Potenzial von Anleihen„Anleger sollten die USA unter die Lupe nehmen“

In Phasen wirtschaftlichen Aufschwungs neigen viele Unternehmen dazu, Anleihen en masse auf die Märkte zu werfen. Ob die Papiere rentabel sind, hängt davon ab, in welcher Phase des Kreditzyklus sich die emittierende Firma befindet. Tom Ross, Portfoliomanager bei Henderson Global Investors, beleuchtet im aktuellen Kommentar die Lage in Europa und den USA.

29.03.2016 - 18:01 Uhr29.03.16 18:01
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Tom Ross, Portfoliomanager bei Henderson Global Investors
Tom Ross, Portfoliomanager bei Henderson Global Investors© Henderson Global Investors

Um die Attraktivität einer Anleihe richtig beurteilen zu können, ist es wichtig zu wissen, an welchem Punkt des Kreditzyklus sich ein Unternehmen befindet. Viele Unternehmen neigen in wirtschaftlichen Aufschwungphasen zu übertriebenem Ehrgeiz. Der findet seinen Ausdruck nicht selten in Kreditaufnahmen zur Finanzierung weiteren Wachstums oder zur schnellen Belohnung der Aktionäre, bevor die Wirtschaft wieder den Rückwärtsgang einlegt.

Die Schuld ist aber auch bei den Kapitalgebern der Unternehmen zu suchen, bei denen sich nach einer langen Phase mit niedrigen Zahlungsausfällen häufig eine gewisse Unbekümmertheit breitmacht. Auf der Suche nach attraktiver Rendite sind Anleger nur zu bereit, auch Emittenten ihr Geld zu geben, die die Bedingungen ihrer Anleihen zum Nachteil ihrer Gläubiger deutlich gelockert haben. Die weniger strikten Kreditstandards rächen sich spätestens dann, wenn der Abschwung kommt.

Unternehmen setzen Anleihen-Erlöse für Refinanzierungen ein

Der Löwenanteil der Erlöse aus Hochzinsanleihen dient nach wie vor der Refinanzierung. Das ist beruhigend, nutzen doch die meisten Unternehmen die niedrigen Zinsen, um teurere Kredite abzulösen. Auch das Interesse an fremdfinanzierten Übernahmen, sogenannten Leveraged Buyouts, scheint gering, denn offenbar sind Anleger vorsichtig gegenüber Transaktionen, die allein mit Fremdmitteln finanziert werden sollen. Ganz im Gegensatz zur Zeit vor der Finanzkrise, als die rasante Ausweitung der LBO-Transaktionen einer der wesentlichen Gründe für das erhöhte systemische Risiko war.

Festzustellen ist jedoch ein Anstieg der Kreditaufnahme zur Finanzierung von Akquisitionen. Das ist typisch für spätzyklische Phasen, in denen die Vorstände Transaktionen dieser Art tendenziell aufgeschlossener gegenüber stehen und die Kapitalmärkte eher bereit sind, diese zu tolerieren. Aber in einer Welt mit vergleichsweise magerem Wachstum kann es durchaus auch strukturelle Gründe für eine Akquisition geben, ermöglicht sie es Unternehmen doch, ihren Umsatz und durch Ausschöpfen möglicher Synergien ihren Gewinn zu steigern.