Ukraine-Krieg MSCI und FTSE werfen Russland aus ihren Indizes

Viele ETFs basieren auf Indizes von MSCI und FTSE. Nun haben die beiden Anbieter bekanntgegeben, russische Aktien nicht mehr zu berücksichtigen. Was bedeutet das für Anleger:innen?

04.03.2022 - 15:5004.03.22 - 17:00
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Börse in Moskau
Börse in Moskau: Russische Aktien werden in den Indizes von MSCI und FTSE nicht mehr berücksichtigt© Imago Images / ITAR-TASS

Wer sich schon ein bisschen mit Exchange Traded Funds (ETFs) beschäftigt hat, der kennt das Kürzel: Viele ETFs basieren auf Indizes des Anbieters MSCI, also Morgan Stanley Capital International. Aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine hat der Indexanbieter beschlossen, russische Aktien ab dem 9. März aus seinen breiten Aktienindizes zu werfen. Der Status des Landes wird von von Emerging Market in Standalone Market geändert.

„MSCI erhielt Rückmeldungen von einer Vielzahl von Investoren, darunter Vermögensverwalter, Broker und Börsen, die mit überwältigender Mehrheit bestätigten, dass der russische Aktienmarkt derzeit nicht investierbar ist und dass russische Wertpapiere aus den MSCI Emerging Markets Indizes entfernt werden sollten“, teilt MSCI mit.

Auch der Indexanbieter FTSE Russell, eine Tochtergesellschaft der Londoner Börse, kündigte an, russische Aktien aus seinen Indizes zu werfen. „Russland wird mit Wirkung vom Montag, den 7. März, aus allen Indizes gestrichen“, teilte das Unternehmen mit.

Was bedeutet der Rauswurf für Investoren:innen?

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Der unter ETF-Anlegern beliebte globale Aktienindex MSCI World enthält keine russischen Aktien, da er nur Industrieländermärkte abbildet – zu denen Russland nicht zählt. Im breiter aufgestellten MSCI All Country World (ACWI), der auch Schwellenländer berücksichtigt und rund 4.000 Aktien aus 48 Ländern umfasst, machte Russland vor Beginn des Ukraine-Kriegs nur rund 0,4 Prozent der Ländergewichtung aus. Im reinen MSCI Emerging Market sind russische Aktien mit 3,3 Prozent vertreten. Bei Mitwerber FTSE waren im FTSE All-World Index russische Aktien Ende Februar mit lediglich 0,18 Prozent gewichtet.

Was müssen die Fondsgesellschaften tun?

ETF-Anbieter müssen die Änderungen nun umsetzen. Wie das geschieht, kommt auf die Art der Indexnachbildung an:

Vollreplizierend: Ein physischer ETF (volle Replikation) bildet das Anlageuniversum 1:1 nach. Das heißt: Alle Wertpapiere werden in derselben Gewichtung wie im Index gekauft. Der ETF ist durch die Titel physisch hinterlegt. Aktuell lassen sich russische Titel kaum verkaufen. Ihr Wert dürfte daher mit Null angesetzt werden.

Teilreplizierend: Optimiertes Sampling (Teilreplikation) ist ebenfalls physisch. Doch hierbei enthält der ETF lediglich eine Auswahl der im Index enthaltenen Wertpapiere. Dadurch verringern sich die Kosten des Anlageprodukts. Hier verhält es sich ähnlich wie bei vollreplizierenden ETFs.

Swap-basiert: Eine dritte Replikationsmethode ist synthetisch. Der Index wird nicht physisch mit den Indextiteln nachgebildet, sondern über ein Tauschgeschäft (Swap). Da solche ETFs nicht wirklich in die Aktien investieren, ist der Ausschluss Russlands unproblematisch.

Einige Fondsanbieter hatten bereits vorher bekanntgegeben, den Handel mit Russlandfonds und solchen mit einem hohen Russlandanteil auszusetzen.

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