Paolo Zagaria, Leiter Rohstofflösungen bei Swisscanto Invest US-Produktion könnte Ölpreise wieder unter Druck setzen

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Rohstoffe haben turbulente Zeiten hinter sich. Vor allem die Ölpreise haben Anlegern einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Davon sollten sie sich jedoch nicht abschrecken lassen. Denn: Die Nachfrage steigt und das Angebot sinkt – wichtige Voraussetzungen für ein beträchtliches Aufwärtspotenzial.

28.03.2017, aktualisiert 30.03.2017 - 12:4530.03.17 - 12:45
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Ölplattform in Boston, USA: Swisscanto Invest rechnet damit, dass die Nachfrage nach Öl das Angebot übersteigen wird
Ölplattform in Boston, USA: Swisscanto Invest rechnet damit, dass die Nachfrage nach Öl das Angebot übersteigen wird© Getty Images

Wir von Swisscanto Invest denken, dass Rohstoffe ihren zyklischen Boden vergangenes Jahr erreicht haben – in den nächsten ein bis zwei Jahren können Anleger in der Asset-Klasse mit einstelligen Renditen rechnen. Der Grund sind Verschiebungen auf der Angebots- und Nachfrageseite. Drei Faktoren sprechen aktuell für steigende Rohstoffpreise:

1. Weniger Angebot

In den Rohstoffmärkten wird das Gleichgewicht über Anpassungen auf der Angebotsseite hergestellt. Nach dem Absturz der Preise in den letzten Jahren begannen Investitionsanpassungen nach unten. Angebotskürzungen gab es sowohl bei Industriemetallen als auch beim Rohöl. Und dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen: Die niedrigen Preise dürften Produzenten zwingen, ihre Fördermengen weiter zu verringern.

2. Mehr Nachfrage

Die Aussichten für die globale Konjunktur haben sich in den letzten Monaten verbessert, das Wachstum scheint sich zu beschleunigen. Möglicherweise bewegen wir uns im Konjunkturzyklus auf eine Expansionsphase zu. Die Zeichen dafür sind nicht zu übersehen: Angekündigte Fiskalprogramme in den USA, Japan, oder Großbritannien beflügeln die Wachstumsprognosen und die Inflation steigt.

3. Günstige Bewertungen

Viele Rohstoffe werden nach der mehrjährigen Korrekturphase weiterhin zu Preisen unter den Grenzkosten ihrer Produktion angeboten und sind damit günstig. Durch die Kürzungen im Zuge der Förderkürzungen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) dürfte sich das Angebot so weit verringern, dass sich die Rohstoffpreise auf das Niveau der Grenzkosten der Produktion erholen.

Öl mittelfristig interessant

Grundsätzlich gilt: Interessant sind jene Rohstoffe, deren Marktpreise deutlich unterhalb der marginalen Produktionskosten liegen. Mittelfristig sollten sich die Preise an die marginalen Kosten annähern, weil Erzeuger die Förderung weiter zurückfahren und so dem Markt zu einem neuen Gleichgewicht verhelfen.

Einen solchen Prozess haben die Produktionsbeschränkungen der Opec in Gang gesetzt. Zwar spiegeln sich die Angebotskürzungen noch nicht in den offiziellen Lagerdaten – viele Opec-Länder haben ihre Produktion im letzten Quartal 2016 auf hohem Niveau gehalten und auch der Lagerabbau findet zuerst in den nicht-offiziellen Lagern auf Öltankern statt, was eine Schätzung des absoluten Volumens der Bestände erschwert. Doch die Angebotskürzungen der Opec werden in den nächsten Wochen schrittweise ihre Wirkung zeigen und dazu führen, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt.