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Experten
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 Daniel Lösche, Investment-Analyst bei der Fondsgesellschaft Schroders

ANZEIGE Schroders Experten-Interview „Anleger sollten Schwellenländer jetzt im Auge haben!“

Viel Erfreuliches hatten Schwellenländer zuletzt für Investoren zu bieten. „Diese Aufwärtsentwicklung wird sich auch künftig fortsetzen“, sagt Daniel Lösche im Interview.

24.05.2017 - 15:36 Uhr | in Schroders

der fonds: Herr Lösche, warum sollten Anleger jetzt auf Schwellenländer setzen?

Daniel Lösche: Weil diese Staaten aktuell ein interessantes Rendite-Risiko-Profil bieten. Im weltweiten Vergleich beurteilen wir Schwellenländer daher positiv. Neben Investments in der EU halten wir sie für die zweite Region, die man gegenwärtig ganz besonders im Blick haben sollte. Dabei können unterschiedliche Zielsetzungen mit Kapitalanlagen in Schwellenländern verfolgt werden: Erstens Renditesteigerung, zweitens Diversifikation und drittens laufende Erträge.

Worauf begründen Sie Ihre Einschätzung?

Lösche: Anfang 2016 sah der Aufschwung in den Schwellenländern noch eher nach einer stimmungsgetriebenen Rally aus, die durch die Erholung der Rohstoffpreise und den schwächeren US-Dollar unterstützt wurde. Im Laufe des Jahres hat sich jedoch die grundlegende Verfassung vieler Schwellenländer verbessert. Dies sieht man unter anderem an der positiven Entwicklung der Einkaufsmanagerindizes, der Handelsaktivität sowie anziehender Investitionsdynamik.

Ein zweiter Faktor ist der zuletzt schwächere US-Dollar. Da einige Schwellenländer über eine beträchtliche externe Verschuldung verfügen, bedeutet ein niedrigerer Dollar-Kurs, dass die betreffenden Staaten bemessen in ihrer Lokalwährung weniger Kapital aufwenden müssen, um die Schulden zu bedienen. Sie können damit mehr Mittel für andere Zwecke nutzen, was das Wachstum stützt. Als positiv in diesem Zusammenhang sehen wir die Tatsache, dass Janet Yellen, die Präsidentin der US-Zentralbank Federal Reserve, nur sehr moderate Zinsanhebungen in Aussicht gestellt hat. Denn dadurch dürfte der Wert des US-Dollar noch einige Zeit vergleichsweise niedrig bleiben.

Den dritten Faktor bilden Rohstoffe, die insbesondere für rohstoffexportierende Staaten wie Brasilien oder Russland eine wichtige Rolle spielen. Wir gehen davon aus, dass die OPEC, als Reaktion auf das Überangebot an Schieferöl aus den USA, ihre Förderbegrenzungen weiter aufrechterhalten wird. Als Folge dessen sollte sich der Ölpreis mittelfristig auf einem moderaten Niveau von 50 bis 60 US-Dollar einpendeln, sodass die Dynamik nicht abgewürgt wird.

Zuletzt sind die Schwellenländer mit einem Kurs/Gewinn Verhältnis von 12 noch relativ günstig bewertet.

Wo sehen sie Potenziale?

Lösche: Von der stärkeren globalen Wachstumsdynamik profitieren aktuell einige asiatische Staaten. Korea und Taiwan beispielsweise sind Länder mit Leistungsbilanzüberschuss, die von einer gut laufenden Globalwirtschaft profitieren. Hinzu kommt generell im asiatischen Raum: Die Staaten bilden jetzt verstärkt auch dienstleistungs- und medienorientierte Branchen heraus, was weitere Wachstumspotenziale erschließen sollte. Bezogen auf Indien hat die weitreichende Bargeldabschaffung nicht den befürchtet negativen Effekt auf das Konsumverhalten gehabt. Anfang November 2016 hatte die Regierung unter Premierminister Narendra Modi über Nacht die am häufigsten genutzten Banknoten für wertlos erklärt – ein weltweit beispielloser Akt. Dennoch hat seine Partei bei den jüngsten Regionalwahlen eine deutliche Unterstützung der Bevölkerung erhalten. Dies ist ein gutes Zeichen für Stabilität und fortgesetzte politische Reformen, die das Land ökonomisch weiter voranbringen sollten.

Zudem haben sich über das Jahr 2016 hinweg, die Wirtschaftsbedingungen in Argentinien und Brasilien aufgehellt. Gleichzeitig geht in Brasilien die Inflation zurück, was der Zentralbank mehr Raum für Zinssenkungen bietet.