Puerto RicoDen Verlockungen der Bonds erlegen

Das US-Steuerrecht hat viel Geld in von Puerto Rico begebene Bonds geleitet. Die Insel hat jüngst Gläubigerschutz beantragt, weil die Schulden nicht zurückgezahlt werden können. Die verbleibenden 3,4 Millionen Einwohner trösten sich – alles ist neu.

19.05.2017 - 10:27 Uhr19.05.17 10:27
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Parlament von Puerto Rico: Die Aufforderungen von Regierungschef ‎Ricky Rosselló an die Bevölkerung den Gürtel enger zu schnallen haben nichts genützt - das Land ist pleite
Parlament von Puerto Rico: Die Aufforderungen von Regierungschef ‎Ricky Rosselló an die Bevölkerung den Gürtel enger zu schnallen haben nichts genützt - das Land ist pleite© Getty Images

Puerto Rico ist das größte und einwohnerreichste der Außengebiete der USA. Staatsoberhaupt der 3,4 Millionen Einwohner ist Donald Trump. Währung ist der US-Dollar.

Die Arbeitslosenquote beträgt 11,5 Prozent. Die Hälfte der Puertoricaner lebt in Armut. Von 2010 bis 2016 ist die zumeist spanischsprachige Bevölkerung um 7 Prozent geschrumpft. Vor allem junge Menschen haben die Insel verlassen und sind in die USA ausgewandert: Seit 1917 besitzen alle Puertoricaner die amerikanische Staatbürgerschaft. Auslöser der ungebremsten Absetzbewegung in den Norden  ist die US-Finanzkrise, die für schwere wirtschaftliche Verwerfungen auf der Insel gesorgt und vor allem dem Tourismusgeschäft zugesetzt hat.

Vor diesem Hintergrund richtete im Anschluss an ein Referendum die puertoricanische Regierung im Dezember 2012 ein Gesuch an die zuständigen US-Instanzen, Puerto Rico zum 51. Bundesstaat der USA zu ernennen.

Seit 3. Mai unter Gläubigerschutz

Zuvor lief es: Die Verkehrsinfrastruktur der Hauptstadt San Juan wurde mit einem nigelnagelneuen klimatisierten Nahverkehrszug komplettiert – ein Vorzeigeprojekt, von dem viele US-Großstädte nur träumen können.

Doch mehr als ein Jahrzehnt später ist der Tren Urbano ein Paradebeispiel für Übermut, Unverhältnismäßigkeit und Missbrauch – was Puerto Rico die Pleite brachte, wie Bloomberg berichtet. Für die Fahrstrecke können nur ein Drittel der Tickets verkauft werden, die für die Bedienung der Schulden und den Erhalt der Anlagen notwendig sind. Jedes Jahr summieren sich die Verluste auf rund 50 Millionen US-Dollar. Bislang belaufen sich die Kosten auf 2,25 Milliarden US-Dollar, 1 Milliarde US-Dollar mehr als geplant, rechnet Bloomberg vor.

Wie konnte es dazu kommen? Mit Hilfe der Wall Street hatte sich das US-Sondergebiet in der Karibik über Jahre hinweg zweistellige Milliardenbeträge an den Anleihemärkten geliehen. Vieles davon wurde in übergroße Projekte investiert, die Schulden wuchsen immer weiter an.