Energieeffizienz und BakterienNischenmärkte als Renditebringer

Der Klimawandel stellt die Welt vor eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Durch die Auswahl der richtigen Aktien können Investoren am Streben nach geringeren Emissionen mitverdienen. Welche Themenfelder jetzt spannend sind, erläutert Christian Rom, Portfoliomanager bei DNB Asset Management.

29.06.2021 - 17:00 Uhr29.06.21 17:00
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Naturstammhaus in Brandenburg
Naturstammhaus in Brandenburg: Im Bereich Energieeffizienz schlummert aus Sicht der Experten von DNB Asset Management noch viel Potenzial© IMAGO / Rainer Weisflog

Das Thema Klimaschutz hat in den vergangenen Jahren spürbar Fahrt aufgenommen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die weltweit führenden Volkswirtschaften sich zu strengeren Netto-Null-Zielen bekannt haben. Die EU will ihre Emissionen um 55 Prozent gegenüber dem Niveau des Jahres 1990 senken. Die USA haben unter der Biden-Administration ein milliardenschweres Investitionspaket für mehr Klimaschutz geschnürt und sind dem Pariser Klimaschutzabkommen wieder beigetreten. Und selbst China hat im vergangenen Jahr erklärt, seine CO2-Emissionen bis 2060 auf null zu senken.

Während die Politik ehrgeizige Pläne formuliert, steigt die globale Wirtschaft langsam aber sicher von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien um. „Dieser Übergang wird hohe Investitionen erfordern und Jahrzehnte benötigen. Er bietet auf der anderen Seite aber auch das Potenzial, Investoren viel Geld einzubringen“, ist Christian Rom, Portfoliomanager bei DNB Asset Management, überzeugt.

Aus seiner Sicht steht erneuerbaren Energien eine strahlende Zukunft bevor, wenngleich nicht alle Unternehmen des Sektors von diesem Trend gleichermaßen profitieren werden. Deshalb sei es bei der Auswahl der Aktien wichtig, die individuellen Risiken eines Unternehmens zu erkennen und vor allem in Aktiengesellschaften zu investieren, die zuverlässige Einnahmequellen, Wachstumspotenziale und eine attraktive Bewertung vereinen.

Alternative Energiequellen mit Kostenvorteilen

„Im Bereich der erneuerbaren Energien, dem Motor der Energiewende, ist seit längerem ein positiver Trend zu beobachten“, sagt Rom. „Die Subventionen und Investitionen der vergangenen zehn Jahre haben dazu geführt, dass die Kosten für Wind- und Solarkraft heute die Kosten für Öl und Gas in den meisten Märkten unterbieten können.“ Private Haushalte und Unternehmen können also bereits Geld mit einem Umstieg auf erneuerbare Energien sparen.

Bis 2050 sollen 80 Prozent des Strombedarfs mit erneuerbaren Energien und lediglich 20 Prozent mit fossilen Energieträgern abgedeckt werden – 2020 war dieses Verhältnis noch exakt umgekehrt. „Sinkende Kosten und zunehmender Wettbewerb dürften diesen Trend in den kommenden Jahren verstärken“, erklärt Rom. „Nicht zuletzt, weil mit der jüngeren Generation und den politischen Entscheidungsträgern wichtige Stakeholder nun in die gleiche Richtung gehen.“

Diese Entwicklung in Verbindung mit der Verringerung der Kosten für Speicher-Lösungen führt dazu, dass das Thema Elektrifizierung verstärkt in den Mittelpunkt rückt. Die fallenden Batteriepreisen lösen gerade im Transportsektor große Veränderungen aus. So war auf den wichtigsten europäischen Absatzmärkten im ersten Quartal 2021 schon jeder vierte neu zugelassene Pkw ein Stromer.

„Im Schwerlasttransport dürfte auch Wasserstoff zukünftig eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Rom. „Grüner Wasserstoff könnte auch in sensiblen Industriezweigen für eine Trendwende sorgen.“ Als grün wird Wasserstoff dann bezeichnet, wenn der für die Elektrolyse benötigte Strom ausschließlich mit regenerativen Energiequellen erzeugt wird.

Nischenmärkte werden unterschätzt – noch

„Energieeffizienz ist eine der vielleicht noch am meisten unterschätzten Möglichkeiten bei der Klimawende, auch wenn erste Anstrengungen heute bereits in der Baubranche, dem Transportwesen und bei industriellen Anwendungen zu sehen sind“, erklärt DNB-Analystin Laura McTavish. „Dabei ist die Einsparung einer Einheit Energie immer billiger als die Produktion einer Einheit Energie“, ergänzt Rom.

Zu den wichtigsten Aspekten zählen die Experten in diesem Zusammenhang auch die Ressourceneffizienz. Rund ein Kilogramm Abfall wird pro Person und Tag derzeit produziert, während die Recyclingquoten auf niedrigem Niveau verharren. Das soll sich mit strengeren Vorgaben ändern: Das neue Verpackungsgesetz in Deutschland sieht unter anderem vor, dass ab dem kommenden Jahr fast zwei Drittel aller Kunststoffverpackungsabfälle aus privaten Haushalten wiederverwertet werden müssen. Bis 2030 will die EU die Recyclingpflicht auf eine Quote von 70 Prozent erhöhen.

Ein interessantes Unternehmen ist aus Sicht der Portfoliomanager die dänische Biotechnologiefirma Christian Hansen. Der High-Tech-Anbieter konzentriert sich auf die Herstellung von Bakterien und Enzymen für die Nahrungsmittelindustrie, einem der größten CO2-Produzenten. Um die Nahrungsmittelkette nachhaltiger zu gestalten, ersetzt das Unternehmen Chemikalien, welche beispielsweise zur Nahrungsmittelkonservierung oder als Pestizide auf Feldern und in Obstgärten eingesetzt werden, durch Bakterien und Enzyme.