Schwellenländer-ETFs MSCI will Russland aus Schwellenländerindex werfen

Der Westen reagiert mit Sanktionen gegen Russland auf die Invasion der Ukraine. Akteure an den internationalen Finanzmärkten positionieren sich ebenfalls deutlich – zum Beispiel der Indexanbieter MSCI oder die Deutsche Börse, die den Handel russischer Papiere einstellt.

01.03.2022 - 18:0201.03.22 - 18:21
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Viele Fonds mit Osteuropa-Fokus ohne Russland investieren verstärkt in polnische Unternehmen
Viele Fonds mit Osteuropa-Fokus ohne Russland investieren verstärkt in polnische Unternehmen© Imago Images / ZUMA Wire

Der Westen reagiert mit scharfen Sanktionen gegen Russland auf den Einmarsch des Landes in der Ukraine. In der deutschen Finanzbranche regt sich ebenfalls zunehmend Widerstand. Die Kirchen-, Sozial- und Nachhaltigkeitsbanken in Deutschland fordern in einer Stellungnahme am 1. März alle Akteure am Finanzmarkt auf, ihre Geschäftsbeziehungen genau zu hinterfragen und „auf ihre Muttergesellschaften einzuwirken, Geschäftsbeziehungen zu beenden, auch wenn keine Sanktionen erlassen wurden“.

Sie begrüßen es, dass beispielsweise „Vergleichsplattformen russische Banken aus den Zinsvergleichen entfernt haben“.

Deutsche Börse stellt Handel russischer Papiere ein

Ohnehin werden Investments in Russland schwieriger: Ab Ende des Handelstags am Dienstag können an der Deutschen Börse keine Anleihen, Aktien oder Derivate aus Russland mehr gehandelt werden, wie der Betreiber am Dienstag mitgeteilt hat.

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment hat indes angekündigt, ab dem 1. März die Ausgabe sowie die Rücknahme von Anteilen des UniEM Osteuropa (ISIN: LU0054734388) aussetzen. Russland hatte darin zuletzt eine Gewichtung von 57 Prozent.

Als Grund gibt Union Investment an, dass „der russische Aktienmarkt, an dem ein wesentlicher Teil der Vermögenswerte des Fonds amtlich notiert oder gehandelt wird, für ausländische Investoren aktuell eingeschränkt ist“.

Dadurch sei es derzeit nicht möglich, eine ordnungsgemäße Berechnung des Anteilwertes sicherzustellen. Auch das Management des Fonds sei nicht mehr adäquat zu gewährleisten. Sobald diese Beschränkungen wieder entfallen, werde Union Investment die getroffene Maßnahme aufheben.

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

J.P. Morgan Asset Management hatte bereits am 28. Februar den Handel ihrer Russland- und Osteuropa-Fonds ausgesetzt. Betroffen sind die Anteilklassen des Fonds JPM Russia (ISIN: LU0215049551) und des JPM Emerging Europe Equity (ISIN: LU0051759099), wie wir bereits hier berichtet haben.

MSCI will Russland aus seinen Indizes werfen

Auch der große US-amerikanische Indexanbieter MSCI plant, Russland aus seinen Indizes zu streichen. Russland hat aktuell eine Gewichtung von 3,24 Prozent im Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets. Der russische Aktienmarkt sei nach den neuen westlichen Sanktionen und den Handelsbeschränkungen der Zentralbank uninvestierbar“, sagte Dimitris Melas, Global Head of Equity Research bei MSCI, laut Medienberichten. „Es ist für uns alle offensichtlich, dass der Markt sehr schwierig zu handeln ist.“

Im MSCI World sind ohnehin keine russischen Aktien enthalten, da es sich dabei um einen Industrieländerindex handelt – Russland aber als Schwellenland eingestuft wird. Insgesamt sind Aktien aus Russland in globalen Indizes nur in sehr geringem Ausmaß vertreten. Zu diesem Schluss kommt Barbara Claus, Head of Mutual Funds bei Scope Analysis, in ihrem Researchbericht Anfang März. Im breiter aufgestellten MSCI World All Country Index, der sowohl Papiere aus entwickelten als auch aus aufstrebenden Volkswirtschaften weltweit enthält, lag ihr Anteil im Januar 2022 bei nur 0,4 Prozent.

Barbara Claus, Scope

Weitere Ergebnisse aus Claus‘ Analyse:

  • Die Bedeutung russischer Aktien in den Standard-Indizes für entwickelte Märkte und Schwellenländer ist insgesamt niedrig.
  • Das osteuropäische Anlageuniversum gemessen an der Benchmark MSCI EM Eastern Europe 10-40 wird hingegen klar von Russland dominiert. Der Anteil liegt bei ungefähr zwei Dritteln.
  • Die Scope Fonds-Vergleichsgruppe „Aktien Mittel-/Osteuropa“ ist mit rund 5 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen recht klein. Zum Vergleich: Nur über Xetra werden pro Monat ETFs im Volumen von 17 Milliarden Euro gehandelt.
  • Anleger können aktiv und passiv in mittel- und osteuropäische Aktien ohne Russland investieren. Hierbei gibt es viel verschiedene regionale und sektorale Schwerpunkte.
  • Insgesamt haben sich Osteuropafonds ohne Russland-Exposure über ein, drei und fünf Jahre deutlich besser entwickelt als solche mit.
  • Anleger, die über einen ETF in Osteuropa ohne Russland investieren möchten, müssen sich auf hohe Konzentrationen bei der Allokation von Ländern und Sektoren sowie auf Einzeltitelebene einstellen.

Wie hoch ist der Anteil russischer Aktien an Fonds aus Mittel- und Osteuropa?

Bei vielen Fonds mit Osteuropa-Fokus ohne Russland ist der Anteil an polnischen Unternehmen auffallend hoch. Die meisten der 38 Fonds mit Schwerpunkt Mittel- und Osteuropa, die Claus analysiert hat, sind auch in Russland investiert. „Wie erwartet ist der Russland-Anteil bei Fonds in der Peergroup Aktien Mittel-/Osteuropa im Durchschnitt mit knapp 40 Prozent sehr hoch.“ Doch bereits in der Analyse per Ende Januar 2022 war das Gewicht russischer Titel in den Fonds im Durchschnitt deutlich geringer als in den gängigen Osteuropa-Benchmarks. Das zeigt, „dass viele Fondsmanager bereits vor der Kriegserklärung Putins an die Ukraine in russischen Titeln untergewichtet waren“.

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