Multi-Asset-Kommentar Nur Aktien und Anleihen im Portfolio zu haben, ist gefährlich

Viele Anleger gehen fest davon aus, dass Aktien- und Anleihekurse nie im Gleichschritt marschieren. Sie glauben, dass die einen steigen, wenn die anderen abstürzen. Das ist falsch.

10.06.2016 - 12:2510.06.16 - 14:40
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Für viele Anleger sind Aktien und Anleihen untrennbar miteinander verbunden – wie die Frau und der Mann im traditionellen Wetterhäuschen. Die Frau kommt mit einem Sonnenschirm heraus, wenn schönes Wetter ist, der Mann mit einem Regenmantel, wenn es nach Regen aussieht – sie kommen aber nie gleichzeitig aus dem Haus.

Analog wird häufig angenommen, dass Aktien- und Anleihekurse nie identisch reagieren. Der Anstieg einer Asset-Klasse gleicht den Rückgang der anderen aus, und die Gesamtperformance von Portfolios, die aus einer einfachen Mischung aus Aktien und börsennotierten Anleihen bestehen, ist stets hoch. Auf dieser gleichsam in Fels gemeißelten Erkenntnis bauen viele Portfolios auf.

Aktien und Anleihen im Gleichschritt

Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man Risse in diesem Felsen. Es gab nach dem Zweiten Weltkrieg nur zwei Phasen, in denen die gleitenden Fünfjahresrenditen von US-Aktien und -Staatsanleihen eine negative Korrelation aufwiesen: Von 1955 bis 1965 sowie in den letzten 15 Jahren.

Mit anderen Worten: Die Anomalie besteht nicht darin, dass Aktien und Anleihen in die gleiche Richtung marschieren. Eine Anomalie liegt vielmehr dann vor, wenn sie es nicht tun. Diese Beziehung beruht auf dem Marktmodell der Federal Reserve: Wenn die von einem Anleger mit Anleihen erzielbare Rendite sinkt, dann sollten agnostische Investoren auch bereit sein, niedrigere Aktienrenditen zu akzeptieren.