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Goldener Tempel im indischen Amritsar

China und Indien Nachhaltig zurück auf den Wachstumsthron

Während sich führende Industrienationen noch von den Folgen der Krise erholen, läuft die Wirtschaft in China wieder auf Hochtouren. In Indien könnte das Wachstum ebenfalls deutlich anziehen. Dabei verfolgen beide Länder unterschiedliche Strategien. Wie Anleger davon profitieren können, erklärt Hiren Dasani, Co-Head of Emerging Markets Equity bei Goldman Sachs AM.

21.05.2021 - 10:00 Uhr | in Nachhaltigkeit

Vor Corona waren Indien und China die globalen Wachstumschampions unter den bedeutenden Volkswirtschaften – und dürften es auch nach dem Abklingen der Pandemie wieder werden: Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für Indien 2021 ein Konjunkturplus von 12,5 Prozent, während Chinas Wirtschaft um 8,4 Prozent zulegen dürfte. Zum Vergleich: Weltweit erwarten die Experten ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 6 Prozent.  

Der Aufschwung in den beiden asiatischen Riesenreichen basiert dabei auf unterschiedlichen Säulen, wie Hiren Dasani erläutert, Co-Head of Emerging Markets Equity bei Goldman Sachs Asset Management: „Die beiden Volkswirtschaften konzentrieren sich auf unterschiedliche Wachstumsbereiche, die sich allerdings ergänzen könnten. China setzt auf Binnenkonsum sowie technologischen Fortschritt. Indien hingegen auf den Ausbau seiner Produktionskapazitäten.“ Dadurch könnte es in der Lage sein, die globale Produktionslücke zu füllen, die China hinterlässt. „Doch ein Ziel verfolgen beide Nationen: Bei ihrem Wachstum achten sie zunehmend auf nachhaltige Entwicklung.“

Für Investoren können sich daraus Chancen ergeben. Allerdings gilt es, die beiden Volkswirtschaften und ihre Besonderheiten genauer zu betrachten.

Indien: Gute Voraussetzungen für den Aufschwung

Nach wie vor hat das Corona-Virus Indien fest im Griff. Doch auch dort sind Fortschritte beim Impfen zu beobachten. „Wir sind der Meinung, dass weniger strenge regionale Lockdowns, das allmähliche Impfen der Erwerbsbevölkerung und ein besser vorbereiteter formeller Sektor die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Welle begrenzen könnten“, zeigt sich Dasani optimistisch. Eine Erholung der Unternehmensgewinne auf mittlere Sicht ist seiner Überzeugung nach immer noch wahrscheinlich.

Ebenfalls den Aufschwung stützen dürften die geplanten Strukturreformen beim Arbeitsrecht und der Agrarproduktion. Außerdem sollten verschiedene Produktionsanreize zu einer Ankurbelung der Wirtschaft beitragen. „Das gestiegene Privatisierungstempo sollte das Steueraufkommen erhöhen, während neue Maßnahmen in den Bereichen Binnenlogistik, Industrieproduktion, E-Commerce und Einzelhandel eine Verlagerung der indischen Erwerbsbevölkerung von der Landwirtschaft hin zur innovativen Produktions- und Dienstleistungstätigkeit unterstützen“, erwartet Dasani.

China: „Carbonomics“ als Maßstab für Wachstum

Chinas Wirtschaft hat die Pandemie gut überstanden und der Nationale Volkskongress, auf dem im März der 14. Fünf-Jahres-Plan verabschiedet wurde, brachte Klarheiten über den wirtschaftspolitischen Kurs. „Insbesondere die Strategie der zwei Wirtschaftskreisläufe, mit der die Abhängigkeit von Exporten verringert werden soll, dürfte sowohl den Binnenkonsum als auch die wirtschaftliche Selbstständigkeit stärken und ausländische Kapitalzuflüsse anziehen“, blickt Dasani voraus. Das könnte Forschung und Entwicklung sowie Investitionen beschleunigen und dem Reich der Mitte dabei helfen, seine Wirtschaft allmählich von Basisindustrien zu einer innovationsbasierten Ökonomie umzubauen.

