Schroders Aktienmarkt-Kommentar Was bedeutet der Brexit für Aktienanleger?

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Deutliche Rücksetzer am Markt waren die erste Reaktion auf die Entscheidung der Briten. Wir meinen allerdings: Anleger sollten wegen der zu erwartenden Berg- und Talfahrt heute nicht überreagieren. Aktien ohne Schwerpunkt im britischen Inlandsmarkt dürften ein probates Mittel sein, um in den unsicheren Marktbedingungen obenauf zu bleiben.

24.06.2016, aktualisiert 28.06.2016 - 11:5528.06.16 - 11:55
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Rory Bateman, Head of UK & European Equities bei Schroders
Rory Bateman, Head of UK & European Equities bei Schroders

Eine erste Einschätzung von Rory Bateman, Head of UK & European Equities bei Schroders.

Es gibt eine Vielzahl von Fragen und Verwerfungen, die sich unmöglich alle hier aufzählen lassen. Deshalb konzentrieren wir uns auf die wesentlichen Punkte, die heute für Anleger zählen.

1. Haben „Remain“-Wähler Angst vor Risikopapieren?

Viele Anleger aus dem EU-freundlichen Lager sehen große wirtschaftliche Unsicherheiten, die sich durch einen Brexit ergeben. Nun hat sich eine Mehrheit der Briten entschieden, die EU zu verlassen. Möglicherweise schätzen die Anhänger des unterlegenen Lagers die Situation als unsicher ein und fürchten, dass die Risiken für die britische Wirtschaft zu groß sein könnten – und trennen sich von ihren Aktien.

Wie umfangreich diese Verkäufe ausfallen, wird sich unmittelbar auf die Marktreaktion in den nächsten Tagen und Wochen auswirken. Wir sehen die Gefahr, dass die negative Stimmung eine Eigendynamik entwickelt und zu einer mehr als deutlichen Marktkorrektur führen wird. Allerdings haben sich Aktien im Vorfeld des Referendums einigermaßen schwach entwickelt und die negative Marktstimmung dürfte zum Teil schon eingepreist sein.

2. Der britische Aktienmarkt tendiert nach unten: Kurzfristig oder fundamentale Neubewertung?

Die Unternehmen des FTSE 100 Index erwirtschaften ihre Gewinne zu 78 % außerhalb Großbritanniens. Und durch den deutlicheren Effekt einer schwächeren britischen Währung dürften sich die negativen Auswirkungen auf die Gewinne in Grenzen halten – trotz der allgemein erwarteten Dämpfer für die britische Wirtschaft.

Mittelgroße britische Unternehmen im FTSE 250 Index entwickelten sich dieses Jahr rund 3 % schlechter als die im FTSE 100 vertretenen Werte. Damit zeigt sich, dass die eher binnenwirtschaftlich orientierten mittelgroßen Unternehmen bereits die erwartete Schwäche der britischen Wirtschaft zu spüren bekommen. Und diese Tendenz dürfte sich mit dem heutigen Ergebnis noch verstärken. Langfristig orientierte Anleger sollten möglicherweise auf die deutlichen Preiskorrekturen reagieren, die auch durch geringe Liquidität entstehen.