Schroders-Experte Daniel Lösche über Anlagechancen in Europa „Die EU-Mitgliedsstaaten müssen die Weichen auf Wachstum stellen“

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Bei Anlagen in Europa sind die Multi-Asset-Experten von Schroders derzeit zurückhaltend. Doch Investment-Analyst Daniel Lösche erklärt im Interview, weshalb er längerfristig an die Staatengemeinschaft glaubt – und welche Hürden sie jetzt überwinden muss.

23.05.2016, aktualisiert 07.06.2016 - 08:4807.06.16 - 08:48
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 Daniel Lösche, Investment Analyst bei Schroders
Daniel Lösche, Investment Analyst bei Schroders

Herr Lösche, welche Bedeutung hat aktuell Europa für die Multi-Asset-Portfolien von Schroders?

Daniel Lösche: Aktuell nicht die höchste. Bei unserem größten Fonds in diesem Bereich, dem Schroder ISF Global Multi-Asset Income, steuerte Kontinentaleuropa mit Stand von Ende März lediglich 17 Prozent zur Gesamtallokation bei. Auf Großbritannien entfielen weitere 13 Prozent. Zum Vergleich: Nordamerika kam auf knapp 47 Prozent und auch die Schwellenländer besaßen mit 20 Prozent ein höheres Gewicht.

Hinzu kommt: Wir haben unser Europa-Exposure seit Jahresanfang leicht zurückgefahren – und zwar sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite.

Was hat zu dem Rückgang europäischer Investments geführt?

Lösche: Zum einen zeigt Europa aktuell eine ausgeprägte Sensitivität gegenüber den Emerging Markets. Kommt es in Schwellenländern zu erhöhter Volatilität – wie wir sie im ersten Quartal dieses Jahres beobachtet haben – schwanken auch europäische Werte. Gerade solche Turbulenzen möchten wir in unseren Multi-Asset-Portfolios vermeiden, um für Anleger eine möglichst stetige Wertentwicklung zu erzielen.

Und zum anderen?

Lösche: Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar seit Jahresanfang merklich aufgewertet. Europäischen Aktienemittenten hat dies nicht gut getan. Insgesamt machen Dividendenpapiere beim Schroder ISF Global Multi-Asset Income rund ein Drittel des gesamten Anlagevolumens aus.

Von diesem Aktienanteil entfallen derzeit circa 30 Prozent auf Europa inklusive Großbritannien. Auch hier liegen die USA mit einem Anteil von rund 45 Prozent deutlich darüber.

Wie sieht Ihre längerfristige Prognose aus?

Lösche: Längerfristig erwarten wir, dass der US-Dollar im Zuge der robusten Konjunkturentwicklung in den Vereinigten Staaten aufwerten wird. Im Umkehrschluss bedeutet dies eine Abwertung für den Euro. Europäische Unternehmen werden hiervon profitieren, gerade auch die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft. Daher warten wir gegenwärtig noch ab, werden aber zu gegebener Zeit wieder selektiv in Europa aufstocken – gerade im Aktienbereich.