Stolls Fondsecke Riesige Risiken? Reichhaltige Renditechancen!

In China investieren? Die Risiken beim Kauf chinesischer Aktien sind groß. Das trifft allerdings auch auf die Chancen zu, die geduldige Anleger vor allem im Bereich kleinerer Unternehmen und A-Aktien finden können. Unser Gastautor Sven Stoll hat drei China-Fonds unter die Lupe genommen.

06.08.2021 - 16:0006.08.21 - 16:00
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Firmengelände des Akku-Herstellers Contemporary Amperex in der südostchinesischen Provinz Fujian
Firmengelände des Akku-Herstellers Contemporary Amperex in der südostchinesischen Provinz Fujian: Der chinesische Markt für A-Aktien bietet Investoren eine große Auswahl an Unternehmen aus den Sektoren IT, Konsum oder Gesundheitswesen © IMAGO / Xinhua

Nachdem die chinesische Regierung beschlossen hatte, dass mit Schülernachhilfe künftig keine Gewinne mehr erzielt werden dürfen, brachen die Aktienkurse von E-Learning Anbietern wie New Oriental Education und Tal Education um rund 80 Prozent ein und rissen den gesamten chinesischen Technologiesektor mit sich.

Das Vertrauen internationaler Investoren wurde dadurch nicht zum ersten Mal erschüttert. Alibaba-Gründer Jack Ma verschwand nach kritischen Aussagen über parteinahe Stellen im Oktober 2020 für Monate von der Bildfläche und ließ Raum für wilde Spekulationen. Darüber hinaus wurde der Konzern jüngst zu einer Rekordstrafe verdonnert. Die größte Online-Handelsplattform der Welt habe ihre marktbeherrschende Position ausgenutzt, um Händler zu bestrafen, die ihre Waren über konkurrierende Dienste angeboten hätten.

Regierungsentscheidungen als Risiko für Anleger

Die Regulierung des Staates trifft nun also auch die chinesischen Techgiganten – und zwar mit der vollen Wucht eines autoritären Regimes, dass für die Durchsetzung seines Willens keine langwierigen Verfahren benötigt. Jüngstes Beispiel: Didi. Der Fahrdienstleister war kürzlich in New York an die Börse gegangen, obwohl ihm die chinesischen Behörden Presseberichten zufolge eine Verschiebung nahegelegt hatten. Kurz nach der erfolgreichen Erstnotierung starteten die Machthaber Ermittlungen wegen Verstößen beim Umgang mit gesammelten Daten, woraufhin der Aktienkurs massiv einbrach.

Wettbewerbsfähige Unternehmen und technologische Konkurrenzfähigkeit

Ein Risiko, das kaum kalkulierbar und fast paradox erscheint. Anleger müssen damit rechnen, jederzeit per Beschluss enteignet zu werden, wenn die Geschäfte nicht im Sinne der Regierung und zum Wohle des Volkes geführt werden.

Wer angesichts der Risiken einen Bogen um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt macht, verzichtet allerdings auch auf allerhand Chancen. So stellt China rund 17 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts (BIP) und wird in diesem Jahrzehnt voraussichtlich die US-Wirtschaft größenmäßig überholen. Seit den 1980er-Jahren konnte die Volksrepublik Lebensstandard und Wirtschaftsleistung kontinuierlich steigern. Damit wurde der größte Wirtschaftsaufschwung in der Geschichte der Moderne praktisch von einer kommunistischen Partei mitgesteuert.

Die westliche Welt lässt vor allem eines immer nervöser werden: China fungiert nicht mehr allein als Werkbank der Welt, sondern strebt zunehmend nach wettbewerbsfähigen Unternehmen und technologischer Konkurrenzfähigkeit.

Zudem zählt das Reich der Mitte zu den größten und am schnellsten wachsenden Märkten weltweit. Das Land schaffte es dank strenger Corona-Maßnahmen im vergangenen Jahr als einzige große Volkswirtschaft beim Wirtschaftswachstum im Vergleich zu 2019 ein leichtes Plus von etwa 2,3 Prozent einzufahren. Getragen wird das Wachstum durch das vorsichtige Wiederanziehen des privaten Konsums und den florierenden Export.

Kleine Unternehmen als Renditebooster

Eine gute Möglichkeit, die Chancen im Riesenreich zu nutzen, bietet der Matthews Asia Funds - China Small Companies Fund A Acc USD (ISIN: LU0721876364), der sich im Gegensatz zu vielen anderen China-Fonds auf binnenmarktorientierte Nebenwerte fokussiert. Die Fondsmanagerin Winnie Chwang beschreibt den Charme kleiner Unternehmen so: „Chinesische Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung bilden die Speerspitze für den wirtschaftlichen Wandel des Landes zu mehr Konsum, Dienstleistungen und neuen Geschäftsmodellen.“ Lediglich rund 1,3 Milliarden Euro beträgt der Börsenwert ihrer Investments im Schnitt. Bei anderen Standardwerte-Fonds im China-Universum fällt er rund zehnmal so hoch aus.

