Schroders-Kommentar zu politischen Gefahren im Jahr 2017 Trump wird zum Schlüsselfaktor – für Risiko und Rendite

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Wichtige politische Grundsatzentscheidungen stehen 2017 an. Ihr ungewisser Ausgang bedeutet für Anleger erhöhtes Risiko. Investment-Stratege Daniel Lösche erläutert, welche Gefahren drohen. Zudem erklärt der Schroders-Experte, welchen Schutz Multi-Asset in dieser Situation bieten kann.

30.03.2017 - 10:4530.03.17 - 15:58
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Daniel Lösche, Investment-Stratege bei Schroders
Daniel Lösche, Investment-Stratege bei Schroders

Bei der jüngsten Parlamentswahl in den Niederlanden hat die PVV von Geert Wilders mit 13 Prozent deutlich schlechter abgeschnitten, als es die Umfragen haben vermuten lassen. Zudem war die Wahlbeteiligung mit fast 82 Prozent sehr hoch. Die Kapitalmärkte haben diesen Ausgang begrüßt, und auch wir halten ihn für ein gutes Zeichen zu Beginn des Wahljahres 2017. Jedoch sollten wir nicht den Fehler begehen, daraus einen Hinweis auf den Ausgang kommender Urnengänge in anderen europäischen Staaten abzuleiten. Da sämtliche etablierten Parteien eine Koalition mit Wilders ausgeschlossen hatten, waren eine Regierungsbeteiligung des Rechtspopulisten und ein damit einhergehender politischer Kurswechsel praktisch schon von vornherein ausgeschlossen. Dies ließ sich auch an den Yield-Spreads* niederländischer Anleihen ablesen, die vor der Wahl keine großen Veränderungen zeigten.

Momentum zur Mitte in Frankreich

Anders entwickelt sich die Situation in Frankreich, wo die Yield-Spreads zehnjähriger Staatsanleihen im Vorfeld der anstehenden Präsidentschaftswahl von November bis Februar einen erheblichen Anstieg zum Beispiel verglichen mit deutschen Papieren verzeichnet haben. Fakt ist damit: Der Markt nimmt das Risiko ernst und preist es in die Kurse ein.

Die für Investoren entscheidende Frage ist nun, wie stark die Wähler den nationalistischen Parolen Marine Le Pens folgen werden, die sich für einen Austritt Frankreichs aus dem Euro und eine stärkere Souveränität des Landes sowohl gegenüber der EU als auch den internationalen Finanzmärkten einsetzt. Obgleich gegenwärtig das Momentum der Wählergunst gegen ihre Partei Front National zu tendieren scheint, gehen wir dennoch davon aus, dass sie es in den zweiten Wahlgang schaffen wird. Dort allerdings erwarten wir einen Sieg eines moderaten Kandidaten, also entweder von François Fillon von den Republikanern oder von Emmanuel Macron von der von ihm neu gegründeten Partei „En Marche!“.

Geringe Gefahr in Deutschland – aber hohes Schadenpotenzial

Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte und darüber hinaus stehen in Europa Wahlen in Deutschland und Italien an. Zwar ist hierzulande das Risiko einer Regierungsbeteiligung der AfD nach der Bundestagswahl im September gering, da sich keine der angestammten Parteien auf eine Zusammenarbeit mit den nationalistischen und eurofeindlichen Politik-Neulingen einlassen dürfte. Falls es wider Erwarten aber doch anders kommt, halten wir die Bedrohung für Anleger für hoch, da Deutschland sowohl politisch als auch ökonomisch wichtigster EU-Partner und bisheriger Stabilitätsanker der Staatengemeinschaft ist.

Für die Anfang 2018 in Italien anstehenden Parlamentswahlen zeichnet sich bislang noch kein klares Bild ab. Beinahe traditionell ist die politische Lage im Land von sehr wechselhafter Stimmung geprägt. Wir halten daher eine stabile Mehrheitsbildung in absehbarer Zeit für unwahrscheinlich. Ob die EU-kritische und rechtspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung eine entscheidende Rolle einnehmen kann, lässt sich somit noch nicht abschätzen. Doch so oder so: Es ist zu befürchten, dass die vom Land dringend benötigten wirtschaftlichen Reformen aufgrund der politischen Instabilität weiter auf sich warten lassen werden.

Insgesamt gehen wir vor dem Hintergrund dieser Erwägungen in unserem ökonomischen Basis-Szenario davon aus, dass die EU weiter erhalten bleiben wird und der Euro als Gemeinschaftswährung fortbesteht.

* Yield-Spreads geben die Rendite-Differenz zwischen einem verzinslichen Vermögensgegenstand und einem risikofreien Referenzzinssatz gleicher Laufzeit an. Sie zeigen die zusätzliche Risikoprämie, die ein Investor erhält, wenn er nicht risikolos investieren will.