Regionale Sorgen, globale Effekte Ist Chinas Krise wirklich unser Problem?

Etliche Experten warnen vor Chinas Wachstumsschwäche – und den dramatischen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Wie stark es einzelne Länder und Branchen trifft, bleibt aber umstritten

08.02.2016, aktualisiert 09.02.2016 - 16:2109.02.16 - 16:21
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Die Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums kommt wenig überraschend; schon seit geraumer Zeit spielen Volkswirte durch, wie der notwendige Anpassungsprozess der Wirtschaft im Reich der Mitte von der Werkbank der Welt zu einer Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft verlaufen könnte. Und doch sorgen erst jetzt die möglichen Folgen für die globale Wirtschaftslage für jede Menge Nervosität.

Doch was bedeutet der Wachstumsrückgang tatsächlich? Klar ist, dass insbesondere Schwellenländer getroffen werden. Abseits vom Druck auf ihre Währungen, der zumindest teilweise auf Chinas Abwertungstendenzen und einen deutlich gesunkenen Risikoappetit zurückzuführen ist, leiden sie auch unter den realwirtschaftlichen Effekten der chinesischen Verlangsamung.

„Schwellenländer sind Satelliten von China. Die Länder in Nordost-Asien sind die Subunternehmer Chinas und jene in Lateinamerika die Rohstoff-Lieferanten. Beide Regionen leiden unter der Schwäche Chinas.“

Felix Zulauf, Schweizer Vermögensverwalter im Investoren-Roundtable der Zeitschrift „Barron’s“

Nachfragelücke bedroht Nachbarstaaten

Nachbarn wie Thailand und Südkorea, weil sie weniger Vorprodukte wie etwa Halbleiter verkaufen können. Die Länder Südamerikas und Afrikas, weil sie weit weniger für ihre Rohstoffe bekommen. Schließlich konsumiert China mehr als die Hälfte des nachgefragten Aluminiums, rund 50 Prozent sind es bei Nickel und Kupfer und 45 Prozent bei Stahl.

Auch für Kohle und Eisenerz ist China bedeutendster Nachfrager. Und während umstritten ist, inwieweit der mutmaßliche chinesische Nachfragerückgang für den Preisverfall am Ölmarkt verantwortlich gemacht werden kann – Angebotsfaktoren dürften hier eine mindestens ebenso wichtige Rolle spielen –, gilt der Effekt auf die Märkte für andere Rohstoffe und den entsprechenden Preisrückgang als ausgemacht.