Multi-Asset-Experte Vincent McEntegart im Interview „Im Idealfall können Fondsmanager Korrelationen vorhersagen“

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„Aktien hoch, Anleihen runter“, lautet eine alte Finanzmarktregel. Doch trifft das heute überhaupt noch zu? Vincent McEntegart, Manager des Kames Global Diversified Income Fund, sagt im Interview, wie sich Korrelationen im Laufe der Zeit ändern und worauf Anleger achten sollten.

13.06.2017 - 09:1313.06.17 - 11:36
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Statistiken zeigen, dass die Korrelation von Gold mit globalen Aktien derzeit negativ ist. Daher kann Gold in Portfolios als Schutz vor einem Aktien-Ausverkauf eingesetzt werden
Statistiken zeigen, dass die Korrelation von Gold mit globalen Aktien derzeit negativ ist. Daher kann Gold in Portfolios als Schutz vor einem Aktien-Ausverkauf eingesetzt werden© Getty Images

der fonds: Manager von Multi-Asset-Fonds achten stark auf die Korrelation zwischen Anlageklassen. Was sind die Gründe?

Vincent McEntegart: Bis vor ungefähr einem Jahrzehnt gab es an den Finanzmärkten ein mehr oder weniger festes Muster: Aktien und Anleihen liefen gegeneinander. Das heißt, wenn die Aktienkurse stiegen, fielen die Anleihekurse und andersherum. Fondsmanager, die sich auf dieses Muster verlassen haben, sind nicht schlecht gefahren. Heute ist die Sache nicht mehr so einfach. In den letzten Jahren sind die traditionellen Beziehungen zwischen Aktien und Anleihen zerbröckelt. Die Korrelation hat sich zeitweise sogar ins Positive gedreht, was aus Gesichtspunkten der Risikosteuerung für ein gemischtes Portfolio nicht ideal ist. Hinzu kommt, dass viele Anleihen nur sehr niedrige Renditen abwerfen und deshalb in Fonds schwer zu rechtfertigen sind.

Wie gehen Sie bei Kames Capital mit dieser Entwicklung um?

McEntegart: Wir streben mit dem Kames Global Diversified Income Fund eine Gesamtrendite an, die in etwa lang laufenden Aktien-Investments entspricht – jedoch bei weniger Risiko. Vor der Finanzkrise 2008 war es möglich, dieses Ziel mit einem Portfolio zu erreichen, das zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen besteht. Die Renditen aus den beiden Anlageklassen sowie ihre negative Korrelation lieferten ein gutes Ergebnis. Heute gestaltet sich die Lage schwieriger. Unser Anlageziel ist zwar das Gleiche, doch das Umfeld hat sich verändert. Die alten Korrelationsmuster funktionieren nicht mehr. Also nutzen wir eine breitere Palette von Vermögenswerten. Dafür brauchen wir ein besseres Verständnis der Wechselbeziehungen zwischen Asset-Klassen.

Gold wird oft als Sicherheitspuffer in Fonds verwendet. Wie korreliert das Edelmetall mit Aktien?

McEntegart: Unsere Statistiken zeigen, dass die Korrelation von Gold mit globalen Aktien derzeit negativ ist. Daher kann Gold in Portfolios als Schutz vor einem Aktien-Ausverkauf eingesetzt werden.

Halten Sie Gold im Kames Global Diversified Income Fund?

McEntegart: Nein. Wir halten keine Vermögenswerte, nur weil sie negativ mit Aktien korrelieren. Mit Gold lassen sich keine regelmäßigen Erträge erzielen und der Preis schwankt stark. Es ist außerdem schwierig, das Edelmetall zu bewerten. Gold ist zwar eine Art Ersatzwährung in Krisenzeiten, wird aber nur begrenzt industriell genutzt.