Denn insbesondere für das angestrebte Erreichen der CO2-Neutralität bis 2060 bedarf es Innovationen. „Carbonomics“ als neuer Maßstab für Chinas Wachstum könnte zu einem System für den Emissionshandel sowie steigenden Investitionen in die Erzeugung erneuerbarer Energien wie Solar- und Windkraft sowie in E-Autos führen.

Millennials-Mentalität und ESG-Fokus

In China und Indien lebt knapp ein Drittel der Millennials weltweit. „Aus unserer Sicht sind die zwischen 1980 und 1999 Geborenen heute die einflussreichste Verbrauchergruppe der Welt“, sagt Dasani. „Obwohl die Entwicklungszyklen beider Länder unterschiedlich sind, rechnen wir damit, dass das Konsumverhalten und die Prioritäten der jungen Generation im kommenden Jahrzehnt zur wirtschaftlichen Transformation beitragen werden.“ Und Nachhaltigkeit sei ein Thema, das bei vielen Millennials obersten Stellenwert hat.

In China treiben ESG-Überlegungen die Entwicklung von Marktmechanismen für die Preisbestimmung von CO2 und die stärkere Akzeptanz erneuerbarer Energien voran. „Die von chinesischen Unternehmen offengelegten ESG-Informationen sind zwar weniger umfänglich als in den entwickelten Ländern, doch Marktteilnehmer und Politik drängen sie zu mehr Transparenz und einem effizienteren Ressourceneinsatz“, beobachtet Dasani. Der technologische Fortschritt führe zu einer Steigerung der wirtschaftlichen Effizienz und zur Förderung von alternativen Energien in privaten Haushalten sowie allen Wirtschaftszweigen.

Indien hat jüngst das Ziel verabschiedet, bis 2050 CO2-neutral zu werden. So plant der Subkontinent bis 2030 eine installierte Leistung von 450 Gigawatt erneuerbarer Energien. Zudem werden Maßnahmen ergriffen, um ESG-Praktiken sowie die Offenlegung von Informationen zu verbessern.

Chancen, Risiken und Bewertung

„Globale Finanzinstitute, Pensionsfonds, Stiftungen und andere Großanleger investieren gerade weniger in Schwellenländeraktien als in Papiere aus Industrieländern“, beobachtet Dasani. Wenn sich allerdings die Wachstumsdynamik von Unternehmen aus Schwellenländern verbessert, rechnet er mit zunehmenden Kapitalzuflüssen in diese Anlageklasse – zumal die Bewertungen aktuell günstig sind.

Doch ob das Anlageziel nun Indien oder China heißt: Es gibt einiges zu beachten. „In China bleibt die erhöhte Verschuldung der Unternehmen, die dieses Jahr bereits zu einer Marktkorrektur beigetragen hat, ein Risiko“, erläutert Dasani. „Wir halten die Fundamentaldaten jedoch nach wie vor für stark und gehen davon aus, dass das Gewinnwachstum – und nicht die Stimmung – die Märkte von jetzt an bestimmen wird.“ Was potenzielle geopolitische Risiken angeht, sollten Anleger aus Sicht von Goldman Sachs Asset Management das Beste hoffen, allerdings auch mögliche Unsicherheiten einkalkulieren.

In Indien scheint die Wirtschaft auf dem Weg der Besserung zu sein: Das reale BIP dürfte sich in den kommenden 12 Monaten erholen, nachdem es im vergangenen Jahr um geschätzte 7,5 Prozent geschrumpft ist. „Auf mittlere Sicht schätzen wir die Entwicklung des Gewinnwachstums in Indien positiv ein“, sagt Dasani. Das größte Risiko stellen hier kurzfristig erneute Covid-Ausbrüche dar, gefolgt von einer nachlassenden Dynamik bei den Wirtschaftsreformen.