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Anlagechancen 2021 „Nahezu optimale Bedingungen für die Schwellenländer“

„Wir investieren unter der Prämisse, dass wir auf lange Sicht zur Normalität zurückkehren“, erklärt Gerry Fowler, Investment Director bei Aberdeen Standard Investments. Konsumgüter- und Industrietitel dürften aus seiner Sicht vom zyklischen Wachstum profitieren. Doch nicht nur hier erkennt Fowler interessante Anlagemöglichkeiten.

04.01.2021 - 08:47 Uhr | in News

der fonds: Herr Fowler, Technologie, Gesundheit und Nachhaltigkeit waren 2020 die Trendthemen an den Aktienmärkten. Werden diese Bereiche 2021 im Anlegerfokus bleiben?

Gerry Fowler: Es stimmt, dass sich diese Sektoren 2020 gut entwickelt haben, und wir glauben, dass ein Teil dieser Dynamik auch im neuen Jahr zu beobachten sein wird. Gleichwohl erscheinen viele Aktien nach der außergewöhnlich starken Entwicklung im vergangenen Jahr mittlerweile kostspielig bewertet. Darüber hinaus sind die Gewinnsteigerungen in einigen Fällen darauf zurückzuführen, dass die Unternehmen ihre Aktivitäten vorverlagert haben. Angesichts dieser Faktoren dürfte sich das Wachstum einiger Unternehmen in diesen Bereichen unseres Erachtens verlangsamen.

Welche anderen Sektoren könnten sich als Gewinner erweisen?

Fowler: Da die impfstoffbedingte zyklische Erholung allmählich an Fahrt aufnimmt, rechnen wir mit einer zunehmenden Umschichtung in Substanzwerte. Unserer Ansicht nach zeichnet sich diese Entwicklung aber auf zu breiter Basis ab. Daher legen wir den Fokus auf Marktsegmente, die im Zuge der Erholung der Volkswirtschaften von kurzfristigem zyklischem Wachstum profitieren dürften. Dazu zählen einige der im vergangenen Jahr ungeliebten Sektoren wie etwa Fluggesellschaften, Freizeit und das Gastgewerbe. Gelegenheiten erkennen wir auch bei zyklischen Konsumgüterwerten und Industrietiteln.

Die Deutsche Börse hat angekündigt, die Zahl der im Dax enthaltenen Unternehmen von 30 auf 40 anzuheben. Was bedeutet das für Anleger?

Fowler: Die Deutsche Börse ist verständlicherweise sehr daran interessiert, zu zeigen, dass aus dem Wirecard-Skandal Lehren gezogen wurden. Eine der wichtigsten Änderungen im mit der Erhöhung verbundenen Regelwerk des Dax ist aus unserer Sicht, dass die Mitglieder des erweiterten Leitindex zur Veröffentlichung von testierten Geschäftsberichten und vierteljährlichen Quartalsmitteilungen verpflichtet werden und zudem ein Prüfungsausschuss auf Aufsichtsratsebene vorhanden sein muss. Das positioniert den Dax als einen der ESG-freundlichsten Indizes – ganz im Einklang mit der Führungsrolle Europas in diesem Bereich.

Wir möchten auch die Anforderung hervorheben, dass zukünftige Kandidaten vor der Aufnahme in den Index „ein positives EBITDA in ihren zwei letzten Jahresberichten“ aufweisen müssen. Die Grundüberlegungen hinter dieser speziellen Regeländerung sind zwar nachvollziehbar. Allerdings könnte sie für den noch jungen und sehr dynamischen deutschen Technologiesektor weitreichende und nicht unbedingt immer positive Auswirkungen haben.

Die Zentralbanken scheinen ihrer Linie der Ausweitung einer entgegenkommenden Geldpolitik treu zu bleiben, was die Inflationssorgen der Marktteilnehmer schürt. Wie positionieren Sie sich?

Fowler: Zunächst einmal sind wir nicht der Ansicht, dass die Zentralbankpolitik, die in ihrer jetzigen Form bereits seit der Finanzkrise besteht, tatsächlich inflationär ist. Damit es also zu einem deutlichen Inflationsanstieg kommt, müssen die Produktionslücken geschlossen werden und die Regierungen umfangreiche zusätzliche fiskalische Unterstützungsmaßnahmen ergreifen. Unseres Erachtens wird beides nicht eintreten. In Bezug auf Letzteres könnte es sogar zu einer restriktiveren Haltung kommen, da sich die Regierungen aus bestimmten Bereichen zurückziehen und sich die Lage im Privatsektor wieder solider gestaltet.

Gleichwohl haben wir in den USA eine „Long-Inflation“-Position aufgebaut und bevorzugen innerhalb unserer Portfolios einige Engagements, mit denen wir auf einen steileren Kurvenverlauf setzen. Grund ist der jüngste Kurswechsel einer Reihe von Zentralbanken. Viele haben zu verstehen gegeben, dass sie ein kurzfristiges Übersteigen des Inflationsziels tolerieren würden. Dies bedeutet, dass sie – anders als in der Vergangenheit – von einer Straffung der Geldpolitik absehen werden, sollten die Preise steigen. Somit besteht die Möglichkeit, dass die Inflationserwartungen deutlich stärker steigen werden als zuvor.