Online-Befragung Nachhaltigkeit: Deutsche wollen Anreize statt Verbote

Ein Umdenken in der Wirtschaft ist angesichts des Klimawandels alternativlos. Davon sind die meisten Bundesbürger:innen überzeugt. Besonders die produzierenden Unternehmen haben aus ihrer Sicht einen großen Einfluss auf das Gelingen der Transformation. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts forsa im Auftrag von Union Investment hervor.

12.11.2021, aktualisiert 16.11.2021 - 09:5016.11.21 - 09:50
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Klimastreik in Stuttgart
Klimastreik in Stuttgart: 89 Prozent der Menschen in Deutschland halten einen gesellschaftlichen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit für dringend notwendig© Imago Images / Arnulf Hettrich

Während bei der 26. UN-Klimakonferenz (COP26) in Glasgow Vertreter:innen aus fast 200 Staaten über Maßnahmen gegen den Klimawandel diskutieren, sind sich die meisten Bundesbürger:innen in einem Punkt bereits einig: 71 Prozent sind überzeugt, dass es kostspieliger sein wird, die Folgen des Klimawandels zu beheben, als diesen aufzuhalten. Das geht aus der jüngsten Befragung des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag von Union Investment hervor.

Dringlichkeit der wirtschaftlichen Transformation erkannt

Vor allem die jungen Generationen empfinden die Transformation als alternativlos: Bei den Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahren ist mit 80 Prozent der Anteil derjenigen am größten, die überzeugt sind, dass die Behebung der Folgen des Klimawandels höhere Kosten verursachen würde als dessen wirksame Bekämpfung. Differenziert man die Ergebnisse regional, so fällt auf, dass mehr Menschen im Westen (91 Prozent) als im Osten Deutschlands (80 Prozent) von der dringenden Notwendigkeit eines solchen Wandels überzeugt sind (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Unterschied zwischen Ost und West

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„Trotz großer Herausforderungen ist die nachhaltige Transformation auch aus ökonomischer Perspektive alternativlos. Sie bietet eine große unternehmerische und gesellschaftliche Chance“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment.

Bei der Vorstellung, wie die grüne Wende zu erreichen ist, herrscht weitgehend Einigkeit: 94 Prozent aller Befragten schreiben produzierenden Unternehmen die größte Verantwortung zu (siehe Grafik 2). Am zweithäufigsten werden mit 87 Prozent Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen genannt, gefolgt von der Politik (84 Prozent, Mehrfachnennungen) und Bürger:innen (83 Prozent).

Grafik 2: Wer hat die größte Verantwortung in Sachen Nachhaltigkeit?

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„Wir erleben einen tiefgreifenden strukturellen Wandel, der keinen Bereich außen vor lässt und sich mit enormer Dynamik vollzieht. Bei der nachhaltigen Transformation sind alle gefordert, da der Übergang in eine klimaneutrale Wirtschaft nur im Miteinander funktionieren wird“, betont Reinke.

Nachhaltigkeit durch Anreize fördern

Nach Meinung der Befragten soll die neue Bundesregierung dabei auf staatliche Anreize statt auf Verbote setzen: So empfehlen 87 Prozent der Befragten der neuen Bundesregierung, auf staatliche Anreize wie Steuervorteile zu setzen, um nachhaltiges Verhalten zu unterstützen. Der Anteil der Befürworter bei den unter 30-Jährigen ist mit 92 Prozent auch hier noch höher.

Auf weniger positive Resonanz stießen Verbote und Gesetze, die nicht nachhaltiges Handeln bestrafen. Während in den westlichen Bundesländern 56 Prozent dafür plädieren, sind die Befürworter solcher Verbote im Osten Deutschlands mit 44 Prozent in der Minderheit. Die meisten Befürworter von Verboten und gesetzlichen Regelungen finden sich hier ebenfalls unter den 18- bis 29-Jährigen (65 Prozent).

„Nun gilt es, den Wandel zu fördern, statt Verbote zu fordern. Denn nur so werden wir möglichst viele Menschen und Unternehmen für die nachhaltige Modernisierung gewinnen. Das größte Potenzial liegt in den Unternehmen, die heute noch nicht völlig nachhaltig agieren, sich aber glaubwürdig dahin entwickeln wollen. Als aktiver Investor wollen wir diese Transformationskandidaten begleiten“, sagt Reinke.

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