Ölindustrie Der wohl teuerste Stau der Welt

Verkehrschaos im indischen Ozean: 125 Ölfrachter tummeln sich aktuell zwischen dem Persischen Golf und China. Die Häfen kommen mit dem Be- und Entladen der Ozeanriesen nicht mehr nach, es bilden sich große Staus. Was das kostet? Eine ganze Menge.

25.04.2016 - 17:2525.04.16 - 18:15
|
Von: 
|
|

Auf den wichtigsten Seehandelsrouten zwischen dem Mittleren Osten und Asien stauen sich Supertanker mit geschätzten 200 Millionen Barrel Öl an Bord. Würde man alle sich in Wartestellung befindlichen Tanker aufreihen, wäre der Stau fast 40km lang. Es handelt sich um „einen der schlimmsten Tankerstaus der letzten Jahre“, so Ralph Leszczynski, leitender Analyst beim Schiffsmakler Banchero Costa in Singapur.

Grund für das Verkehrschaos im Indischen Ozean ist die Kombination aus einem Überangebot an Öl und dem niedrigen Ölpreis. In den irakischen Häfen staut sich das bereits geförderte Öl, während den chinesischen Häfen die Infrastruktur fehlt, den sprunghaften Anstieg der Rohölimporte zu bewältigen. Denn die unabhängigen chinesischen Raffinerien wurden erst im Vorjahr von staatlichen Importbeschränkungen befreit.

6,25 Millionen Dollar extra – pro Tag

Die größten Staus haben sich vor dem irakischen Hafen Basra, Singapur und den chinesischen Häfen Qingdao und Ningbo gebildet, wie diese von Reuters erstellte Grafik zeigt. Obwohl die Irakis die Exportmenge gedrosselt haben, warten aktuell immer noch 19 sogenannte Very Large Crude Carriers (VLCC) auf Beladung in Basra. Anfang April stauten sich hier noch 30 der Supertanker. Vor Singapur, der Tankstelle der Supertanker, haben derzeit sogar 50 Frachter Anker geworfen.

Die Ozeanriesen müssen derzeit drei bis vier Wochen Wartezeit vor den Häfen in Kauf nehmen. Dadurch steigen die Kosten für Ölimporteure signifikant – laut Reuters kostet der Stau die Industrie täglich 6,25 Millionen US-Dollar. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sind, bis dieser Mehraufwand auf den Endverbraucher umgelegt wird.