Risiko-Roundtable „Der Multi-Asset-Gedanke hat sich in verschiedene Dimensionen erweitert“

Multi-Asset-Fonds haben lange Zeit das Grundbedürfnis der Deutschen nach überschaubaren Risiken an den Finanzmärkten bedient. Ist das heute immer noch so? Die Kollegen von Das Investment haben acht Experten zu einer Diskussion über das Thema Risikomanagement nach Frankfurt eingeladen.

03.05.2016 - 19:0704.05.16 - 11:47
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Diskutierten engagiert zum Thema Risikomanagement: Ulrich Reitz, CIO von Focam, und Andreas Schmidt-von-Rhein, Leiter Risikomanagement und Mitglied der Geschäftsleitung in der Fereal AG (v.l.)
Diskutierten engagiert zum Thema Risikomanagement: Ulrich Reitz, CIO von Focam, und Andreas Schmidt-von-Rhein, Leiter Risikomanagement und Mitglied der Geschäftsleitung in der Fereal AG (v.l.)© Martin Kämper

DAS INVESTMENT: Lassen Sie uns das Thema Multi Asset vertiefen. Der Ansatz klingt in der Theorie gut, in der Praxis zeigt sich: Nicht alle Konzepte schaffen hier Mehrwerte.

Martin Lück: Zunächst einmal ist Multi Asset ja nichts Neues. Früher hieß das gemischte Fonds. Und dass auch die Multi-Asset-Produkte nur so gut sind wie die Fondsmanager und die Produkte, die in den Fondslösungen enthalten sind, ist auch klar.

Als Erstes muss ich den Anleger verorten: Mit dem klassischen Dreieck aus Liquidität, Rendite und Risiko. Dies vorausgesetzt, ist Multi Asset ein geeignetes Produkt für den Retailbereich, weil es die Möglichkeit bietet, in einem Fondsmantel Umschichtungen vorzunehmen, ohne dass der Anleger aktiv werden muss. Er vertraut dies dem Fondsmanagement an. Zum Beispiel über Core-Satellite-Strategien: Der Kern ist dabei eine Multi-Asset-Lösung, die Satelliten sind individuelle Lösungen, die das Anlegerverhalten präzise abbilden können.

Charlotte Klinnert: Aber das Stichwort ist hier das Managerrisiko. Ich versuche, Marktrisiken abzugeben, und gehe dafür aber Managerrisiken ein – und diese sind natürlich ganz schwer zu prognostizieren.

Alexander Tavernaro: Bei Multi-Asset-Fonds gibt es zudem ein interessantes Phänomen. Die Korrelation der Manager zueinander war viele Jahre sehr niedrig, ist aber in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Das heißt: Über mehrere Manager zu streuen, die im Markt aktiv sind, hat keinen zusätzlichen Diversifikationseffekt mehr. Das gilt jedenfalls für die großen Namen.

Ulrich Reitz: Allerdings stehen heute deutlich mehr Strategien zur Verfügung. Früher war das Hauptdiversifikationskriterium, wie der Aktien- und Anleihen-Anteil im Portfolio gesteuert wird. Das funktioniert nur noch bedingt.

Mittlerweile bekommt man sogar am unteren Ende der Investment-Grade-Skala so gut wie keine Rendite mehr. Also investierten viele Anleger in den High-Yield-Bereich. Anschließend wunderte sich mancher, dass nicht nur die Aktienmärkte, sondern parallel auch die High-Yield-Märkte unter Druck geraten können. Häufig steigt die Volatilität von Einzelwerten in derartigen Phasen noch stärker als die des Gesamtmarkts. Hier nutzen wir eine Strategie, die von diesem Phänomen profitiert. So kann man auch in einer Drawdown-Phase ein negativ korreliertes, diversifizierendes Element beifügen.