Rentenfonds Ganz ohne Anleihen geht es nicht

Staatsanleihen bieten schon lange keine risikofreie Rendite mehr. Um das Depot dennoch zu stabilisieren, lassen sich bei festverzinslichen Wertpapieren einzelne Stellschrauben justieren.

05.01.2017, aktualisiert 07.06.2018 - 14:5007.06.18 - 14:50
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Christian Jasperneite ist Chief Investment Officer der Privatbank Warburg & CO.
Christian Jasperneite ist Chief Investment Officer der Privatbank Warburg & CO.© M.M.Warburg & CO

Dank der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank konnte der Konzern Henkel vor Kurzem am Anleihemarkt Kapital aufnehmen und musste dafür nicht einmal etwas bezahlen. Im Gegenteil: Da die Rendite negativ ist, bekommt Henkel sogar noch Geld dafür.

„Es sind heftige Blüten, die die EZB-Politik mit sich bringt“, sagt Christian Jasperneite, CIO der Privatbank M.M.Warburg. Tatsächlich ist inzwischen nichts mehr, wie es war. Bis zur Finanzkrise konnten Anleger mit sicheren Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen bester Bonität rund 3 Prozent und mehr pro Jahr erwirtschaften. Heute ist das nicht mehr möglich. Zehnjährige Bundesanleihen liegen mittlerweile bei 0,13 Prozent.

 

Und seit die EZB begonnen hat, ihr Kaufprogramm auf Corporate Bonds auszuweiten, bringen Unternehmensanleihen guter Qualität im Schnitt auch nur noch rund 1 Prozent. „Dabei sollten Investoren das Risiko nicht vergessen“, warnt der Experte. Denn steigen die Zinsen, dann wird es vor allem bei Staatsanleihen zu Verlusten kommen: „Als Faustregel gilt, dass bei einem Renditeanstieg um 1 Prozentpunkt der Kurs einer zehnjährigen Bundesanleihe um 7 Prozent zurückgeht.“

Renditeloses Risiko

Staatsanleihen bieten also längst keine risikofreie Rendite mehr, sondern nur noch renditefreies Risiko. Zwar können Anleger ihre Aktienquote als Ausgleich nach oben fahren. Doch warnt Jasperneite: „Zum einen ist das angesichts der hohen Kursschwankungen nicht jedermanns Sache, zum anderen braucht es einfach einen Rentenanteil im Portfolio, um dieses zu stabilisieren.“ Ganz ohne Anleihen geht es also nicht. Wie aber können Anleger festverzinsliche Wertpapiere ihrem Portfolio beimischen, sodass dieser Teil trotzdem nennenswerte Erträge abwirft und zugleich einen Ausgleich für den stärker schwankenden Aktienanteil bietet?