Schroders-Experte Martin Kühle im Interview„Wandelanleihen sind kleine Multi-Asset-Pakete“

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Eine regelmäßige Verzinsung verbunden mit der Chance, an steigenden Aktienkursen zu partizipieren – das sind die zentralen Vorteile von Wandelanleihen. Martin Kühle, Produktmanager für Wandelanleihen bei Schroders, erklärt im Interview, welche Rolle die verzinslichen Wertpapiere in Multi-Asset-Fonds spielen.

31.03.2016 - 10:28 Uhr31.03.16 10:28
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Martin Kühle, Investment Director Wandelanleihen bei Schroders
Martin Kühle, Investment Director Wandelanleihen bei Schroders© Uwe Nölke

Herr Kühle, Schroders hat viele Multi-Asset-Fonds in der Angebotspalette. Wie passen Wandelanleihen dazu?

Martin Kühle: Wandelanleihen kombinieren wie Multi-Asset-Fonds die Wachstumschance von Aktien mit der Sicherheit von Anleihen. Sie ergänzen als kleines Multi-Asset-Paket sozusagen die Mischfonds-Palette von Schroders. Klein würde ich sie nennen, weil sie im Unterschied zu den großen Multi-Asset-Flaggschiffen nicht mit weiteren Assets wie Rohstoffen und Immobilien bestückt sind.

Sehen Sie Wandelanleihen auch als Instrument in Multi-Asset-Fonds?

Kühle: Ja, auf jeden Fall. Das asymmetrische Kursverhalten von Wandelanleihen bietet Multi-Asset-Managern wie jedem anderem Anleger den Vorteil eines automatischen Timing-Effektes. Bei fallenden Märkten besteht ein Schutz, da die Anleihe voll zurückbezahlt wird. Bei steigenden Märkten nimmt sie anderseits immer mehr Aktiencharakter an und bietet so die Möglichkeit, Gewinne mitzunehmen. Viele Multi-Asset-Manager möchten diese Timing-Allokation, also das Heft des Handelns, selbst in der Hand haben. Es kann aber arbeitser­leichternd sein, Wandelanleihen als Teil in Multi-Asset-Portfolios einzusetzen.

Wie hoch ist der Anteil der Wandelanleihen in Multi-Asset-Produkten von Schroders?

Kühle: Wandelanleihen gehören fest zu unseren Multi-Asset-Fonds. Sie sind in den Portfolios im einstelligen Prozentbereich vertreten.

Wandelanleihen wird oft ein Nischendasein unter den Finanzprodukten zugeschrieben. Ist diese These gerechtfertigt?

Kühle: Ja, die Wertpapiere führen ein Nischendasein. Das gilt vor allem für den Privatanlage-Sektor. Die Produkte sind sehr komplex und deshalb nicht so leicht zu verstehen wie reine Aktienpakete. Hinzu kommt, dass im Wandelanleihen-Sektor in der Regel hohe Stückzahlen gehalten werden müssen. Das entspricht nicht der Investment-Strategie von Privatanlegern. Über unsere Wandelanleihen-Fonds können sie dennoch auch mit kleinen Volumina an den Vorteilen dieser Asset-Klasse teilhaben und ihre Portfolios breit aufstellen. Bei institutionellen Anlegern wiederrum kommen Wandelanleihen sehr gut an. Vor allem Pensionskassen und Versicherungen engagieren sich in der Anlageklasse.

Wie haben sich Wandelanleihen an den Finanzmärkten zuletzt geschlagen?

Kühle: Sehr gut. Wandelanleihen haben Anleger in den turbulenten ersten Monaten des Jahres 2016 vor schlimmen Verlusten am Aktienmarkt bewahrt. Die Nachfrage war in den letzten Monaten aber nicht so hoch wie sie meiner Meinung nach sein sollte. Daraus folgt eine Fehlbewertung der Produkte von ungefähr 2 Prozent. Anleger können über Wandelanleihen im Moment sehr günstig auf Aktien zugreifen.

Welche  Entwicklung erwarten Sie für die kommenden Monate?

Kühle: Die Aktienkurse werden angesichts der schwelenden politischen Konflikte in Europa und den Schwellenländern wahrscheinlich genauso stark schwanken wie in den letzten Monaten. Die Ausschläge nach oben und unten werden aber noch schneller und häufiger kommen.