Nullzinsen Was sie der Wirtschaft wirklich bringen

Viele Zentralbanken versuchen, ihre Volkswirtschaften mit niedrigen Leitzinsen über Wasser zu halten. Doch was bringt das eigentlich? Bekannte Ökonomen äußerten jetzt gegenüber dem Nachrichtendienst Bloomberg, was sie von dieser Politik halten.

22.02.2016, aktualisiert 25.02.2016 - 11:4525.02.16 - 11:45
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Quelle: Bloomberg
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Die Entscheidung des Gouverneurs der japanischen Notenbank, Haruhiko Kuroda, die Banken bei gewissen Überschussreserven zur Kasse zu bitten, anderthalb Jahre nachdem sein Amtskollege Mario Draghi bei der Europäischen Zentralbank (EZB) einen ähnlichen Weg eingeschlagen hat, bedeutet, dass ein Viertel der Weltwirtschaft sich nun um Bereich unter Null befindet.

Jedoch sagten nur 27 Prozent der Teilnehmer an einer Bloomberg-Umfrage, dass negative Zinsen Kuroda bei seinem Ziel helfen werden, die schwache Inflation anzukurbeln. Und nur 42 Prozent waren der Meinung, dass die Politik im Euroraum erfolgreich ist. Zwar hat die Strategie gezeigt, dass sie die Währung abschwächen kann − ein Kanal für das Anschieben der Verbraucherpreise −, jedoch wird die Diskussion darüber, wie lange dies anhalten kann und welche unbeabsichtigte Folgen dies haben könnte, lauter geführt.

„Seitdem immer mehr Zentralbanken negative Zinsen anwenden, wird das Instrument weniger effektiv. All diese Währungen können nicht gleichzeitig abwerten. Das Ergebnis könnte eine exzessive Verwendung negativer Zinsen mit schädlichen Nebenwirkungen sein.“

Kristian Toedtmann, leitender Ökonom bei Deka Bank in Frankfurt

Schutz gegen Kapitalflüsse

Was 2012 als Konsequenz von Dänemarks Kampf zur Verteidigung der Wechselkursanbindung an den Euro startete, ist nun ein herkömmliches geldpolitisches Instrument geworden, das sogar von der US-Notenbank Federal Reserve erwogen wird. Die Umfrage unter 63 Volkswirten zeigt, dass zwar einige sagen, dass die Negativzinsen dazu beigetragen haben, schlimmere Konjunkturabschwächungen zu verhindern, die Strategie aber nur wirklich für kleine Volkswirtschaften angemessen ist, die sich gegen spekulative Kapitalflüsse schützen wollen.

Neunzig Prozent der Befragten sagten, dass die dänische Nationalbank auf dem richtigen Wege sei und 70 Prozent billigten die Nutzung der Maßnahme durch die Schweizerische Nationalbank. Beide schützen ihre Währungen. Dennoch scheint die Skepsis nicht die Währungshüter in Tokio, Frankfurt oder Stockholm abzuschrecken, weitere Senkungen zu signalisieren.