver Ertrag in jeder Marktsituation

Auf Nebenwerte aus der DACH-Region vertrauen hingegen die Manager der in Königsbrunn bei Augsburg ansässigen Fondsboutique FUNDament Capital, die im Januar 2018 den Total-Return Fonds Fundament Total Return P (ISIN: DE000A2H5YB2) gestartet haben. Total-Return-Fonds orientieren sich nicht an einer Benchmark wie Aktien- oder Anleiheindizes. Stattdessen setzen sie sich das absolute Ziel, stets einen positiven Ertrag (Return) zu erreichen – ganz gleich, ob die Kurse an den Märkten steigen oder fallen.

Verantwortlich für den Fonds ist das Duo Elmar Baur und Ralph Blum. „Nebenwerte bieten starkes Wachstum und liefern mehr Alpha“, begründen die Manager den Fokus auf Small und Midcaps. Kombiniert mit einer defensiven Grundordnung und solider Absicherungsstrategie sorgen Sondersituationen wie Übernahmen, Restrukturierungsfälle oder Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge für ein ausgeglichenes Verhältnis aus Risiko und Rendite.

Die Bewährungsprobe der Strategie kam dann in Form der Covid-19-Pandemie, als so gut wie alle Assetklassen in den Keller rauschten. Der Mischfonds parierte den Rücksetzer nahezu schadlos und lieferte für das gesamte Jahr 2020 einen Wertzuwachs von 33 Prozent. Zu ETFs hat Baur eine klare Meinung: „In volatilen und seitwärts gerichteten Märkten werden ETFs kaum noch Renditen generieren. Vielmehr werden in der Gemengelage aktiv gemanagte Fonds trotz höherer Kosten attraktiv.“

Absicherung als Geheimtipp

Auf Einzeltitel-Ebene kam dem Fonds zuletzt die Übernahme der Schaltbau AG durch den US-Finanzinvestor Carlyle im August des laufenden Jahres zugute. Die Übernahme-Offerte katapultierte den Kurs der Aktie innerhalb weniger Tage nach oben. Aktuell setzen Baur und Blum auf den Dax-Aufsteiger Porsche oder CTP-NV, eine führende Holding- und Managementgesellschaft für Industrieimmobilien in Zentral- und Osteuropa, die zu den fünf größten Industrie-Immobiliengruppen in Europa zählt.

Seit Auflage im Januar 2018 gehört der Fonds mit einer Wertentwicklung von 54 Prozent zu den besten flexiblen Mischfonds. Der maximale Drawdown lag in dem Zeitraum bei lediglich 5 Prozent, was dem Portfolio aus Bayern ein hervorragendes Rendite-Risikoprofil mit einer Sharpe-Ratio von 1,80 Prozent über drei Jahre beschert hat. Das geringe Fondsvolumen von lediglich 22 Millionen Euro zeigt, dass der bei der Fondsgesellschaft Axxion aufgelegte Fonds noch immer ein Geheimtipp ist.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.