Stolls Fondsecke Rendite mit Rohstoffen für die Energiewende

Der Markt für Elektrofahrzeuge wächst rasant – und damit auch die Nachfrage nach Elementen wie Lithium, Nickel und Kupfer. Unser Gastautor Sven Stoll stellt einen Fonds vor, der gezielt in Unternehmen aus dem Bereich „Zukunftsrohstoffe“ investiert.

24.09.2021 - 14:0024.09.21 - 13:02
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Salar de Uyuni in Bolivien, der größte Salzsee der Welt
Salar de Uyuni in Bolivien, der größte Salzsee der Welt: In den bolivianischen Anden werden die weltweit größten Lithiumvorkommen vermutet© IMAGO / imagebroker

Die Zeit des Verbrenners neigt sich dem Ende entgegen. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, haben viele Staaten ein verbindliches Enddatum für den Verkauf neuer Benziner und Diesel festgelegt – die EU-Kommission beispielsweise peilt das Jahr 2035 an. Viele große Automobilhersteller kommen der Politik sogar zuvor und haben noch frühere Ausstiegsziele verkündet. Darunter sind zum Beispiel der US-Konzern General Motors sowie Mercedes-Benz: Die Stuttgarter möchten auf dem Heimatmarkt schon 2030 nur noch Elektroautos anbieten.

Bedarf an Lithium dürfte massiv steigen

Der Trend zur Elektromobilität scheint unumkehrbar. Um das Marktwachstum zu ermöglichen, sind Rohstoffe wie Kobalt, Nickel und vor allem Lithium unabdingbar. Das Element mit seinen hervorragenden Leitfähigkeiten wird auch als weißes Gold bezeichnet und für eine ganze Reihe von Schlüsseltechnologien benötigt. Lithium-Ionen-Akkus finden sich in Smartphones, Laptops oder Smartwatches, aber auch in E-Bikes oder eben Elektroautos. Der Bedarf wird durch die Elektrifizierung der Mobilität massiv steigen. Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien bis 2030 von heute jährlich 200 Gigawattstunden (GWh) auf mehr als 2.000 GWh steigen wird.

Ob es der Industrie überhaupt gelingt, die erforderlichen Kapazitäten für die Lithiumgewinnung so schnell und massiv auszubauen, ist fraglich. Denn der Abbau ist aufwändig: Der seltene Rohstoff befindet sich in nur sehr geringen Mengen in Laugen oder im Gestein und für die Förderung wird extrem viel Energie benötigt.

Fonds mit Fokus auf speziellen Rohstoffen

Dass der Bedarf an für die Energiewende nötigen Rohstoffen rasant steigen wird, hat Tobias Tretter frühzeitig erkannt. Der von ihm verwaltete Structured Solutions - Next Generation Resources Fund (LU0470205575) wurde bereits 2010 als erster Lithium-Indexfonds gestartet. Im Jahr 2017 hat die Commodity Capital AG das Anlagespektrum erweitert: Das Fondsmanagement investiert seither auch in Produzenten anderer Metalle, die für die Energiewende eine wichtige Rolle spielen – unter anderem Kupfer. Ergänzt wird das Portfolio mit Gold- und Silberförderern, aber auch Batterieproduzenten.

Die Hälfte des Fondsvolumens investiert Tretter aktuell in Lithium-Unternehmen. Hoch gewichtet ist der australische Bergbaukonzern Orocobre mit 6,13 Prozent. Dessen Hauptabbaugebiet ist der Salzsee Salar Olaroz in Argentinien, nahe der Grenze zu Chile. Erschlossen werden sollen vor allem Vorkommen an Lithium und Kalisalz. Weitere Key-Holdings sind die Livent Corporation (5,30 Prozent), die Albemarle Corporation (3,63 Prozent) oder die Varta AG mit Sitz im Baden-Württembergischen Ellwangen. Letztere produziert und vermarktet Batterien – von Mikrobatterien, Haushaltsbatterien und Energiespeichersystemen bis hin zu kundenspezifischen Batterielösungen für eine Vielzahl von Anwendungen. Als Technologieführer setzt das Unternehmen in wichtigen Bereichen der Branche Standards.

Plus 143 Prozent in fünf Jahren

Mit seinem Fokus auf „Zukunftsrohstoffe“ hat sich der 131 Millionen Euro schwere Fonds sehr positiv entwickelt: Seit Jahresbeginn gewann er rund 52 Prozent an Wert. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt das Plus bei rund 118 Prozent und in den vergangenen fünf Jahren bei etwa 143 Prozent (19,4 Prozent p.a.). Trotz der aktuellen Rally bleibt Fondsmanager Tobias Tretter hinsichtlich der künftigen Entwicklung optimistisch: „Der Sektor an sich ist ungeachtet der Sommerpause weiterhin im Aufbruch und die Anzahl an Investoren, die sich mit dem Thema beschäftigen, steigt kontinuierlich. Wir sehen die Elektromobilität weiterhin als das Thema dieser Dekade an und die bisherigen Entwicklungen lediglich als den Beginn einer massiven Trendwende. Neue Projekte, die die exponentiell ansteigende Nachfrage bedienen könnten, sehen wir allerdings kaum und es ist erstaunlich, wie wenig neue Unternehmen den Sprung an die Börse wagen. Wir sehen kurz- und mittelfristig weiter steigende Lithiumpreise und erwarten weiterhin Übernahmen. Wir stehen am Anfang einer exponentiell steigenden Absatzkurve für die Elektromobilität und sehen weder die Rohstoffproduzenten noch die Automobilhersteller oder die Investoren darauf vorbereitet.“

Berücksichtigung von ESG-Kriterien

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei dem Fonds, der in durchaus umstrittenen Branchen unterwegs ist? Commodity-Capital-Mitbegründerin Dana Kallasch sagte dazu im Interview mit Focus-Money: „Von den drei ESG-Kriterien Umweltschutz, soziale Standards und gute Unternehmensführung hat für uns der letzte Punkt die größte Bedeutung. Da die Menschen bestimmte Rohstoffe benötigen, ist es besser, sie im Einklang mit der lokalen Bevölkerung und so umweltschonend wie möglich abzubauen. Wir investieren nicht in Unternehmen mit Kinderarbeit. Wir wählen Betreiber aus, die lokale Kräfte einstellen, für deren Arbeitsschutz sorgen und sich etwa für die Bildung der Bevölkerung und den Ausbau der Infrastruktur einsetzen.“

Fazit: Schwankungsanfällige Beimischung

Der Fokus auf für die Energiewende wichtige Rohstoffe, ein konsequenter Nachhaltigkeitsfilter und Projektbeurteilungen vor Ort machen den Fonds aus meiner Sicht zu einem sehr chancenreichen, aber auch extrem schwankungsanfälligen Unikat in der Fondslandschaft. Anleger sollten ihn lediglich als Beimischung in Betracht ziehen. Heftige Korrekturphasen wie 2013 (-37 Prozent) oder 2018 (-52 Prozent) sind durchaus möglich. Das größte Risiko für den Fonds könnte aber darin bestehen, dass irgendwann eine massentaugliche Batterietechnologie zu Marktreife gelangt, die ohne Lithium auskommt. Aktuell sind Natrium-Ionen-Akkus in der Entwicklung. Die Technologie hinkt der Lithium-Variante aktuell aber noch etwa 20 Jahre hinterher.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen. Stand aller Daten: 24. September 2021.