Nachhaltigkeit Wird der Ölpreiseinbruch zu niedrigeren CO2-Fußabdrücken führen?

13.05.2020, aktualisiert 18.06.2020 - 13:4818.06.20 - 13:48
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Leider ist das nicht der Fall. Es besteht Grund zu der Annahme, dass am Ölmarkt das Schlimmste bereits hinter uns liegt und dass die Situation sich im Zeitverlauf weiter aufhellt. Das niedrige Preisniveau wird die Nachfrage verstärken. In der Vergangenheit ist ein niedriger Ölpreis der Konjunkturerholung vorausgegangen, da energieintensive Branchen die Situation nutzen. Jedoch ist die zeitliche Verzögerung mit durchschnittlich 18 Monaten recht lang. Hinzu kommt, dass die Nachfrage auch durch die Verbraucher gestützt werden könnte, die – solange die Covid-19-Pandemie anhält – statt U-Bahnen, Bussen und Zügen nun häufiger das Auto bevorzugen. Die letztlich zu erwartende Erholung der Öl-Nachfrage bedeutet, dass auch die CO2-Emissionen wieder steigen werden, wie es nach der globalen Finanzkrise der Fall war.

Damit bleibt die Dekarbonisierung eine Herausforderung, da die CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050 noch in weiter Ferne liegt. Wir sind wahrscheinlich noch unterhalb der ehrgeizigen Ziele des Pariser Abkommens zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal 2 °C und idealerweise 1,5 °C oberhalb vorindustrieller Niveaus. Diese beiden Ziele erfordern bis 2050 jährliche Rückgänge der Treibhausgasemissionen um 3,4 beziehungsweise 6,4 Prozent. Dem stehen Veränderungsraten von null beziehungsweise einem Prozent unter den jetzigen Gegebenheiten gegenüber.

Chancen für ESG-Investments

Die Aspekte Umwelt, Soziales und Governance (ESG) bei der Geldanlage zu berücksichtigen, bringt nach wie vor Vorteile. Die aktuelle Krise ermöglicht einen günstigeren Entwicklungspfad für die Ziele des Pariser Abkommens, da sie die Fortsetzung einer „grünen Politik" weiter unterstützt.

Erstens können Investitionen in Nachhaltigkeitsthemen (rohstoffbezogen), wie wir sie in vielen unserer Portfolios vornehmen, als wirtschaftlicher Multiplikator dienen. Die Regierungen werden im Rahmen von Konjunkturmaßnahmen stärkere fiskalpolitische Anreize zur Beschleunigung von Investitionen in umweltfreundliche Energiequellen setzen. Beispielsweise soll laut dem European Recovery Plan die „Grüne Transformation" eine zentrale Rolle bei der Neuausrichtung und Modernisierung der Wirtschaft spielen.

Zweitens sind niedrige Ölpreise nicht zwangsläufig schlecht für Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien. So waren die meisten erneuerbaren Energietechnologien, beispielsweise Solarstrom, bereits von weit günstigeren wirtschaftlichen Bedingungen als fossile Kraftstoffe geprägt.

Drittens haben ESG-Fonds in letzter Zeit hohe Mittelzuflüsse verzeichnet, da immer mehr darauf hindeutet, dass sich durch eine ESG-Ausrichtung die Risiken in Anlageportfolios reduzieren lassen.

Nachhaltige Anlagen scheinen Abschwung besser zu verkraften

Welche Implikationen hat dies nun für Portfolios, die mit dem zweischneidigen Schwert eines niedrigen Ölpreises konfrontiert sind, der sowohl die zur Renditeerzielung wichtige Konjunkturerholung befeuert als auch die damit verbundenen Treibhausgasemissionen steigen lässt?

Da die Dekarbonisierung so herausfordernd wie bisher bleibt, werden wir in allen unseren Aktien-, Anleihen- und Multi-Asset-Portfolios unsere Umwelt- und CO2-Fußabdrücke weiter verringern. Auf Basis der von RobecoSAM aggregierten Nachhaltigkeitsdaten können wir den Umwelt-Fußabdruck – das meint Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch, Wasserverbrauch und Abfallerzeugung – unserer Investments und der Benchmarks genau messen. Nachhaltige Anlagen scheinen den durch die Covid-19-Krise ausgelösten Abschwung besser als der Gesamtmarkt verkraftet zu haben. Das spiegelt sich auch in der Wertentwicklung vieler unserer nachhaltig ausgerichteten Strategien während der Krise wider.