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Alexander Tavernaro, Portfoliomanager bei Invesco, ist mit seiner Long/Short-Strategie gut durch die Brexit-Turbulenzen gekommen.

Portfolio-Manager Alexander Tavernaro (Invesco) im Interview „Der Brexit hat uns überrascht – aber nicht belastet“

Klassische Korrelationen greifen nicht mehr und öffnen das Feld für neue Mischfonds-Konzepte. Alexander Tavernaro, Portfoliomanager bei Invesco, setzt beispielsweise auf eine marktneutrale Long/Short-Strategie. Warum ihm so der Brexit nichts anhaben konnte, erklärt er im Gespräch

04.07.2016 - 15:59 Uhr | Von:  in Aktien

der fonds: Herr Tavernaro, hat Sie der Brexit persönlich überrascht?

Alexander Tavernaro: Ja, wir waren alle sehr überrascht. Im Vorfeld der Abstimmung haben wir uns beispielsweise die Quoten in den Wettbüros angesehen. Dort sah es bis zum Tag der Abstimmung so aus, als gäbe es eine große Zuversicht für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union. Auch Kollegen, die am Finanzplatz London aktiv sind, haben an einen Verbleib Großbritanniens in der EU geglaubt. Umso überraschter waren wir, als wir am frühen Freitagmorgen die Nachrichten gehört haben.

Die Märkte waren offensichtlich auch überrascht. Hatte das Votum Auswirkungen auf ihr Portfolio?

Tavernaro: Nein, wir mussten keine Anpassungen vornehmen, denn wir managen ein marktneutrales Portfolio. Wir verfügen also auf der Long-Seite über die prozentual gleiche Gewichtung in britischen Aktien wie auf der Short-Seite. Solche Effekte (hier: der Brexit, a.d.R.) wirken sich in der Regel nicht auf unser Portfolio aus.

In Vorträgen sprechen Sie derzeit unter anderem über Diversifikation in Mischfondportfolios. Wie ist das heute in Zeiten von Niedrigzinsen und kaum noch vorhandenen Korrelationen noch möglich?

Tavernaro: Mit unserem marktneutralen Aktienfonds bauen wir einerseits ein Portfolio aus Aktien, die unser Modell als „kaufenswert“ empfohlen hat. Dagegen stellen wir ein Portfolio aus unattraktiv eingeschätzten Aktien, welches aber die gleichen Charakteristika aufweist, wie das Long-Portfolio. Das heißt, wir haben auf der Long- wie auf der Short-Seite ein exakt gleiches Länder-, Sektor- oder Industrie-Exposure. Auch die Kapitalisierung der Unternehmen auf der Long-Seite gleichen denen auf der Short-Seite. So machen wir uns im Endeffekt von den Marktbewegungen der großen Assetklassen Aktien und Anleihen unabhängig.

Das sind also die Korrelationen, die Sie im Endeffekt herstellen.

Tavernaro: Exakt. Letztlich ist die Aufgabe, ein perfekt mit dem Long-Portfolio korreliertes Short-Portfolio herzustellen.