Morgan Harting zu Multi-Asset in Schwellenländern „Die Sorgen sind jetzt weniger bedrohlich“

Im turbulenten Jahr 2015 flüchteten Anleger scharenweise aus den Schwellenländern. Morgan Harting, Leiter Multi-Asset Schwellenländer bei AB, meint, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, zurückzukehren. Im Gespräch erklärt er, wo er aktuell die beste Entwicklung beobachtet und wie er mit seinem Multi-Asset-Ansatz den Markt hinter sich lässt.

27.05.2016, aktualisiert 01.06.2016 - 14:5701.06.16 - 14:57
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Morgan Harting, Leiter Multi-Asset Schwellenländer bei AB, erläutert, warum er jetzt einen guten Zeitpunkt sieht, in die Schwellenländer zurückzukehren.
Morgan Harting, Leiter Multi-Asset Schwellenländer bei AB, erläutert, warum er jetzt einen guten Zeitpunkt sieht, in die Schwellenländer zurückzukehren.

der fonds: Anleger haben 2015 über 60 Milliarden Dollar aus den Schwellenländern abgezogen. Sie sagen, jetzt ist die Zeit, wieder in diese Märkte zu investieren. Warum?

Morgan Harting: Die Stimmung hinsichtlich der Schwellenländer hat sich stark verbessert. Viele der Anlegersorgen, die der Grund für die Kapitalabflüsse waren, sind nun weniger bedrohlich.

Inwiefern?

Harting: Zum einen sind da die Rohstoffpreise: Nachdem sie 18 Monate gefallen sind, hat der Abwärtstrend nicht nur aufgehört, sondern sich umgekehrt. Ein weiterer Sorgenfaktor für Anleger weltweit war die Politik der Zentralbanken, besonders der US-Notenbank. Doch nun zeigt sich, dass die USA weitere Zinserhöhungen nicht überstürzen wird. Drittens glaube ich, dass die chinesische Wirtschaft, die eine zentrale Rolle für Schwellenländer-Investments spielt, gezeigt hat, dass sie zwar schwächelt, aber keinesfalls kollabiert. Auch der Renminbi zeigt sich nun robuster.

Stimmt, in letzter Zeit sind die wirtschaftlichen Schreckensmeldungen aus China deutlich abgeebbt. Ist das auch ein Zeichen von Stabilisierung? Oder sind die Medien China-müde?

Harting: (lacht) Vielleicht beides. Die Chinesen haben sich 2015 damit schwer getan, Regel- und Verfahrensänderungen zu kommunizieren. Mit der Zeit haben wir allerdings ihre Absichten verstanden. Außerdem zeigen die chinesischen Behörden deutlichen Willen, geldpolitische Stimuli einzusetzen. Dadurch wachsen Infrastrukturausgaben und der Häusermarkt, genauso wie der Dienstleistungs- und Konsum-Sektor, die schon seit einiger Zeit gute Zahlen liefern. Anleger sehen hier genug Wachstum um das Gefühl zu haben, dass China nicht in einer Krise steckt, obwohl das produzierende und exportierende Gewerbe stagniert. Fazit: Das Land hat einige langfristige Probleme zu lösen, besonders das Level an Inlandsverschuldung. Dies muss aber nicht zwangsläufig in einer Finanzkrise mit dem Ausmaß wie etwa 2008 enden.