Stolls Fondsecke Private Equity für kleines Geld

Private Unternehmensbeteiligungen? Das ist doch nur etwas für Millionäre! Dieses gängige Vorurteil ist falsch: Dank entsprechender Fondslösungen geht‘s auch mit kleineren Beträgen. Unser Gastautor Sven Stoll hat sich einmal am Markt umgeschaut.

02.07.2021, aktualisiert 26.07.2021 - 18:0126.07.21 - 18:01
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Axel-Springer-Verlagshaus in Berlin
Axel-Springer-Verlagshaus in Berlin: Im vergangenen Jahr übernahm die Beteiligungsgesellschaft KKR die Mehrheit an dem Medienkonzern © IMAGO / Jürgen Ritter

Ein gut ausbalanciertes Depot besteht nicht nur aus Aktien und Anleihen. Rohstoffe, Edelmetalle, Immobilien oder alternative Anlageklassen können es sowohl stabilisieren als auch der Performance Flügel verleihen. Private Equity ist eine Anlageklasse, auf die zweifellos letzteres zutrifft. Per Definition bedeutet Private Equity (PE) außerbörsliches Eigenkapital oder privates Beteiligungskapital. Das heißt: Ein Investor oder Unternehmer erwirbt direkt Unternehmenskapital – ohne „Umweg“ über den Kapitalmarkt. Für dieses Vorgehen bekannt ist beispielsweise Berkshire Hathaway, die Holding von Investorenlegende Warren Buffett. Der damalige Arbeitsminister Franz Müntefering nannte Finanzinvestoren, die Unternehmen kaufen, umstrukturieren und mit Gewinn verkaufen, im Jahr 2005 Heuschrecken. Gab es für diesen Satz damals viel Zustimmung, so ist die Kritik an PE-Investoren heute weitgehend verstummt. Denn die Jahre haben gezeigt, dass Private-Equity-Manager zahlreiche Unternehmen gerettet und wieder flott gemacht haben.

Private Equity ist insbesondere für Start-ups interessant: Es ermöglicht ihnen ein rasches Wachstum, da sie schnell frisches Kapital bekommen und keinen Bankkredit benötigen. Auch angeschlagene, kaum noch kreditwürdige Unternehmen können auf diese Weise eine Finanzspritze erhalten und saniert werden. Für den Investor kann das mit hohen Renditen verbunden sein – demgegenüber stehen aber auch die entsprechenden Risiken. Gleichzeitig sind die Eintrittsbarrieren sehr hoch. Angebote in Form von Private-Equity-Dachfonds oder geschlossenen Fonds sind oft erst ab 200.000 Euro zugänglich und richten sich damit eher an überdurchschnittlich vermögende Privatanleger beziehungsweise institutionelle Investoren mit zumeist siebenstelligem Kapital.

Private-Equity-Publikumsfonds als Anlagemöglichkeit

Aber auch für den „normalen“ Fondsanleger, der sich nicht mit Riesensummen an außerbörslichen Aktienplatzierungen oder Wagniskapitalgesellschaften beteiligen kann, gibt es Investitionsmöglichkeiten im Private-Equity-Bereich – und zwar in Form handelsüblicher Ucits-Fonds. Mit dem DNB Private Equity (ISIN: LU0302296065) oder dem SEB Listed Private Equity (ISIN: LU0385668222) haben zwei nordische Fondsgesellschaften entsprechende Produkte im Angebot. Via ETF ist die Investition mit dem iShares Listed Private Equity UCITS ETF (ISIN: IE00B1TXHL60) möglich. Das Instrument bündelt insgesamt 73 Unternehmen der Branche. Bekannte Namen sind Partners Group, Blackstone, Brookfield oder KKR.

Die beste Performance in der vergangenen Dekade erzielte jedoch die Schweizer Partners Group mit dem Partners Group Listed Invest.-Listed Priv. Eqty (ISIN: LU0196152788). Der im September 2004 aufgelegte Fonds mit Fokus auf Beteiligungskapital erzielte in den vergangenen zehn Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von 15 Prozent und übertrifft damit den globalen Aktienmarkt. Insgesamt erzielen Beteiligungsgesellschaften die besten Renditen in der Regel nach Krisen. So gehört der Sektor auch im laufenden Jahr nach der Corona-Krise zu den performancestärksten Assetklassen mit einem Plus von rund 30 Prozent seit Jahresbeginn.

Partners Group mit thematischen Investmentansatz

Das Private-Equity-Team der Partners Group ist in folgende Branchen untergliedert: Waren und Erzeugnisse, Leben und Gesundheit, Dienstleistungen und Technologie. Mit diesem thematischen Investitionsansatz arbeitet das globale Expertenteam daran, die attraktivsten Trends in allen Branchen und Regionen zu identifizieren und in die Unternehmen mit dem größten Potenzial zu investieren, um davon zu profitieren. Unter den rund 25 Positionen sind die US-amerikanischen Finanzdienstleister KKR und Blackstone am stärksten gewichtet. Aus Europa stammt Amplifon. Das italienische Handelsunternehmen für Hörgeräte verfügt insgesamt über rund 11.000 Verkaufspunkte in 28 Ländern. Seit Sommer 2015 hat Amplifon in Deutschland etliche Fachgeschäfte übernommen. Hoch gewichtet ist auch die 3i Group. Die Gruppe entstand 1946 als Arbeitsgemeinschaft britischer Banken, um den Wiederaufbau der britischen Wirtschaft zu unterstützen, und gilt somit als der älteste noch aktive britische Finanzinvestor.

Mein Fazit: Wer an der positiven Wertentwicklung der privaten Beteiligungsbranche teilhaben will und dabei Wert auf eine fundierte Auswahl von weltweit notierten Beteiligungsgesellschaften und Finanzdienstleistern legt, ist mit dem Fonds bestens bedient. Die seit Jahren erzielte Outperformance im Vergleich zum globalen Aktienmarkt ist ein ebenso überzeugendes Argument wie die langfristig überdurchschnittlichen Renditechancen von Unternehmen, deren Aktien noch nicht an einer Börse gehandelt werden – die aber durch ihr besonderes Geschäftsmodell überzeugen.

Über den Autor: Sven Stoll beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit Investmentfonds und betreibt auf Facebook den Blog World of Investmentfonds.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.