Paul Singer zu ETFs „Plage für die Marktwirtschaft“

US-Milliardär Paul Singer warnt vor den Folgen passiver Investments. Zugleich gibt er seine Einschätzungen zu unterschiedlichen Marktfragen preis.

04.08.2017 - 11:3504.08.17 - 12:02
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Paul Singer auf einer Podiumsdiskussion: Streitbarer Verfechter demokratischer Institutionen
Paul Singer auf einer Podiumsdiskussion: Streitbarer Verfechter demokratischer Institutionen © Getty Images

„Passives Investieren droht den Kapitalismus in tausend Stücke zu zerreißen“, zitiert Bloomberg aus Singers aktuellem vierteljährlichen Anschreiben an die Kunden seiner Investmentgesellschaft Elliott Management. „Was zu Anfang eine gute Idee war, hat sich zu einer Plage entwickelt, die der Wachstum schaffenden und konsensbildenden freien Marktwirtschaft zuwiderläuft.“

Rund 500 Milliarden US-Dollar sind im ersten Halbjahr 2017 von aktiven in passive Fondsanlagen umgeschichtet worden. Der Gründer von Elliott Management argumentiert, dass passive Anleger nicht im eigentlichen Sinne investieren: ETF-Besitzer haben keine Veranlassung auf Firmen direkt Einfluss zu nehmen, um sie dazu zu bringen, den Shareholder Value zu erhöhen. Die „augenscheinliche Stabilität“ von ETF-Investments sei „nicht nachhaltig und außerordentlich zerbrechlich“, so Singer, dessen Fondsgesellschaft 33 Milliarden US-Dollar (27,8 Milliarden Euro) verwaltet.

Bloomberg hat weitere Highlights aus dem Investoren-Brief aufgelistet:

  • Singer kann keine angespannte Lage auf dem US-Arbeitsmarkt sehen: „Ein ganz klares Nein hierzu“, schreibt Singer. Auf längere Zeiträume ausgelegte staatliche Unterstützungsmaßnahmen würden Arbeitslose von der Arbeitsaufnahme abhalten und sie dazu bringen noch nicht einmal nach einem neuen Job zu suchen. Oft würden diese Menschen aus der Arbeitslosenstatistik herausfallen. Zugleich würden sich die staatlichen Behörden mit Trainingsmaßnahmen für Arbeitslose schwer tun. „Die schwache Lohnentwicklung beweist, dass der US-Arbeitsmarkt schlapper ist als man denkt.“
  • Zu Chinas Schuldenberg: Sollte es aufgrund der exorbitant hohen Verschuldung von Privatwirtschaft und Staat in China zu einer Finanzkrise kommen, „wird eine gewaltige Flut von Kapital wie ein Tsunami durch die Weltwirtschaft und durch das Finanzsystem rollen“, mutmaßt Singer. Selbst wenn es der Regierung in Peking gelänge, Kapitalkontrollen einzuführen, würde China im Fall einer Krise mit einem Schlag als Nachfrager an den globalen Märkten ausfallen.
  • Heftige Kritik übt Singer auch an der Politik der zentralen Notenbanken: Sie würden auf jeden kleinen Schluckauf der globalen Aktienmärkte mit beruhigenden Worten und der Versicherung reagieren, jederzeit „nach Bedarf“ mit Maßnahmen bereit zu stehen.

Singers privates Vermögen wird auf 2,2 Milliarden US-Dollar (1,85 Milliarden Euro) geschätzt. In der „Forbes 400“-Liste der reichsten US-Amerikaner besetzt er aktuell Platz 321.