Klima-Anleihen Ökologische und soziale Ergebnisse messen und nachweisen

Der Markt für Klima-Bonds wächst. Mit ihnen können Investoren Bemühungen zur Abschwächung des Klimawandels unterstützen und die Widerstandsfähigkeit gegenüber seinen Auswirkungen erhöhen. Wie das funktioniert, erläutert Erika Wranegard, Portfoliomanagerin bei Lombard Odier Investment Managers.

13.10.2021 - 12:0013.10.21 - 11:52
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Korallen im nördlichen Roten Meer trotzen der Ozeanerwärmung
Korallen im nördlichen Roten Meer trotzen der Ozeanerwärmung: Das Green-Bond-Portfolio von Lombard Odier IM berücksichtigt unter anderem Meeresschutzprojekte© IMAGO / imagebroker

In den kommenden Jahren müssen die Investitionen in den Umweltschutz und die Anpassung an den Klimawandel aufgestockt werden. Es wird erwartet, dass der Investitionsbedarf allein im Energiesystem bis 2030 auf 5 Billionen US-Dollar pro Jahr steigen wird – gegenüber aktuell mehr als 2 Billionen US-Dollar. Zusätzliches Kapital wird in der Infrastruktur, naturbasierten Lösungen und der Kreislaufwirtschaft benötigt. Wie können Anleger an den sich daraus ergebenden Chancen teilhaben?

Hier kommen Klima-Bonds ins Spiel: Ein wachsender und zunehmend diversifizierter Markt könnte dazu beitragen, den Bedarf an Impact-Kapital zu decken. Ein Instrument, das entsprechende Anleihen berücksichtigt, ist die Global-Climate-Bond-Strategie (ISIN: LU1490631295), die im März 2017 im Rahmen einer strategischen Partnerschaft zwischen Lombard Odier Investment Managers (LOIM) und Affirmative Investment Management (AIM) aufgelegt wurde.

Wirkung ohne Kompromisse

Die Strategie zielt auf Mainstream-Renditen ab und hat zugleich eine ökologische und soziale Wirkung. Sie finanziert Projekte in Bereichen wie erneuerbare Energien, nachhaltiger Verkehr und Infrastruktur, die die Auswirkungen des Klimawandels verringern oder zur Anpassung an diese beitragen.

Das Portfolio ist auf die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) und das Pariser Abkommen abgestimmt. Wir sind der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, über die Ausrichtung hinauszugehen und ökologische und soziale Ergebnisse zu messen und nachzuweisen. Dies wird im Global Climate Bond Impact Report festgehalten.

Der jüngste Bericht zeigt detailliert, wie Investoren Bemühungen zur Abschwächung des Klimawandels und zur Förderung der Widerstandsfähigkeit gegenüber seinen Auswirkungen unterstützt haben. Im Jahr 2020 wurden im Rahmen der Strategie mehr als 2.300 Projekte und Initiativen unterstützt – fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

Infrastruktur, Energie und Wasser

Infrastruktur, Energie und Wasser gehören zu den wichtigsten Sektoren im Portfolio. Zu den Infrastrukturprojekten zählen saubere Verkehrsnetze, umweltfreundliche Gebäude sowie Informations- und Kommunikationstechnologie. Mit einem Anteil von 44 Prozent war der Gebäudesektor der größte Nutznießer innerhalb des Infrastruktursektors.

Zudem unterstützt das Portfolio 15 der 17 UN-SDGs, wobei der größte Anteil auf die Ziele erschwingliche und saubere Energie, nachhaltige Städte und Gemeinden sowie Klimaschutz entfiel. Auf den Klimaschutz ausgerichtete Aktivitäten machten 74 Prozent des Portfolios aus, während 15 Prozent für Projekte zur Anpassung an den Klimawandel bereitgestellt wurden.

Im Jahr 2020 waren die drei wichtigsten Sektoren, denen die Erlöse aus Impact Bonds zugewiesen wurden, umweltorientiert.

Quelle: AIM Impact Report 2020, nur zur Veranschaulichung

Qualität und Quantität

Obgleich quantitative Messungen der Auswirkungen wichtig sind, können nicht alle Effekte anhand von Zahlen überprüft werden. Qualitative Beobachtungen der erzielten Wirkungen ergänzen die harten Daten.

Ein Beispiel: Burkina Faso, ein Binnenstaat in Westafrika, hat eine der niedrigsten Elektrifizierungsraten und gleichzeitig die höchsten Stromkosten innerhalb der Region. Um das Land dabei zu unterstützen, die Elektrifizierung durch Solarenergie voranzutreiben, stellt die FMO, eine niederländische Entwicklungsbank, ein Darlehen zur Finanzierung der Entwicklung und des Baus des Solarprojekts Kodeni bereit.

Das Solarkraftwerk wird voraussichtlich eine jährliche Energieerzeugungskapazität von 67,2 GWh haben. Das steht im Einklang mit den SDGs 7 und 8 – erschwingliche und saubere Energie sowie Klimaschutz – und könnte dazu beitragen, das Ziel der Regierung zu erreichen, die Elektrifizierungsrate des Landes auf 80 Prozent zu erhöhen.

Projekte wie diese sind wichtig, denn der rasche Ausbau der Kapazitäten für erneuerbare Energien ist unabdingbar, um den wachsenden Bedarf der Welt zu decken und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen zu verringern. Mangelnder Zugang zu Elektrizität beeinträchtigt auch die wirtschaftliche Entwicklung und wirkt sich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen aus. Daher sind Investitionen in erneuerbare Energien von größter Bedeutung.

In ähnlicher Weise trägt das Projekt „Hydrogen Breakthrough Ironmaking Technology“ des Energieversorgers Vattenfall in Schweden dazu bei, die Produktion des weltweit ersten Stahls ohne fossile Brennstoffe bis 2026 zu finanzieren, der mit grünem Wasserstoff hergestellt wird und praktisch keinen Kohlenstoff-Fußabdruck aufweist. Stahl ist derzeit für 7 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, und eine erfolgreiche Einführung des Projekts könnte zu einer Verringerung der Kohlendioxidemissionen in Schweden um 10 Prozent führen.