Wachsender Markt Mit Vollgas in die ETF-Anlage starten

Immer mehr Privatanleger setzen auf Exchange Traded Funds (ETFs). Nicht zuletzt, da die Auswahl immer größer wird. Doch wie finden sich Investoren im ETF-Dschungel zurecht? Welcher Indexfonds passt zur eigenen Strategie? Und was kostet der Spaß überhaupt?

27.04.2021, aktualisiert 04.05.2021 - 09:2504.05.21 - 09:25
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Bereit für die Überholspur
Bereit für die Überholspur: ETFs haben sich neben aktiv gemanagten Fonds zu den Lieblingen von Investoren entwickelt © IMAGO / HochZwei

Normalerweise ordern Anleger beim Wertpapierkauf einzelne Aktien, Anleihen oder andere Investmentprodukte. Einer der Nachteile: Es kann sich unter ihnen ein schlecht laufendes Papier befinden, das früher oder später mit größeren Verlusten enttäuscht. Um das zu verhindern gilt: Investoren sollten ihr Portfolio diversifizieren, also möglichst breit aufstellen.

Das müssen Anleger jedoch nicht in Eigenregie leisten. Zwei Möglichkeiten stehen ihnen zur Auswahl: Zum einen aktiv gemanagte Fonds, wobei der Fondsmanager versucht, die aussichtsreichsten Einzeltitel auszuwählen. Zum anderen ETFs, die einen Index nachbilden. Bei Indexfonds sollten Anleger jedoch die Art der Indexabbildung näher betrachten. Hier offenbaren sich große Unterschiede:

Vollreplizierend: Ein physischer ETF (volle Replikation) bildet das Anlageuniversum 1:1 nach. Es werden alle Wertpapiere in derselben Gewichtung gekauft, analog dem Index, der nachgebildet wird. Der ETF ist durch die Titel physisch hinterlegt.

Teilreplizierend: Optimiertes Sampling (Teilreplikation) ist ebenfalls physisch. Doch hierbei enthält der ETF lediglich eine Auswahl der im Index enthaltenen Wertpapiere. Dadurch verringern sich die Kosten des Anlageprodukts. Die teilreplizierende Herangehensweise bietet sich insbesondere bei größeren Indizes an, die teilweise sehr kleine Positionen enthalten, deren physischer Einkauf die Kosten des ETFs in die Höhen treiben würde.

Swap-basiert: Eine dritte Replikationsmethode ist synthetisch. Der Index wird nicht physisch mit den Indextiteln nachgebildet, sondern über ein Tauschgeschäft (Swap). Diese Methode wird mit Hilfe eines Sicherheitskorbes abgesichert. Zu beachten ist das sogenannte Kontrahentenrisiko. Das bedeutet: Der Partner (meist eine Bank) sichert dem ETF-Anbieter die Wertentwicklung des Referenzindex zu und erhält im Gegenzug eben jene Wertentwicklung des Sicherheitskorbes.

Ausschüttend oder thesaurierend?

Anleger haben die Qual der Wahl zwischen den unterschiedlichen ETF-Varianten. Welche besser passt, kommt auf die jeweilige Anlagestrategie an. Wenn Investoren lieber ein passives Einkommen aufbauen wollen, dann sind ausschüttende ETFs die richtige Wahl. Hierbei schüttet der Indexfonds die Zinsen und Dividenden, die von dem im Portfolio gehaltenen Unternehmen gezahlt werden, an die Anteilsbesitzer aus. Das Pendant dazu sind die sogenannten thesaurierenden ETFs: Der Indexfonds schüttet keine Zinsen und Dividenden aus, sondern reinvestiert diese direkt in den Fonds.

Kosten und Gebühren

Wie hoch die Rendite eines Investments ausfällt, wird nicht zuletzt durch die anfallenden Kosten bestimmt. ETFs sind aufgrund ihrer geringen (Verwaltungs-)Kosten im Vergleich zu aktiv gemangten Fonds vergleichsweise günstig. Wieso? Beim klassischen Investmentfonds werden meist bis zu 5 Prozent Ausgabeaufschläge erhoben. Bei Indexfonds hingegen fallen keine hohen Nebenkosten an.

Die laufenden Kosten eines Indexfonds bewegen sich meist zwischen 0,2 und 0,8 Prozent. Es gibt zudem Anbieter, die darunter liegen. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Je exotischer der abgebildete Index, desto höher die Kosten. Die gute Nachricht: Experten erwarten, dass in den kommenden Jahren die Aufschläge weiter sinken werden. Dafür sind zwei Gründe ausschlaggebend: Zum einen ist die Verwaltung von ETFs, da sie nur einen bestimmten Index abbilden, weniger zeitaufwendig als bei aktiv gemangten Fonds. Zum anderen steigt die Beliebtheit, was immer mehr Anbieter dazu veranlasst, in diesem Marktsegment aktiv zu werden – Konkurrenz belebt das Geschäft

Warum das ETF-Volumen entscheidend ist

Investoren sollten auch auf das Fondsvolumen achten. Im Idealfall sollte sich ein ETF bereits etabliert haben und zumindest zu den vergleichsweise größeren Passivfonds zählen. Hierfür gibt es gleich mehrere Gründe: Je geringer das Volumen eines ETFs insgesamt ist, desto eher kann es passieren, dass der Indexfonds aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen oder mit anderen Fonds verschmolzen wird. Viele Experten sind der Meinung, dass dieses Risiko bei Indexfonds mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro abnimmt.

4 Indizes – Orientierungshilfe für Börseneinsteiger

Ein ETF bildet einen Index nur passiv nach, statt eine eigene Strategie zu verfolgen. Anleger sollten sich vor dem Kauf eines Indexfonds darüber erkundigen, welcher Index den eigenen Anlagezielen entspricht. Wir haben die vier bekanntesten Indizes kurz zusammengefasst.

  • Der MSCI World ist einer der meist beachteten Indizes. Er zeigt Anlegern auf einen Blick, ob der Weltaktienmarkt steigt oder fällt. Der Index misst die durchschnittliche Wertentwicklung an den Börsen der entwickelten Industrieländer, ausgedrückt in einer einzigen Zahl.
  • Der MSCI Emerging Markets Index ist ein internationaler Aktienindex, der die Wertentwicklung von Unternehmen aus 27 Schwellenländern abbildet. Mit knapp 1.400 Unternehmen weltweit spiegelt der MSCI Emerging Markets Index ungefähr 85 Prozent der Marktkapitalisierung in den Schwellenländern wider.
  • Ein breit aufgestellter US-Index ist der „Standard & Poor’s 500“-Index (S&P 500), der 500 Aktien umfasst und damit die Entwicklung des US-Marktes präziser abzubilden vermag als der Dow Jones Industrial Average.
  • In Deutschland ist der Deutsche Aktienindex (Dax) das wichtigste Börsenbarometer. Der Dax bildet die 30 hinsichtlich Marktkapitalisierung und Börsenumsatz größten deutschen Unternehmen ab und spiegelt deren Wertentwicklung wider.

Anleiheindizes sind hingegen weniger bekannt als ihre Aktien-Pendants. Dennoch gilt auch hier: Anleger sollten genau hinschauen, was in einem Index steckt. Hier sollten vor allem die Restlaufzeiten der enthaltenen Anleihen, die Kreditwürdigkeit (Bonität) der Emittenten und die Währung, in denen die Anleihen notieren, genau angesehen werden.

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