Morningstar-AnalyseTreue zu Europa könnte sich für Anleger auszahlen

Europas Börsen haben das neue Jahr im Sinkflug begonnen. Viele Anleger halten den Titeln des alten Kontinents trotzdem die Treue, stellt die Rating-Agentur Morningstar heraus. Experten gehen davon aus, dass sich diese Strategie lohnt.

09.03.2016 - 10:33 Uhr09.03.16 10:33
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Wahrlich kein guter Start in das Jahr für die alte Dame Europa: Die Diskussion um einen möglichen Brexit, die nach wie vor ungeklärte Flüchtlingsproblematik sowie die politischen Entwicklungen in den EU-Ländern Irland und Spanien sorgen für Unruhe auf den Finanzmärkten. Zwischen Anfang Januar und Mitte Februar verlor der europäische Aktienindex Eurostoxx 50 satte 17 Prozent. Mitte Februar, am Tiefpunkt der Baisse, notierte das Finanzbarometer bei nur noch 2.700 Zählerpunkten. Zum Vergleich: Im Dezember des Vorjahres zeigte es noch auf 3.500 Punkte.

Europäische Aktienfonds verbuchen hohe Zuflüsse

In Zeiten hoher Nervosität wollen Anleger und Investoren einfach nur raus aus dem Risiko. Sie verkaufen ihre Aktien und versuchen ihr Glück mit anderen Assets. Nicht so im Winter 2016: Laut einer aktuellen Analyse der Rating-Agentur Morningstar waren im Januar acht von zehn Fondskategorien mit den höchsten Zuflüssen europäische Regionen- und Länderkategorien. Gekauft wurden demnach vor allem Eurozonen-Standardwerte, aber auch pan-europäische Standardwerte- und Dividendenfonds.

„Das ist bemerkenswert, bedenkt man, dass europäische Aktien zum Jahresanfang stark in Mitleidenschaft gezogen wurden“, schreiben die Morning-Star-Analysten. Und weiter: „Entpuppt sich die derzeitige Schwächephase an den Märkten als bloße Korrektur und nicht als Auftakt einer ausgeprägten Baisse, dann haben diese Investoren mit ihrem antizyklischen Handeln vieles richtig gemacht.“

Nick Sheridan, Fondsmanager bei der britischen Gesellschaft Henderson Global Investors, glaubt, dass die Kauf-Strategie aufgeht:

„Abgesehen von der politischen Situation, insbesondere den Verhandlungen über den Brexit, erscheint Europa relativ stabil. Die Wechselkurse und der aktuell niedrige Ölpreis, die zwar die Deflation schüren, aber Verbrauchern und Unternehmen zugutekommen, wirken sich insgesamt günstig aus. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wird die Finanzmärkte stimulieren und Banken werden großzügiger Kredite vergeben. Das dürfte den Binnenkonsum im Euroraum ankurbeln und die Unternehmen dazu ermuntern, mehr zu investieren.”

Nick Sheridan, Fondsmanager bei der britischen Gesellschaft Henderson Global Investors

Ob sich Sheridans Prognosen bewahrheiten, wissen wir erst in ein paar Monaten. Aktuell zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend bei europäischen Aktien ab. Seit Anfang März kletterte der Eurostoxx 50 bereits um 5 Prozent. „Anleger nehmen in gewisser Hinsicht eine ’dovishe’ EZB-Sitzung vorweg“, erklärt Ralf Zimmermann, Stratege beim Bankhaus Lampe in Düsseldorf, gegenüber Bloomberg. „Sollten die Konjunkturdaten nicht enttäuschen, kann die Erholung weitergehen.“