Das Portfolio ist breit über verschiedene Branchen diversifiziert. Von den rund 60 Unternehmen ist die KWG Group Holdings aktuell die größte Position. Die Investment-Holdinggesellschaft befasst sich hauptsächlich mit der Immobilienentwicklung. Zu den Hauptgeschäftsfeldern von ENN Natural Gas, einer weiteren Top-10 Position, gehören der Erdgas-Einzelhandel, die Erdgasproduktion inklusive Erdgas-Direktvertrieb, das Kohlegeschäft und der Chemiehandel. Auch China Meidong Auto ist hoch gewichtet. Die Vertriebsgesellschaft ist hauptsächlich im Verkauf von Personenkraftwagen tätig.

Mit einem Plus von 190 Prozent über fünf Jahre liegt der Fonds an der Spitze aller China-Portfolios in diesem Zeitraum. Aber auch im laufenden Jahr bietet die Fokussierung auf kleine Unternehmen Vorteile. Während die Konkurrenz teils deutlich zweistellig verloren hat, hat der Matthews-Fonds seinen Anlegern bislang ein Plus von 10 Prozent beschert. Die Gesamtbilanz des Fonds seit Februar 2012: Ein Plus von 360 Prozent.

Chancen im Bereich A-Aktien

Mit dem AGIF - Allianz China A-Shares A (EUR) (ISIN: LU1997244873) konzentriert sich Manager Anthony Wong schwerpunktmäßig auf A-Aktien von Unternehmen auf dem chinesischen Festland, die an den Börsen in Shanghai oder Shenzhen gelistet sind. Der inländische chinesische Aktienmarkt (A-Shares) repräsentiert 19 Prozent des weltweiten Handelsvolumens und mehr als 10 Prozent der globalen Marktkapitalisierung.

Die Strategie des Fondsmanagers zielt darauf ab, die Chancen zu nutzen, die durch das teils irrationale Verhalten der chinesischen Kleinanleger entstehen, die diesen Markt dominieren. Wong berücksichtigt bei seinen Anlageentscheidungen auch ökologische und soziale Merkmale und engagiert sich insbesondere im Bereich der CO2-ausstoßenden Emittenten, um das Bewusstsein für Klimaschutz zu stärken.

Der chinesische Aktienmarkt unterteilt sich in drei verschiedene Segmente: Historisch am längsten für ausländische Investoren zugänglich sind die in der Sonderverwaltungszone Hongkong gelisteten H-Aktien sowie die in den USA notierten chinesischen Unternehmen. In dieses Segment fallen allerdings nur knapp 1.500 der insgesamt 5.600 chinesischen Aktien, die außerdem vornehmlich einen starken Auslandsbezug haben. In diesen Bereich kann der Manager bis zu 20 Prozent der Fondsmittel investieren. Der chinesische Markt für A-Shares bietet Investoren eine größere Auswahl an Unternehmen, die in Chinas „neuer Wirtschaft“, also in Sektoren wie IT, Konsumgüter oder Gesundheitswesen tätig sind.

Am höchsten gewichtet sind die Aktien von Contemporary Amperex mit 5 Prozent. Das Unternehmen mit Sitz in der Provinz Fujian ist der größte chinesische Hersteller von Lithium-Ionen-Akkumulatoren. Die zweitgrößte Fondsposition hat der Schnapsbrenner Wuliangye Yibin Co inne.

Der Fonds wurde im Oktober 2019 aufgelegt und gehört mit einem Wertzuwachs von 75 Prozent seither zu den besten China-Portfolios.

Durchhaltevermögen zahlt sich aus

Wie wichtig Geduld und Durchhaltevermögen in einem so volatilen Markt sind, zeigt sich anhand des Fonds-Klassikers Barings Hong Kong China Fund A USD Inc (ISIN: IE0000829238) Der 1983 aufgelegte Fonds erwirtschaftete im Laufe der Jahre einen Wertzuwachs von 10.700 Prozent.

Aktuell scheinen chinesische A-Aktien und Small-Caps interessanter als die bekannten Konzerne Tencent oder Alibaba, die in den meisten China-Fonds die größten Positionen einnehmen und zuletzt Abflüsse ausländischen Kapitals zu verzeichnen hatten. Sollte dieser Trend anhalten, dürften sie sich besser halten können.

Svens China-Fonds auf einen Blick

Über den Autor: Sven Stoll beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit Investmentfonds und betreibt auf Facebook den Blog World of Investmentfonds.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.